Dann zwingen wir sie eben in die Bahn

Schon des öfteren attestierte ich unserer Regierung einen leichten Hang zum Schildbürgertum. Dies meine ich noch nicht einmal böse, denn wer unter uns fand die Schildbürger nicht knuffig und wer sie nicht gelesen hat, soll sofort noch einmal die Schulbank drücken und dem Herr Studienrat gehören die Leviten gelesen.schildbuergerEin wenig graut mir vor dem Tag, an welchem unsere Bundespräsidentin, in Ermangelung eines ordentlichen Kaisers, der Stadt ennet dem Rhein die totale Narrenfreiheit zugesteht, denn ich meinte mich zu entsinnen, dass von diesem Tage an niemand mehr über die Schildbürger lachen durfte und dies wäre doch schon zu schade.

Natürlich sauge ich mir dies nicht einfach aus den Fingern. Beeindruckend waren zum Beispiel die Umbauten am freien Platz im Jahre 2013. Nach dem Abreissen des Bushäuschens, dummes Wort, dem geschützten Unterstand für Busreisende, kam man zum Schluss, dass mit dem Sommer die Touristen kommen und diese einen Unterstand gewiss zu schätzen wüssten. Also baute man einen neuen Unterstand um selbigen hernach abzureissen und ein Jahr später den dritten Unterstand zu bauen.

Gerade in der Bautätigkeit schöpft man das Potential der regierenden Herren voll aus. Nachdem eine Kehrichtbehandlungsanlage zur Hälfte fertig gestellt war, nahm man dem Projektleiter das Heft aus der Hand. Man würde es nun selber zu Ende bringen, sprachs von höchster Ebene, ignorierend der Tatsache, dass ein solches System auf der ganzen grossen Welt noch nie gebaut worden war und man es gerade deswegen ausgewählt hat. Mit grossem Hurra wurde das Projekt an die Wand gefahren. Oder dreissig Millionen Franken ins Klo gespühlt. Aber man ist fleissig zugange, den Entwickler zu verklagen.

Gerne gibt man sich kulturell und, trotz leerem Geldbeutel, verschenkt man jährlich 780’000 Franken um ein Kunstwerk zu präsentieren, welches einem eigentlich gar nicht so richtig gehört. Nichts desto trotzt streitet man um die Leihgabe, basiert doch die gesamte Ausstellung auf derselbigen. Man streitet solange, bis eine halbe Million an Prozesskosten verpufft ist und man die Hallen endgültig schliessen muss, weil nicht einmal mehr die Reinigungskraft entlöhnt werden kann.
Ich hoffe inständig, der Regierung wird nie ein Fussball in das Rathaus gekickt, sie wären imstande und bauen gleich ein Fussballstadion um selbigen.

unser-doktor-ist-der-besteSchaffhausens Patentrezept dem steigenden Verkehrsaufkommen Herr zu werden sind neben furchtbar intelligenten Lichtsignalanlagen engere Strassen. Blumentöpfe in den Weg stellen kann jeder, die Schaffhauser benutzen Radfahrer. Diese zahlen Steuern, wachsen bei Bedarf nach und können sogar gebüsst werden. Selbigen nimmt man in Beringen den Radstreifen weg und lässt sie fortan in der Mitte der Fahrbahn pedalen, damit die nachfolgenden motorisierten Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit drosseln müssen.

Löhningen beobachtet nun das Prinzip interessiert und ich wette ein original Schilda-Steckenpferd gegen einen Blumentopf, dass sie das System übernehmen. Löhninger, das sind jene, deren Gemeindepräsident empfiehlt, dass man bei einer geschlossenen Bahnschranke, nicht warten müsse, sondern einfach bei der Schranke derselben Bahnlinie im Nachbardorf anstehen solle. (SHN 25. April 2014)

Besagte Bahnlinie durch den Klettgau ist der letzte grosse Streich. Der bereits existierende Geisterbahnhof in Beringen wird von einem schönen weissen Bus bedient, welcher zu Spitzenzeiten den Chauffeur und jede Menge gute Absichten befördert. Doch Schildbürger machen keine halben Sachen, deswegen erhielt die Bahnlinie im Beringer Feld noch eine zusätzliche Haltestelle. Mit 72 Abstellplätzen für Fahrräder. Wohl gedacht für den Bewohner der unzähligen (Geister)-Mehrfamilienhäuser im Beringer Feld, welcher jedoch a) einen Rollstuhl fährt und b) zu allem Übel kürzlich wegen Terrorverdacht von der Bundesanwaltschaft festgenommen wurde.

Mit einem letzten verzweifelten Versuch will man nun die Bürger sanft zwingen, die Bahn zu benutzen. Was bedeutet, dass der sehr beliebte Verkehrsbus nicht mehr bis Schilda, pardon, Schaffhausen fährt, sondern auf halber Strecke stehen bleibt. Dort sollen die Pendler aus dem hintersten Dorf des Klettgaus auf die Bahn umsteigen. Kleingeister merken nun an, dass man so nicht mehr Leute für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel gewinnt sondern bestenfalls die bisherigen Nutzer vergrault, aber wenn der Regierungsrat an den Bahnhof Neunkirch steht, die Hände wie Scheuklappen links und rechts an die Schläfen legt und in einen Bahnwagon guckt, sieht es so aus, als würden ganz viele Leute Bahn fahren. Dann sieht man auch die Leute nicht, welche in Siblingen, Löhningen und Beringen wieder auf das Auto umsteigen.
Die Idee war übrigens das Ergebnis eines Workshops. Vor meinem geistigen Auge zeichnet sich das Bild eines Gemeinderat auf einem Autoteppich, inmitten von Playmobil und kleinen Lokomotiven ab.

 

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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