Das Boot ist voll

So, jetzt ist aber auch mal wieder gut.

Was beabsichtigt die Redaktion der Schaffhauser Nachrichten? Einige Minuten in sich gehen, bevor man vom Nature-Joghurt mit der reingeschnippselten Kiwi zum Croissantes übergeht?
Zeit um über Toleranz zu diskutieren, während Mutti eine neue Kapsel in die Kaffeemaschine bugsiert?
In dem an sich schon dünnen Blättchen werden gleich vier Artikel dem Mittelmeer-Drama gewidmet. Seitenübergreifend. Auf dem Papier, wohlgemerkt, denn hinsichtlich der Beleuchtung der ganzen Angelegenheit wirkt das Ganze sehr eindimensional. Es gibt nur eine Seite. Wer etwas anderes behauptet ist ein ganz schrecklicher Mensch.

Eine Träne versalzt meine Frosties.
Habe ich übrigens dafür gearbeitet. Also für die Frosties. Mit eigenem Geld erstanden.
Die Eritreer Nahom und Namid werden portratiert. Unter falschem Namen, denn eigentlich ist das Erstland für das Asylverfahren verantwortlich. Mancher Schweizer träumt davon, in der Politik ist es längst Realität. Das Binnenland Schweiz hat einen Mittelmeer-Anschluss. Nur so kann man in Tripolis an Bord gehen und Non-Stop im Tessin anlegen.

neo-europa
Die Schweiz akzeptiert diese geringfüge geografische Korrektur, denn eine Rückschaffung nach Italien – begehrtes Urlaubsland, Heimat schöner Menschen, geselliger Kleingärtner, fleissiger Gipser und illustren Politikern – bezeichnet Roben Blanck als drohendes Ungemach.

swisstopo
Indem Nehom und Namid bestreiten in Italien angekommen zu sein, sind sie auch nicht in Italien angekommen. Setzen die staatlich bezahlten Winkeladvokaten den Asylbewerbern solche juristische Schlupflöcher in die Köpfe? Denn mal ehrlich, eine Portion gesunden Menschenverstand erhält wohl jeder Erdenbürger, unabhängig von politischer Gesinnung, Geschlecht, Hautfarbe oder Religion und dieser besagt, dass ein Land ohne Meeranschluss irgendwie auch nicht direkt über ein Meer per Schiff erreicht werden kann.
Aber gut zu wissen, bei der nächsten Verkehrsbusse verleugne ich meinen Wohnort, soll der Herr Schutzmann mal sehen, wohin er den Wisch schickt.

Nahom und Hamid erzählen eine Geschichte voller Leid, Entbehrungen und Totschlag.
Was soll der Quatsch?
Was habt ihr gedacht? Sie sitzen hin, im hübschen Nabholz-Trainingsjäckchen – kostet mehr als ich für einen Winteranorak auszugeben bereit bin – und erzählen von einer Fahrt, welche eigentlich ganz angenehm gewesen sei? Nicht direkt eine Saftschubse auf dem Kahn, aber alles in allem nicht so übel?
Natürlich sind sie durch die Hölle gegangen, ich bin bereit, einen grossen Teil der Geschichte zu glauben, aber was bezweckt der Herr Blanck mit diesem Artikel? Die Schaffhauser zu sensibilisieren? Soll ich losstürzen und bei Wanner Innendekorationen einen roten Teppich erstehen, welchen ich im Tessin über die Grenze rolle?

Beides sind übrigens Deserteure.
Deserteure haben an sich kein Asylrecht, aber die Schweiz hat unlängst die Gesetze angepasst; Wer aufgrund einer differenten politischen Einstellung gegenüber dem Vorgesetzten verfolgt wird, erhält trotzdem Asyl.
Von einer Minute auf die andere beantragten keine Soldaten, sondern nur noch politische Menschenrechtler Asyl.
Ein Aspekt beeindruckte mich.
Ganz Nordafrika geht vor die Hunde, geprägt von Korruption und kriminellen Machenschaften. Ganz Nordafrika? Mitnichten; Das Geld überweisen klappt zuverlässiger als die Krankenkassenrückerstattung in der monetären Schweiz. Die Schlepper haben die Angewohnheit, während der Reise immer wieder die Fahrgäste zu melken. Wie eine Carfahrt nach St. Moritz mit Zwischenstopp im Heidiland, dem Kiosk auf dem Julier und der Bäckerei Furneria Grond in Silvaplana. Obwohl Nahom und Hamid im letzten Hemd und leeren Taschen unterwegs sind, mit Omas letzter Goldkrone die Überfahrt bezahlt hatten, obwohl sie sich ständig verstecken mussten und die Panik gefasst zu werden allgegenwärtig war, schafften sie es, mal kurz bei Western Union vorbei zu gehen und Geld zu holen, welches ihnen die Familien zukommen liessen. Wiederholt.
Also dieser Teil der Geschicht erscheint etwas undurchsichtig. Nicht zuletzt, weil es ohne Ausweis auch furchtbar schwierig ist, einen Geldtransfer in Empfang zu nehmen.

Item.
Berichte über ein blindes Büsi im Katzenhaus gehen mir näher, so ganz ehrlich gesagt.
Nennt mich Arschloch. Wenn ein Arschloch zu sein bedeutet, dass man niederschreibt, was viele denken, bekenne ich mich schuldig.
Es mag Leidtragende geben, gewiss ist es kein Zuckerschlecken. Doch wird die Glaubwürdigkeit jedes Asylbewerbers angesichts des gelebten Luxus der Einheimischen mit Migrationshintergrund zunichte gemacht.
Und nun kommt mir nicht mit ‚die ganze Familie zahlt den Mercedes‘ und so weiter, Fakt ist; Alle Bewohner mit Migrationshintergrund, unfähig ein vernünftiges Deutsch zu sprechen, mich fragend ob Schaffhausen ein Dorf sei und entsetzlich viel Freizeit haben, wurden mit einem Startkapital seitens unserer Wohlfahrt unterstützt. Ohne jegliche Auflagen und derart unverschämt hoch, dass manch Start-Up Unternehmen davon nicht zu träumen wagt.
So schauts aus.

Sieht natürlich unser Mister Social, der Herr Ex-Stadtpräsident Feurer ganz anders. Ich war ein wenig Fan von Herr Feurer, gestehe ich. Ein dynamischer, ungestelzter Stapi ohne Schlips oder Stock im Allerwertesten.
Fan bis zu diesem Moment, als er heute in der ‚Plattform für jedermann, welcher von mindestens drei Leuten in der Stadt erkannt wird‘, der Kolumnenecke der SN, sich zu den Menschen gesellte, welche mir erklären, wie gut ich es habe.
Fünf Jahre Stapi und für jedes Jahr eine Viertel-Million eingestrichen. Ist für mich in Ordnung, solange bis er, offensichtlich von seinem dicken Bankkonto ausgehend, mir erklärt, wie feudal und abgehoben ich lebe.
Wieviel Eritreer hat der Herr Feurer in seinem Hinterzimmer einquartiert? Wie keine?!? Warum nicht?
Und wieviel Geld braucht der Mensch zum leben? Warum lebt er nicht in einer mietgünstigen Einliegerwohnung, spendet sein Vermögen und kocht in der Freizeit Suppe an der Krebsbachstrasse?
Richtig, mache ich auch nicht. Aber ich predige auch nicht die grenzenlose Nächstenliebe. Die Schweizer sind ein arbeitssames, bescheidenes Völkchen. Wir arbeiten 45 Stunden, streiken nicht, feiern nicht wöchentlich drei Feiertage, verdienen unser eigen Brot und halten uns nicht mit Gedanken auf, an welcher Zitze der staatlichen Wohlfahrt man noch nuckeln könnte. Wir kommen in einer stabilen Umgebung zur Welt, doch hat nicht das Schicksal uns den goldenen Löffel in den Mund gedrückt, das waren unsere fleissigen Vorfahren. Diese Werte werden uns von Kindesbeinen an eingepflegt, so leben wir es weiter, für den Erhalt und die Stabilität unseres Vaterlandes. Das ist nichts, wofür wir uns zu schämen brauchen. So waren wir Eidgenossen schon immer.
So Gott will, werden wir es noch ein paar Jahre sein. Solange, bis unsere Werte und Mentaliät vollends untergraben sind, wir uns der EU und allen unseren armen Gästen angepasst haben.
Fleissig wie die Eidgenossen sind, arbeiten wir an unserer Assimilierung. Die Politik wendet Zeit, Energie und unglaubliche Summen dafür auf, unsere Bildung, das Rechtssystem und die Sozialdienste den veränderten Ansprüchen anzupassen.

Auf, dass sich jeder hier wohlfühlen mag.
Obwohl, so der Herr Feurer, sämtliche Asylbewerber den grössten Wunsch haben, sobald als irgendwie möglich wieder nach Hause zu reisen.

Und wenn man am Ende eines Regenbogen gräbt, findet man einen Topf voller Gold.
Nämlich.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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