Das Wir gewinnt

Im Zuge meines einleitenden Satzes, seit einiger Zeit bin ich gelegentlicher Weltwoche-Leser wollte ich schreiben, stelle ich fest, dass schon mancher Beitrag so begonnen hat, wofür ich mich etwas schäme, und des weiteren, dass ich mein Altpapier völlig falsch gebündelt habe.
So achte ich stets darauf bodenseitig mit einer Zeitung, etwa dem Schaffhauser Bock, zu beginnen, im Mittelteil mit den plastifizierten und eingeschweissten, originalverpackten Katalogen und Broschüren fortzufahren, des weiteren die Bankbelege, für welche ich mich auch schäme, und die ganze Sache mit einem Faltblättchen, etwa die Schaffhauer Nachrichten zu beschliessen.
Ein Kinderhände-Konformes Bündelchen, leicht zu tragen und einer speziellen, nicht einschneidenden Schnur. So ein netter Bürger bin ich.
Und nun schon wieder so ein albernes MAD-Faltbl… will sagen, finde den Unterschied:Genau! Welchen Sinn mach es, die Weltwoche zu lesen, wenn es keiner sieht?

Dummer August, zum wiederholten.

Fühlte ich mich auch beim heutigen Durchblättern des Blättchens. Ich bin ja kein richtiger Leser des Köppelschen Revolutionsblättchens, zum Vorteil gereicht ihm eher, dass es aufgrund seines physischen Formats beim Stuhlgang wunderbar auf den Knien liegt.

Meine Wenigkeit bückt sich für einen KMU-Betrieb. Einen Firmenevent, so nennt sich dies heute, ist ein Abwägen zwischen ‘Was sind mir die Mitarbeiter wert’ gegen ‘Wieviel Geld liegt herum’. Ausgerichtet wird ein solcher Anlass für gewöhnlich nach Feierabend. Völlig normal für KMU-Betriebe, und sind wir ehrlich; Hat man im Alltag kein Wir-Gefühl wird sich dies auch beim erzwungenen lustigen Grillevent in nüchtern geplanten spontan bestimmten Vierer-Konstellationen nicht ergeben.
Aber einer Firma SUVA stehen da gewiss andere, bezahlte, Berater zur Verfügung, was zur Mitarbeiter-Motivation und ein erfolgreiches Hervorzaubern eines Wir-Gefühl von Nöten sei. In etwa ein Anlass in Davos für 1600 Mitarbeiter, bereits Donnerstag sei man angereist. Als eine Kollegin meinen Facebook-Abgang bedauerte, da ich ihre Firmenevent-Bilder nicht bewundern konnte, wusste ich nicht, dass es sich um eine Veranstaltung selbigen Ausmass handelte und bezweifle ernsthaft, dass ich dieser Sache eine gute Seite abgewonnen hätte. Ich dummer August dachte, ähnlich wie in “meinem” Betrieb, dass sich ein paar Angestellte zum gemeinsamen Skiausflug verabredet hätten. Mitnichten.
Donnerstag Anreise, Zimmerbezug, Freitags ein Auswählen und Ausüben der alpinen sportlichen Betätigung, anschliessend Dinnieren, Unterhaltungsprogramm und dann Apres Ski, dass die Hütte wackelt.
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Die Gewinne bei der SUVA, Non-Profit hurra, fliessen in Form von Prämien zu den Versicherungsnehmern zurück. Abzüglich über eine halbe Million Honorar für den Verwaltungsrat. Und dem Firmenevent. Oder man muss eben die Prämien erhöhen.

Nennt mich Neidhammel, aber seit jeher tue ich mich schwer, wenn Staatsbetriebe auf meine Kosten das Wir-Gefühl fördern. Oder Arbeitstage vorarbeiten. ARBEITEN in einem Staatsbetrieb, verzeiht…
Tauschte ich mich vor einiger Zeit in einem Streitgespräch zwischen vernünftigem Menschen und einer beknackten SUVA-Bürokratin, also mir und besagter Kollegin, aus, bezüglich meiner lädierten Achillessehne.
Kostete mich letztes Jahr rund 800 Franken, effektive Behandlungskosten bis zur völligen Wiederherstellung nach oben offen, im Endeffekt wohl Budget oder Zeitbedingt begrenzt. Mein Selbstbehalt ist ja prämienbedingt irgendwo bei einer halben Million, das Resultat der bisherigen Bemühungen der Halbgötter in Weiss eher dürftig zufriedenstellend, aber belange mal einen Arzt oder Physiotherapeuten, er mache seinen Job nicht richtig.
Mein grosser Fehler war es, dass ich nicht einen Kollegen bat mir bei einem Betriebsunfall behilflich zu sein, sondern brav prophylaktisch zum Arzt ging. So tauschte ich gemütliche 5 Wochen operationbedingtes ruhiges Liegen und halbjähriges Hinken bei leichten Arbeiten und Unfallschein auf SUVA-Kosten gegen zwölf Monatiges Hinken bei einem Selbstkostenanteil von 100 Prozent. Und die Arzt und Physiotermine legte ich in die Freizeit.

Diese Arbeiter braucht das Land: Loyal wie Jack Bauer und dumm wie hundert Meter Feldweg!

A propos Achillessehne; Geht der SUVA-Präsident öfters im Anzug und gewiss dem Dress-Code entsprechenden Schuhwerk zum Bergsteigen?

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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