Das Leben ist eben doch ein Pony – Hof.

Selbstverständlich betrachte ich es als grosses Kompliment.
Da erwähnte meine beste gute Freundin neulich Abend, in Ermangelung unterhaltender Zeilen auf meinem Blog bat sie Google, doch einen lesenswerten Blog zu finden.
A propos Google bitten; Da wurden kürzlich – ihr verzeiht, es ist mich nicht mehr präsent ob Tageszeitung oder online-Tagblatt – Alternativen zu Google veröffentlicht. Für paranoide Menschen. Damit Google nicht weiss, wo ich entlang surfe. Ja, ich habe mich schon oft beschämt etwas zur Seite gedreht, aus dem Blickwinkel des Bildschirms, wenn ich einen anrüchigen Begriff in die Suchleiste getippt habe. Damit die Menschen bei Google, welche in das Archiv rennen, nicht sehen wer jetzt Nacktbilder von Claudia Cardinale sucht. Natürlich nachdem sie sich lachend in den Armen lagen und blaue Flecken auf den Schenkeln hatten. Natürlich suche ich kein Nacktbild von Claudia Cardinale, aber hätte ich das Intro des Li-La-Launebär getippt, hätte ich ein Quentchen weniger Eurer Aufmerksamkeit erhascht. Wenn nun jemand in seiner Paranoia Google umgehen will, erscheint mir dies, als würde ich anstelle der Linie 21 in die Stadt, den Weg durch den Wald wählen. Furchtbar umständlich, aber zumindest unauffällig, nass und kalt, aber niemand der Buspassagiere weiss nun, wo ich hin will. So sie dies interessieren würde. Nackt und barfuss, nicht dass jemand aufgrund der H&M-Etiketten in meinen Kleidern mein Einkaufsverhalten analysieren könnte. Paranoia entwickelt nur, wer sich selber für etwas zu wichtig hält.

Googelt man nun nach einem Blog, erscheint zuerst der Wikipedia-Eintrag, was so völlig in Ordnung ist, ohne Wikipedia läuft nichts mehr. Gleich danach der Tagesanzeiger, welcher ausgewählten Bloggern eine Plattform bietet, ähnlich den „Kolumnisten“ in den Schaffhauser Nachrichten. Meine Texte passen nicht in das Portfolio des Tages Anzeigers. Sagen die. Und die Schweizer Illustrierte. Wie auch nicht in das der Schaffhauser Nachrichten, ja darüber bin ich noch immer nicht hinweg; Norbert Neininger, hashtag und hau mich tot, ist der Meinung, meine Qualitäten als Schreiber seien für ein exquisites Blatt wie den Schaffhauser Nachrichten unzureichend. Natürlich, an seine 41 Zeilen, inklusive Unterschrift – ein cooles N.N, subtil im Auftritt, ein verschwörerisches ‚Du weisst schon‘ – über den Feiertag im Ländle Lichtenstein komme ich nicht ran. Seine Kommentare zum Wochengeschehen unter dem Titel 58, der Chefredaktor gibt sich die Ehre und spricht zum gemeinen Volk, Pulitzer-verdächtig.
Vielleicht liegt es an meinem analysiertem Suchverhalten, Claudia Cardinale nackt mit abgewendetem Kopf, wie die Suchergebnisse aufgereiht werden, als nächstes erscheint der Blog von Alt-Bundesrat Leuenberger, welcher nur noch mitteilt, dass er eben nicht bloggt.

Einen Blog führe ich nicht mehr. Zu Twitter, Linkedin oder Ähnlichem mochte ich mich nicht aufraffen, da ich den permanenten Dialog und die öffentliche Präsenz nicht mehr so intensiv suche. Immerhin sind meine Koordinaten zur Kontaktaufnahme angegeben und können gerne genutzt werden.

Danach wieder Tagesanzeiger, NZZ, offizieller SBB-Blog, weitere Blogs sich selbst darstellender Firmen, Bilder und natürlich die Links zu kostenloser Blog-Software. Eigentlich erstaunlich, Google lebt von den Werbeeinnahmen. Jede Werbeeinblendung welche unter den Suchbegriffen erscheint, will mich zu einem kostenlosen Artikel verlinken. Das bedeutet, Gutmenschen sitzen in Gutfirmen, welche kostenloses Gut gratis abgeben wollen, es jedoch nicht an den Mann, respektive Frau, bringen und daher kostenpflichtige Werbung auf Google schalten.
Basiert diese Einschätzung des Google-Surfers als unglaublich naives Wesen auf den eingegebenen Suchbegriffen oder werden werbekonsumierende Menschen grundsätzlich als etwas dumm betrachtet.
Denken diese, es fällt nicht auf, dass seit einem Jahr und 243 Tagen dieselbe rollige Hausfrau für eine erfolgreiche Plattfrom namens Partnership wirbt? Jeder Topf findet seinen Deckel, nur diese Trulla anscheinend nicht, dennoch ist sie unglaublich glücklich und überzeugt von Partnership.
Oder dass ein Mann erst ein Mann ist, wenn seine empfindliche Haut nicht mehr brennt, weil er nach der Rasur das feine Nivea-Gel für ganz sensible Poren verwendet. Steht im Bad vor klarem Spiegel, mit Six-Pack und einem Gesicht wie aus Granit gemeisselt, erzählt von einem leichten Brennen unter dem Kinn, welches ihm den ganzen Tag versaut. Wer soll da nun angesprochen werden? Ganz allgemein sollten nur noch Männer mit Bierwampe für Pflegeprodukte werben, ich fühle mich als Zuschauer genötigt, einem Idealbild zu entsprechen und das geht ja nun wirklich nicht.

Wenn man bei Google nicht auf der ersten Seite erscheint, kann man sich getrost als Nicht-Existent bezeichnen, nur ganz verzweifelte Leute klicken auf die zweite Seite. Da es kein vernünftiges Blog-Verzeichnis gibt, findet man diese geltungssüchtige Schreiberlinge nur, wenn man gezielt Artikel sucht. KBA-Hard, nur einer meiner Seite 1-Artikel bei Google.

Ich betrachte es als grosse Ehre wenn meine beste gute Freundin nach anderen Blogs sucht. Als würde man während der Werbepause bei den Simpsons mal kurz nach RTL rüberschalten. Nicht das bevorzugte Programm, aber man möchte die unerträgliche Wartezeit bis zum Fortsetzen mit Unterhaltung zweiter Klasse überbrücken.
Um dieser Sparte nun gerecht zu werden, habe ich meiner besten guten Freundin auch Pony M, das facebook-Phänomen, vorgeschlagen, auch wenn meine beste gute Freundin nicht durch soziale Netzwerke navigiert. Aber glücklicherweise schreibt Pony M auch Kolumnen. Daher, klick doch mal hier rein Huffington-Post, Watson, oder gleich auf ihrer offiziellen Webpage Yonni Meyer.pony-m
Ja, ich habe keine Mühe damit, eine Frau Meyer zu verlinken.
Der Leser glaubt eine leichte Verbitterung zu hören. Ja zu Hören, denn die Symphonie meiner Texte berührt die Seele, ob gelesen, gefühlt oder gehört. Ihr hört recht, doch ist es der blosse Neid.
Politisch korrekt müsste ich nun sagen, ich gönne ihr den Erfolg. Dies sagt der Mund der politisch Korrekten, das trotzige Kind im inneren sagt, ich will auch. Denn trotzige Kinder sind aufrichtig. Ich stehe nicht bei der Migros in der Warteschlange und beobachte, wie sich ein Kind freut, dass der kleine Kutscher auf dem Wägelchen vor ihm eine Kinderüberraschung in der Hand hält. Der erste Gedanke ist, ich will auch, und kaum zu Ende gedacht, wird dies verbal zum Ausdruck gebracht. Da die kurzen, dicken Beine im Gestänge des Einkaufwagen stecken und die Windel sich auf dem kleinen roten Sitz verkeilt hat, ganz zu schweigen vom Knopf der Latzhose, welcher irgendwie in den Gitterstäben hängt, kann er nicht tobend im Kreise rennen und auf gelenkeverachtende Weise auf die Knie fallen, also setzt er zu einem Geschrei an. Der Kutscher im Wägelchen vor ihm erschrickt und fürchtet um seine Kinderüberraschung, denn Mama, gerade im Gespräch mit einer anderen Hausfrau, hat noch nicht bemerkt, dass er diese höchst eigenmächtig mit seinen kleinen Knubbelfinger aus dem Regal geklaubt hat, da der Marketingverantwortliche die Kinderüberraschung geschickt in Greifnähe der kleinen Einkaufswagenkutscher platziert hat.
Nun beginnt der kleine Junge mit dem Batman-Pullover zu schreien und zeigt mit einem klebrigen Finger genau auf ihn und seine Kinderüberraschung. Da er seinen Fang bereits als verloren sieht, fällt ihm nichts anderes ein, als wiederum auf den anderen Jungen im Winnie-Puuh-Pullover zu zeigen und ebenfalls ein Schreien anzustimmen. Die armen Hausfrauen wirken erst verdutzt und schiessen sich danach hasserfüllte Blicke zu, denn es besteht kein Zweifel, dass dieser Bastard im anderen Wagen dem eigenen Sonnenschein soeben die Pest an den Hals gehext hat. Und selbstverständlich erhält er eine Kinderüberraschung, ist das Mindeste, bei all dem Ungemach, welches der kleine Engel erlitten hat.
Es ist mir unbekannt, wieviel die kleinen Jungen von ihrer Aktion wirklich geplant und vom glücklichen Ausgang mitbekommen haben, aber ich glaubte zu sehen, dass sie an der Einkaufswagen-Rückgabestation, zwischen dem Ausladen der Tüten und dem Ausfädeln des Nachwuchses aus dem Wagengestänge, mit schelmischem Grinsen ein High-Five austauschten, bevor sie sich mit Insbrunst daran machen, die Kleinteile der Überraschung zu verschlucken.
So nebenbei, gibt es dies kleinen Kindersitze in den Einkaufswagen überhaupt noch?

Mein Neid auf Yonni Meyer, nach meinem Dafürhalten schreibt sie nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut. Sie schreibt einfach. Wie fünf Millionen anderer Blogger auf dem Planeten eben auch. Nur hatte sie das Glück vom Zukkihund protegiert zu werden. Der Zukkihund ist eine facebook-Seite, deren Sinn und Zweck sich mir nicht ganz erschliesst, aber dennoch über nahezu 50’000 Fans verfügt, sprich, ein Text von Pony M. wird gewiss von einem Fünftel der Leser betrachtet und wenn facebook-User per Like bestätigen können, dass sie des Lesens mächtig sind, so tun sie dies.
Und schwupp, hat man Fans.
Fünfundsiebzig Prozent der Fans sind weiblich, was so nicht verwundert. Ich glaube, Frauen lassen sich schneller vom geschriebenen Wort verzaubern, was ich wertend meine und zwar durchwegs positiv. Während dem durchschnittlichen Mann die Karte am Geschenk lediglich dazu dient, zu eruieren, welches ihm zugedacht ist, legt die Dame grösseren Wert auf die Karte und die verfassten Zeilen, als auf das Geschenk als solches.

Und Yonni Meyer bedient alle Frauen. Sie wohnt an der rüchigen Langstrasse, welches ihr den Touch der Cüpli-trinkenden Carrie aus Sex and the City beschert. Jede Frau will doch irgendwie in New York leben und Mister Big finden. Ja, ich habe die Serie gesehen; Rambos Credo ‚um den Krieg zu gewinnen musst du selbst zum Krieg werden‘ etwas frei interpretiert, behaupte ich, um Frauen ansatzweise zu verstehen musst du Twilight gelesen, Sex and the City-Charaktere kennen und Legenden der Leidenschaft gesehen haben. Aber nicht die Brücken am Fluss. Clint Eastwood ist dieser Film etwas peinlich und kein Mann würde Clint Eastwood beschämen wollen. Es ist eine Frage des Respekts.

clint-eastwoodGleichzeitig ist Yonni eine Frau vom Land und deswegen weiss sie ganz genau wie es läuft. Hey, diese Frau ist eine von uns. Und von uns. Und wie wir. Wir sind Pony M.

Yonni Meier ist eine Singlefrau, wie wahrscheinlich 73 Prozent ihrer Fans auch. Sie spricht ihnen aus dem Herzen. Unverblümt, offen und ehrlich. Über Sex als das was es ist, die natürlichste Sache der Welt. Den Frauen gefällt dies „hihihi, wie wahr“ oder, „nur du kannst so schreiben, hihihi“ und „das ist hihihihi unsere Pony M“.
Die Männer, 25 Prozent ihrer Fans, davon 22 Prozent Single und die drei Prozent, in deren Namen die Frauen bei facebook „Gefällt mir“ geklickt haben. Den Singles gefällt der unkomplizierte Umgang mit dem Thema Sex, da sich im einfachen maskulinen Hirn eine simple Synapse bildet. Will Sex. Pony M. will Sex.
Irgendwie will sie trotzdem nicht, worauf sich der zweite Strang bildet. Dumme Schlampe.

Pony M. zeigt ein Bild von sich.
Ungeschminkt. Frauen sind entzückt. Frauen freuen sich, wenn sie sich natürlich zeigen können und dies können sie erst, wenn ein Promi dies getan und es somit legitimiert hat.
Daher sind Klatschhefte auch eine Achterbahnfahrt.
Nicht zuletzt bedienen Klatschhefte das Körperbewusstsein der Frauen. Also alle beide.
Auf Seite 13, zur Bikini-Figur in drei Wochen.
Auf Seite 18, 87 kg auf einen Meter 52 ist das neue schlank, liebe dich wie du bist und ganz wichtig, sei du selbst.
Auf Seite 25 wird es knifflig. Raffael van der Vaart hat Sylvie das makellose Topmodel betrogen und wurde verlassen. Dieses Arschloch, dieses abgrundtiefe Arschloch.
Nun ist er mit Sabia zusammen. Sie ist im Vergleich zu Sylvie richtig natürlich, mit Bauch, Hängebrust und Cellulite. Und er liebt sie. Dieser aufrichtige Mann, dieser Grundgute, liebt eine von uns und er kümmert sich um ihre Kinder.
Achterbahn auf einer Doppelseite.

Über 1000 Likes für ein Foto mit Sommersprossen.
Und ein Kommentar, welcher etwa das aussagt, was alle Männer dachten. Also nicht die Männer, welche finden „ooooh diese Augen!“. Augen sind immer gut, da kann man nichts falsch machen, kaum eine Frau hat hässliche Augen. Wenn einem sonst nichts anspricht, kann man immernoch die Augen beglückwünschen. So ziemlich das Einzige am Körper, welches wir einfach so mitbekommen und nicht beeinflussen können.
Gut, während der Durchschnittsmann vielleicht denkt; So der Brüller bist du nun nicht, aus einem Grund gibt es Schminke, leg sie doch wieder auf, drückt sich der Kommentator eher ungelenk aus.

pony-m-2Pony M. macht das einzig Richtige, sie schreibt einen Blog an die Adresse des Kommentators. Er landet in den Top 10 der deutschsprachigen Blogs und 18’221 Frauen unterstützen sie.
Eine von uns.

Frauen gehen gerne in Gruppen, Männer sind da etwas zurückhaltender. Aber Frauen können angeblich sogar ihren Zyklus synchronisieren, das muss ein Urtrieb sein.
Mit jeder begeisterten Frau, hat man 10 ihrer allerbesten Freundinnen gewonnen.
Jeder begeisterte Mann muss zehn Kollegen erklären, warum er ein Foto einer ungeschminkten Frau toll findet. Also lässt er dies mit dem Like. Weil er irgendwie auch durchschaubar wäre, siehe Synapse.

Unter dem Strich sollte ich also mehr Frauenthemen verfassen. Und le protégé einer grossen Facebook-Ikone werden.

Oder ich mache einfach weiter wie bisher.
Gestern war ich etwas in Erklärungsnot. Meiner Muse zu erklären, warum ich einen Blog über Burn-Out der Hausfrauen verfasse und warum eben gerade dieser sie nicht beträfe, obwohl sie meine kreative Inspiration als solches ist.
Gar nicht einfach.
Doch für sie habe ich nun wieder auf die Tasten gehauen. Schreiben ist einfacher als reden. Über 1000 Zeichen mehr als sonst und drei mal soviel, wie ein Norbert Neiniger in einer Woche zu Papier bringt.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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