Auf an die Urne

Wann habt ihr das letzte Mal gelesen oder gehört, dass ein Mann eine Tätigkeit ausüben will, weil er einen Pullermann besitzt?
Mal vom pinkeln im Stehen abgesehen, was wirklich eine feine Sache ist.

Die Frau als solche, modern, weltoffen und sicher auf jedem Untergrund kommt jedoch nicht um die Tatsache herum, bei jeder politischen Wahl die Tatsache hervorzuheben, dass sie mit einer Mumu bedacht wurde. Ist nicht im Grundsatz verkehrt, versteht mich nicht falsch. Des öfteren könnte der äussere Eindruck täuschen und da der Mann darauf getrimmt wird, nicht auf solch oberflächliche Sachen fixiert zu sein, kann das maskuline Auftreten einer ordentlich emanzipierten Frau schon verwirren.
Nun sollte ich jedoch, so ich im Einzugsgebiet beheimatet wäre, eine Frau Huber-Ott oder Frau Bernath wählen, nur, weil es Damen sind und dass der Stadtrat nicht zum patriarchalischen Gremium verkommt. Natürlich auch weil es ganz gescheite Frauen sind, aber das Selbstverständliche muss man ja nicht besonders hervorheben. Es geht schon darum, dass Powerfrauen an die Macht kommen.
Als Powerfrau hat man an der ETH studiert. Dies kann wohl alles bedeuten, aber den Unterschichtenbürger hat man damit schon beeindruckt. Früher war schliesslich auch jeder Swissair-Angestellte selbstredend Pilot.
Im Schaffhauser Intelligenzblatt wurden alle Kandidaten vorgestellt, flankiert vom Radio Munot, welches einem das Ganze noch akustisch aufs Ohr haute. Jedes einzelne Portrait zu ergründen kann man sich getrost sparen, unterm Strich stellen sich die besten Menschen der Welt zur Wahl. Die einen sind parteipolitisch Links, machen jedoch nichts lieber, als Kompromisse mit Rechts zu schliessen. Die Parteiphilosophie der anderen ist eher konservativ, das Schönste am politisieren ist jedoch der Konsens, miteinander die beste Lösung finden.
Diese wollen sparen, es liegt ihnen jedoch sehr am Herzen, gerade in diesem Punkt zu investieren, da dürfe man nicht auf den Rappen schauen. Da gehen sie beinahe in trauter Einigkeit mit jenem, welcher die Notwendigkeit der Investition sieht, aber natürlich in keiner Weise vergessen will, dass man gerade hier etwas auf die hohe Kante legen soll.Selbstverständlich ist jeder Anwärter und jede Anwärterin so unglaublich gemeinnützig engagiert, derart erfolgreich im Beruf und managt quasi nebenher noch die gutbürgerliche Familie, dass man sich zwangsläufig fragt; Wo finden diese Leute diese fünf zusätzlichen Stunden pro Tag, welche jedem normalen Menschen bei einem solchen Engagement irgendwo fehlen würden? Aber vielleicht unterscheidet gerade dieses kleine Geheimnis die vollziehende Gewalt von den ähm… ja, Vergewaltigten.

Es versteht sich von selbst, dass alle bürgerlich sind, wenn die Rechten sich das auch etwas dicker auf die Fahnen schreiben. Natürlich meinen sie mit bürgerlich nicht, dass sie der Bourgeoisie angehören und auf uns Arbeiter herunterschauen. Bürgerlich klingt einfach so volksnah, man hat sofort den Toni Brunner im Rössli Appenzell vor Augen. Und weil proletarisch einem eher an eine Talkshow im deutschen Privatfernsehen denken lässt, definiert man bürgerlich eben neu. Dies bedeutet nun, dass der Herr Dr. Rohner seinen Zweireiher auch einmal lässig aufknöpft und auf einen Festbank am Oberhallauer Bergrennen sitzt. Oder den Pullover frech über die Schulter geworfen sich in einer beinahe lasziven Pose auf einem Brunnenrand drapiert.
Frau Huber-Ott, gerne auch einmal in Latzhose wie ein kleiner Lausejunge, verkauft aus ihrem Bauchladen Glace auf der Munotzinne, der Herr Preisig verweist gerne auf seine eleven-fifty-Vergangeheit mit Zauberhut und Frau Bernath ist die Verkörperung der Hippie-Frau. Grün. Also mehr ins blaue hinüber. Eine Art blaugrün. Mit einer Idee gelb. Aber im wesentlichen grün. Es könnte auch etwas rot dabei sein. Ein blaugrüngelbrot. Aber im Grundsatz Grün.
An sich Politiker zum Anfassen eben. Nur wirken sie durch die Wahlpropaganda wie dieses kleine Stückchen Eigelb, welches unweigerlich in das hübsch getrennte Eiweiss fällt und mit blossen Fingern nicht zu fassen oder festzunageln ist.
Das muss der liberale Ansatz sein.

Das bürgerliche wird gerne mit liberal ergänzt. Also sie sind irgendwie über uns gestellt, aber das dürfen wir nicht falsch verstehen, denn bürgerlich bedeutet für die Zeit der Wahl, dass sie mit uns auf einer Ebene gehen. Zudem ist ihr grösstes Gut, dass wir uns selbst entfalten können und unsere Freiheiten geniessen. Also bis sie uns regieren müssen, aber für die Zeit der Wahl kann man nicht genug liberal sein.Sie machen es einem nicht einfach, irgendwie kann man alle Kandidaten aufeinander stapeln. Wo sie sich nicht decken, ergänzen sie sich in wunderbarer Weise.
Es ist beinahe unmenschlich, dass wir eine Wahl treffen müssen, man möchte keinen dieser wunderbaren Kandidaten verletzen.

Im Endeffekt liegen die Leserbriefschreiberinnen nicht einmal so falsch; Die Kandidaten unterscheiden sich nur noch geschlechterspezifisch. Lasst es mich so sagen, wir müssen darauf vertrauen, was uns Lotti Winzeler, Susi Demmerle und Genossinnen sagen, denn eine Beweiskette wird niemand anführen. Und wir müssen darauf vertrauen, dass eine Frau im Stadtrat das ultimative Glück auf Erden ist. Denn niemand schreibt, dass wir einen Herrn Preisig wählen sollen, weil er ein Mann ist.

Sollte man trotzdem noch unschlüssig sein; Das regionale Publikationsorgan bezieht als Ausdruck seiner Unbefangenheit wie üblich Stellung und sagt uns, wenn wir wählen sollen. Nicht völlig überraschend präsentieren uns die Schaffhauser Nachrichten den Ritter der Grafschaft KBA, Herrn Dr. Raffaël Rohner und den privatwirtschaftserfahrenen Partylöwen Herrn Andreas Preisig.
Bürgerlich-Liberal.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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