And now, the end is near

Im Grundsatz gäbe es Anlass zum feiern.
Heute ist der letzte Tag meiner Dukan-Diät. Theoretisch, Dukanier bleibt man ein Leben lang, aber die letzte Phase, die lebenslange Erhaltungsphase, unterscheidet sich nicht gross von den Ernährungsgewohnheiten der normalen Menschen. Es wird lediglich jeder Donnerstag ein reiner Protein-Tag eingelegt. Dieser erinnert einem stets an die Entbehrungen, soll einem ermahnen, die Ernährung vernünftig zu gestalten und hat eine gewisse entschlackende Wirkung. Es sei denn, wie diese Woche, man hat Tags zuvor Chicken Nuggets mit Pommes Frites, natürlich an Mayo und Ketchup, sowie ein Ben & Jerry’s genossen; Da ist der morgendliche Waagengang sehr ernüchternd um nicht zu sagen, frustrierend.
Leider spiegelt dieses Ergebnis meine letzte Phase wieder. Erwartungsgemäss fand ich die Balance nicht, zwischen gestatteten Lebensmittel, verbotener Lebensmittel und dem vernünftigen Mass der zu verzehrenden Menge, was darin resultierte, dass ich wieder in den alternierenden Rhytmus – Fressattacke trifft Hungerkur – verfiel. Doktor Dukan hatte schon recht, es ist die härteste Phase. Zwei Schlemmermahlzeiten sowie zwei stärkehaltige Beilagen die Woche, jeden Tag Gemüse, täglich bis vier Dukan-Kekse, täglich Brot und Käse… Das ist mehr als ich früher jemals gegessen habe, sollte ein Klacks sein.
Aber der Teufel ist ein Eichhörnchen.
Man nimmt wieder soziale Kontakte wahr, wird auch einmal zum Essen geladen. Doch eigentlich hat man sein Schlemmermahl bereits seit Tagen vor Augen und das Schlemmermahl soll nun nicht das Abendessen sein, zu welchem man spontan geladen wurde und schon hat man eine Mahlzeit mehr, welche man sich mit allen Mitteln gutzureden versucht.
Man nimmt heute keine Kekse, dafür etwas Schokolade und sei es nur ein Löffelchen Nutella. Dann gibt es noch die Dukan-Nutella, die ist lieb, da darf man auch zwei Löffelchen nehmen. Ich darf Alkohol trinken, hier stehen die Erdnüsse in einer Schale, kurz überlegen, was man tagsüber gegessen hat; Eigentlich nichts, diesen kleinen Snack verträgt es, also rein mit den Nüssen.

Das ist der Fluch. Man weiss genau, keine Kohlenhydrate am Abend, dieser Teelöffel Salz schlägt dank seiner wasserspeichernden Wirkung mit frustrierenden Wiegeresultaten auf die Stimmung und dennoch macht man es.

Der böse Jojo-Effekt – wir sprechen von explosiver Gewichtszunahme – blieb aus, diesen Erfolg darf ich verzeichnen. Was ich über Ernährung gelernt habe, war die Fastenmonate allemal wert.
Die Dukan-Diät funktioniert und fasziniert Leute, alleine in meinem bescheidenen sozialen Umfeld haben vier Personen damit begonnen und mein Diätpartner und Coach hat seine Dukan-Bibel schon länger nicht mehr gesehen, da sie unter Neugierigen die Runde macht.

Bild ist wohl geteilter Meinung, mal positiv…

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… mal negativbild-dukan-2

Je nachdem, woher der Wind weht und wie die Wölkchen am Himmel stehen.

Man muss sich einfach bewusst sein, Dukan gestattet keine Ausnahmen. Legt man Donnerstag als Protein-Tag fest, ist dieser einzuhalten. Donnerstag ist nicht Mittwoch und nicht Freitag. Bei der Schlemmermahlzeit keinen Nachschlag holen bedeutet nicht, dass der Teller unter der aufgeladenen Menge bersten soll und direkt mit der Gabel in die Schüssel ist ebenfalls ein Nachschlag.
Es gibt klare Richtlinien, kein Pillepalle-Gefüge und genau dies sagt mir eigentlich zu. Was für ein Lichtblick in unser opportunistischen, stimmungsgelenkten Welt.

Heute also der letzte Tag, aber noch nicht am Ende habe ich entschieden. Ich hatte ein Gewicht erreicht, bei welchem ich mich wohlfühlte und dies war vor 1500 Gramm. Natürlich könnte ich ein paar Proteintage einlegen und ich hätte es erreicht. Aber mit dem instabilen, diätgeschwächten Organismus würde ich dann in die freien Pfingsttage mit Schirmchendrink und Morgenbuffet starten.
Der Jojo-Effekt wäre nicht mehr aufzufangen.jojo-burgerDies kann sich gleich jeder merken, welcher drei Tage vor dem Sonnenwochende hungern will um in der Badehose eine gute Figur zu machen, ihr würdet die drei Tage den ganzen Sommer verfluchen. Man kann in drei Tagen zwei bis drei Kilo verlieren, speziell wenn der Körper nicht diätgeschwächt ist, das ist kein Thema. Drei Kilo erfordern 30 Tage Stabilisierungsphase. Dreissig Tage, dies ist ein Monat oder ein Drittel des Sommers. Ohne Eis, ohne Wassermelone, ohne Pizza im Freien, ohne Campari-Soda oder was sonst immer das Leben lebenswert macht. Muss man nicht, aber drei ausgeben und sechs erhalten mag in der Finanzwelt lukrativ sein, auf der Waage ist es deprimierend.
Klingt blöd, ist aber so und wenn ich es mir so überlege, erscheint mir mein wohlfeiler Plan schon wieder sehr dumm. Aber, wenn ich es jetzt nicht anpacke, dann werde ich es wohl nie mehr schaffen.
Also, nach den Pfingsten starte ich Dukan neu und ich freue mich darauf, ganz ehrlich. Beinahe wehmütig blicke ich auf die Entbehrungen der ersten Wochen zurück und im selben Masse beschleicht mich der Scham, wenn ich auf den letzten Monat zurückblicke. Nicht, dass ich eine masochistische Veranlagung hätte, aber die Disziplin welche ich, welche wir, an den Tag legten erfüllt mich schon etwas mit Stolz und ich würde mir gerne nochmals beweisen, dass ich es packe.pierre-dukan

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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