Der Schatten bringt es an den Tag

Im Grundsatz macht sie nichts anderes als ich, gut, vielleicht bisweilen, mitnichten im Grundsatz, etwas unterhaltsamer, was aber der springende Kern ist, sie verdient Geld damit.
Ich spreche von Pony M., der bloggenden Yonni Meyer, welche von den Schaffhausern ob ihrer Popularität kurzerhand als eine der ihrigen bezeichnet wird, weil ihre Wiege so nahe an der Kantonsgrenze stand.
Wenn es um Prominente geht zeigen sich die Schaffhauser gerne sehr weltoffen, wenn man lange genug sucht, hat jede gewichtige Person auf der Welt ihre Wurzeln in der kleinen Stadt ennet am Rhii.schmiernippelDieses seltsame Gebilde ist ein Schmiernippel, der Schmiernippel der Erdachse. Dieser liegt bei Schaffhausen. Als Notlösung, weil wir die Erde nicht um Schaffhausen drehen lassen können.
Noch nicht.

Ich sollte unbedingt wieder mehr schreiben, meine Synapsen scheinen sich langsam aufzulösen, es ist nur noch ein kleiner Schritt, bis ich starren Blickes durch die Welt tapse und mein Hirn nur noch die Befehle essen und atmen verarbeiten kann.
Nur bietet der Alltag kaum mehr Material, oder ich habe den Blick dafür verloren. Während ich früher beruflich bedingt gelegentlich auf einen Fortschrittsbalken starrte, mache ich den ganzen Monat Mai, der Kabelbetreiberfirma seis gedankt, nichts anderes mehr.

fortschrittsbalkenEin Bild, mehrere Assoziationen.
Vor meinem unternehmerischen Auge wird der IKEA-Läufer zum weissen Tuch, auf selbigem steht der Kunde und bei jedem Millimeter Weiterzug des Balkens erklingt aus dem Lautsprecher des Gerätes eine ‚Bricklebrit‘.
Seit der Zeichnung der Telekomaktie konnte man sein Geld nicht mehr sinnloser loswerden, was dem Kunden ordentlich auf das Gemüt schlägt.
Natürlich sind seine Lippen zu einer verkniffenen Linie zusammengepresst, das klassische Ratiopharm-Durchfallgesicht, aber sein Blick spricht Bände.

Sieh ihn dir an, den Herrn Techniker. Steht da, die Hände in den Taschen und starrt auf den Bildschirm. Vorhin hat er was gedrückt, Zahlen eingegeben. Sicher damit es noch langsamer geht. Damit er noch länger hier stehen kann. Damit es noch mehr kostet. Oh jetzt schreibt er etwas. Kein Mensch schreibt so langsam. Will wohl Zeit schinden.
„Setzen sie sich doch hin, wir haben einen Tisch“.
Warum biete ich ihm den Tisch an? Soll der sich doch Standschäden holen, verdient ja genug. Hähähä, Standschäden, denn muss ich heute dem Karl erzählen.
„Nein danke, geht schon“
Ja, ja. Nur nicht zuviel bewegen. Bitte, dann bleibst du halt. Nun sieht er sich in der Wohnung um, der Flegel. Schielt ständig auf das Foto. Ja, ich habe einen strammen Sohn, sieh in dir nur an. 80sIch habe was erreicht, ich habe einen Nachkommen. Und du, stehst in fremden Wohnzimmern und verdienst dein Geld indem du auf einen Fernseher starrst. Oh, jetzt spielst du noch an deinem Handy rum. Ist ja wohl das Letzte. Ja, steck es besser wieder ein.
Nun sieh dir das Durcheinander auf dem Fernseher an. Den Kümmeltürkensender auf der eins. Ja, habe mir schon gedacht, dass du so einer bist.
„Ja, stellen sie mir einfach die Schweizer auf die eins, dann der Ard, dann die vier, die fünf, die sechs…“
Eine ordentliche Reihenfolge du Trottel, ist dein Job, muss ich für dich auch noch nachdenken?
„Nein, nur die Deutschen“
Was soll ich mit den Ausländern. Obwohl, auf Rai kommt um zehn immer eine Spielshow mit dieser scharfen Blonden…
„Vielleicht noch die Tessiner…. Ah, hier ist der Rai, ja wenn sie schon da sind. Sonst keine mehr…“
Das habe ich geschickt gemacht. Ausgezeichnet. Oder war die Show auf dem Welschen? Musste ja immer stumm schalten, damit die Alte nichts mitkriegt.
„Stellen sie mir doch die TSR auch noch ein. Und was da halt sonst noch französisches kommt“.
Kate hatte doch kürzlich diesen Po-Blitzer, stand in der Bild…po-blitzer„Und die englischen. Den bebeze und die iiteevau. Ja, ich sehe gerne Ami-Fernsehen, war mal drüben.“ Ja, da staunst du, was. Neckermann.
Er schaltet extra langsam. Was läuft da im Hintergrund? Türkisch? Hmmm… nicht schlecht.
„Stellen sie einfach alle ein“.

Na toll, wieder einer dieser ewig langen Sendersuchläufen.
Hat der Typ nichts Besseres zu tun als auf dem Sofa hängen und mich zu beobachten? „Nein danke, geht schon“, ich will nicht zum Tisch, besser überhaupt nicht mehr herumspazieren als notwendig. Befürchte, bin da auf dem Gehweg in was reingetreten und möchte nach Möglichkeit auf denselben Spuren wieder die Wohnung verlassen. Über den hässlich bunten Teppich, welcher jeden Flecken schluckt. Seit 1979.
Was ist der überhaupt zuhause, am Mittwoch vormittag?
Bestimmt hat er extra frei gemacht, traut seiner Alten nicht zu, den Techniker zu empfangen. Oder hat Angst, dass sie… hahaha… nun sieh dir diese beknackte Familie an. Das muss ich den anderen zeigen, verdammt, wie lichte ich diese ab. Der Typ macht keine Anstalten rauszugehen.

So könnte es gehen…. Timer auf zehn Sekunden…. Handy wie abwesend auf die Seite halten… uuuund Schuss. Irgendwann vergesse ich den Ton auszuschalten, irgendwann flasht ein Blitz das Wohnzimmer.
„Schauen sie auch fremdsprachige Sender?“; vergiss es, der Spacko kann noch nicht mal richtig deutsch. Eben, habe ich es mir gedacht. Jede Wette…
„Ja klar, stelle ihnen noch französisisch und italienisch ein.“
3… 2… 1… „Ja, kein Problem, auch die Portugiesen, et cetera. Stelle einfach alle ein.“
Bildlich kann ich mir vorstellen, wie er nachts um 11 die Hotline-Werbungen auf dem Kurdsat schaut.
Auf dem Bildschirm verboten heisse orientalische Schönheiten, im Schlafzimmer die olle Alte, welche er im Suff im Sommer 65 beim Camping an der Riviera aufgerissen und dann eben geheiratet hat. Aber da hatte sie auch noch keine hundertzwanzig Kilo, schätze ich mal. Gut, er wird auch nicht im ausgeleierten Feinripp und der fleckigen Jogginghose auf die Pirsch gegangen sein.

Endlich fertig; „So, ist erledigt!“
Dachte schon, der packt das nicht mehr vor Neujahr; „Ist ja schnell gegangen.“
Nun ja, lechze schon seit dreissig Minuten nach frischer Luft, es war auch für mich kein Spass; „Ja, sie haben einen modernen Fernseher“
Ja ja, du meinst eine Goldgrube in der Wohnwand; „Ja sind zufrieden“
Ich auch, wenn ich meinen Tagesumsatz sehe; „Das freut uns natürlich“, das königliche Wir.
Hoffentlich fragt er nicht was es kostet; „Wenn ich hier noch eine Unterschrift haben könnte“
Na toll, der schreibt ja hässlicher als mein Arzt, könnte alles heissen. Aber wenn ich mich jetzt nach dem Preis erkundige bin ich uncool; „Wird schon stimmen, hähähä“
„Vielen Dank, viel Spass mit den neuen Programmen und einen schönen Tag“.
„Danke, ihnen auch!“.

piggeldy

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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