Der Duft von Freiheit und Abenteuer

Ein gutes 2014 allerseits.
Dies gebietet die Höflichkeit, denn an sich ist es mir egal, wie das 2014 wird. Ach bitte, Euch ja auch, das Weiterleiten von „en guete Rutsch“-Nachrichten, womöglich noch mit der Anrede „lieber Max Muster“ zeugt nicht direkt von Individualität und dem innigen Gedanken an den Empfänger. Man hat mehr oder minder eine To-Do-Liste, gespickt von Leuten, welchen man unter Umständen in den nächsten 21 Tagen wieder einmal über den Weg läuft. Am 22. Januar entsinnt sich kein Mensch mehr, von wem man einen Neujahrsgruss erhalten oder wen man nicht bedacht hat.
So hoppelt der Hase.

Ein neues Jahr, stets eine Gelegenheit für gute Vorsätze. Obwohl es ja uncool ist, keiner nimmt sich mehr was vor, denn in unserer dynamischen Welt werden Ideen gleich umgesetzt, zack zack. Häufige Richtungswechsel zeugen von dynamischer Linientreue, ein reaktionsschnelles Management.

Walter Freiwald, der Mann mit den Hängebacken bei Pearl, bietet uns die E-Zigarette feil. pearl-e-zigaretteHätten die Augen nur den Hauch einer Chance den Tränensäcken und Schlupfliedern zu entweichen, sie würden aus dem Kopf springen. Der Walter nuckelt an der Zigarette, als wäre er eine frischgeborene Ziege an der Zitze der Mutter.

Gut, ich habe es noch nie versucht, aber denke kaum, dass eine e-Zigarette meine raucherischen Bedürfnisse zu befriedigen vermag und ich spreche nicht vom Nikotin-Flash. marlboroIch will mich nicht in Schwulitäten ergehen, aber wann ist ein Mann ein Mann? camel Gewiss, ich bin sehr empfänglich für Werbung, aber egal wieviel hässliche Bilder noch auf die Packungen gedrückt werden, die Zigarette bleibt für mich der Duft von Freiheit und Abenteuer.
Anstelle mit schwieligen Fingern den Tabak in das Papier zu drehen, stöpselt man seine Zigarette an den USB-Anschluss des Desktop-Rechners. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob eine e-Zigarette einen On/Off-Schalter besitzt, aber man zückt gewiss nicht das Zippo, lässt den Funken in den Docht springen, schirmt mit der Hand die aufzüngelnde Flamme ab und taucht das wettergegerbte Gesicht in den flackernden Schein des Feuers, bringt mit einem Zug den Tabak zum Glimmen, um danach wieder in der Dunkelheit zu versinken. Dunkel, bis auf das Glühen der Spitze im Schatten des Stetson.
Reiner Tabak, vollmundig und wild, steht gegenüber dem aufsteckbaren Filter, wählbar im Geschmack von Erdbeere bis Apfel über Vanille und Schokolade. Ein letzter Zug, die Zigarette in das Feuer geschnippt, die e-Zigarette verschwindet dank dem LED-unterstützten, hitzefreien Glimmeffekt an der Spitze im Anzug, bereit für den USB-Anschluss und den aufsteckbaren Filter im Geschmack Rosengarten.

Nun, man kann auf einem Baumstamm vor dem Feuer sitzen, bärtig, verschwitzt und schmutzig, seine lungenzerfressende und krebsfördernde Zigarette rauchen, den Moment geniessen, oder im Armani an der Cüplibar an der E-Zigarette mit Erdbeergeschmack nuckeln, als wäre man Mutters Busen nie entflohen, und sich über Gewinnspannen unterhalten.

Meine Reiterfahrung beschränkt sich auf das Pony im Zirkus Knie, statt Rindern bin ich bisher nur Kühen begegnet und seit Brokeback-Mountain haben Cowboys am Lagerfeuer einen merkwürdigen Beigeschmack, aber die Werbung suggeriert mir; Du bist in dem Film, alles was du brauchst ist eine Marlboro. Und sie macht es gut! Man sieht keine einzige Zigarette im Spot, aber man weiss wie es läuft.
War das nicht schön, als die Werbung noch durch das Kino flimmerte? Als Männer noch Männer sein durften?
Der angepasste Mann in der Werbebranche muss sich genderkonform anhören, dass er zu dumm ist Wäsche zu waschen, dass er mit Somat 10 natürlich kein Geschirr vorspühlen muss, du Doofi, betritt die Küche mit Cillit-Bang und gibt Reinigungstipps, oder macht sich bei Edeka zum Affen, als die Kinder ein idiotensicheres Menu für den Papa suchen.

Aber wir wollen nicht einseitig bleiben…

Du hast die Wahl 🙂

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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