Devisenhandel für Dummies

Gestern fragte mich Cousinchen via Kurznachricht, was ich über diese ganze Eurodebatte denke. Die Frage ehrte mich, musste ihr jedoch eingestehen, dass ich von solchen Dingen zu wenig verstehe. Eigentlich gar nichts.

Bisweilen ist die Belastung, etwas nicht zu verstehen, vernachlässgbar, zuweilen nagt es schon an mir. Insbesondere, wenn einem alle Menschen im nahen Umfeld suggerieren, sie verstehen es schon, aber es wäre nun etwas zu komplex, dieses zu erklären.
Spätestens seit ich ‚Die Maus‚ gucke ist mir klar, man kann alles erklären.  Vorausgesetzt, man hat selber den Durchblick. Natürlich, ganz rudimentär, aber doch so, dass der Aufgeklärte einen Aufhängepunkt hat, sich weiter in die Materie zu vertiefen.

Die Hausfrau Hübeli kauft gerne ennet dem Balken ihr Toilettenpapier. Weil Toilettenpapier weder der Milchkuh Lisi noch dem Gemüsebauern Kari am Umsatz abgeht, schämt sie sich auch nicht dafür. Während sie hier für das Hakle, neu ohne Wundscheuern auch bei Dünnpfiff, 3.60 Franken zahlt, kostet es in Jestetten nur 2.40 €. Dies sind nach dem letzten Kurs (1 Fr. = 0.83 € / 1 € = 1.20 Fr.) 2.88 Franken. Man profitierte hauptsächlich vom Franken als harte Währung und den Unterschieden in der Kaufkraft. Die Kaufkraft gibt Auskunft darüber, wieviel Geld vom Einkommen nach Abzug aller Steuern und Abgaben im Geldbeutel verbleibt. Ist diese tief, werden auch die Preise für Güter des täglichen Bedarfs angepasst. Kommen also die Schweizer mit einem Kaufkraftindex von 280 nach Deutschland mit einem Kaufkraftindex von 169, wähnen sie sich im Schlaraffenland.
Dann noch die Mehrwertsteuer-Rückvergütung.
Diese in Kürze, warum man die Mehrwertsteuer zurück erhält, ist ein Kapitel für sich. Kaufe ich in Deutschland ein, bezahle ich 19% Mehrwertsteuer. Der Zoll bescheinigt, dass ich die Waren aus dem deutschen System entnommen habe und der Lieferant, also Karstadt etc, entrichtet mir daraufhin die Mehrwertsteuer zurück.
Der Einkauf in Deutschland ist also ein doppeltes Schnäppchen.

Wie jetzt, harte Währung?
Eine harte Währung bedeutet, eine stabile Investition. Niemand wird in Rubel investieren, wenn ich heute für zehn Rubel einen Laib Brot erhalte, morgen für denselben Preis jedoch nur noch eine Scheibe, weil das Geld nichts mehr wert ist.
Angebot und Nachfrage; Die Schweizer Wirtschaft giltet als stabil, dementsprechend interessant. Je mehr Leute ihr Vermögen in Franken anlegen, sprich, je mehr sie von ihrem eigenen Geld dafür zahlen müssen, desto stabiler bleibt er. Ein starker Franken. Dies hat bedingt auch mit den Währungsreserven zu tun.

Reserven? Also das Geld in der Matratze?
Gewissermassen. Wenn wir nun Gefahr laufen, dass der Franken nichts mehr wert wäre, bräuchten wir etwas als Gegenwert. Gold ist das leichtverständlichste. Gold ist physisch, kann gewogen werden, etwas stabiles. Des weiteren kann man Devisen bunkern, also einige Pakete Dollars. Da man, böse gesagt, Dollars einfach nachdrucken kann, hat der Internationale Währungsfonds noch das SZR, Sonderziehungsrecht, eingeführt. Eine Währung, nur auf dem Papier, welche nicht am Markt gehandelt wird, beim IWF aber theoretisch jederzeit in richtige Dollar eingelöst werden könnte. Das SZR ist quasi ein Körbchen voller Geld, aus den vier wichtigsten Währungen; dem amerikanischer Dollar, japanischen Yen, dem Euro und den britischen Pfund.
Gehen wir nicht näher darauf ein.

Warum druckt man dann nicht einfach mehr Geld?
Die beste Frage. Nun, geben wir jedem Schweizer doch einfach eine Million. Man müsste es nicht einmal drucken, wir zahlen ihm diese einfach auf das Konto. Eine Zahl, mehr nicht.
Was würden sie mit einer Million tun? Das Problem ist, dass langfristig keine Güter mit dem entsprechenden Gegenwert im Umlauf sind, respektive; Mit der Million auf dem Konto sind nicht plötzlich tausend Handwerksbetriebe mehr auf dem Markt, welche uns für die Million ein Haus bauen. Und warum sollten sie auch, sie haben selber eine Million, welche sie ausgeben müssen, sie haben keine Zeit zu bauen.
Was wir dennoch brauchen, sind Brot und Ravioli. Zum Beispiel. Diese produzieren sich nicht selbst, also müssen den Angestellten Anreize geschaffen werden, denn diese sind ja kürzlich Millionäre geworden. Um den höheren Lohn zu zahlen, müssen Brot und Ravioli eben teurer werden. Letzten Monat, hatten wir noch 6000 Franken, das Brot kostete 2.50 Franken. Gestern hatten wir eine Million, macht für das Pfund Brot 416 Franken. Unterm Strich haben wir nichts gewonnen.
Kaufen wir halt im Ausland. Doch was soll der Yachtbauer auf der anderen Seite des Bodensee mit einer Million Franken? Er kann damit in der Schweiz nicht mehr kaufen, als du und ich. Daher hätte er sein Geld gerne in einer stabilen Währung. Euro, Dollar oder Gold. Kein Problem, gehen wir zur Bank und wechseln das Geld. Ups. Die Bank musste den Euro ja auch kaufen, die kann ihn nicht selber drucken. Wir haben gesehen, das Brot ist um den Faktor 164 teurer als gestern. Was bedeutet, der Euro ist noch 0.0050 Franken wert. So kleine Münzen haben sie nicht, für den kleinsten Schein, 5 Euro müssten wir tausend Franken bezahlen. Unsere Million ist auch im Ausland nichts mehr wert. Dies bemerkte auch die Finanzwelt, welche sofort alle Franken abgestossen hat. Wir würden buchstäblich im Geld schwimmen, mehr könnten wir damit jedoch nichts mehr ausrichten.
Ich denke, dies mit dem Drucken lassen wir lieber.

Und manchmal drucken sie eben doch
Der stabile Franken treibt ausländische Investoren dazu, dem eher schwächelnden Euro zu entfliehen und sie horten Franken. Der Franken wird teurer, der Euro verliert an Wert. Ich produziere hier meine Tanzbären, seriös im Inland, zu Schweizer Preisen. Das Problem liegt darin, dass ich die Bärchen gerne in Deutschland verkaufen möchte. Das Bärchen kostet mich siebzig Franken in der Herstellung, in der Schweiz verkaufe ich es für 100 Franken. Ein teurer Tanzbär, aber der Aussagekraft willen müssen wir mit grossen Beträgen arbeiten. Im Ausland, muss ich dafür nur 95 Euro haben, da der Euro den Gegenwert von 1.20 Franken hat und ich somit meine Gewinnmarge von 30% erhalten kann.
Die Nationalbank sorgt für die Stabilität des Euro, indem sie ihm eine gewisse Attraktivität beimisst. Sie kauft und kauft und kauft… Unser Devisenlager steigt und steigt und steigt… Die Nationalbank wird anfälliger auf Kursschwankungen, da wir Milliarden an Euro im Keller haben. Steigt er, verdienen wir Geld, fällt er, verlieren wir Unsummen. Es ist eine Gratwanderung. Mit dem Drucken von Geld schwächt man den Franken, stützt die Wirtschaft, welche im Ausland zu „attraktiven“ Euro-Preisen verkaufen kann, geht aber das Risiko einer Inflation, siehe oben die Abwertung des Geldes, ein. Ein Tanz auf dem Feuer.

Warum ist der Euro nun gefallen
Wann immer der Euro drohte unter die 1.20 Franken-Marke zu fallen, kaufte die SNB Devisen ein. Nun hat jedoch der Euro dennoch an Wert verloren und zwar gegenüber dem Dollar. Da der Franken auf Gedeih und Verderben an den Euro gekoppelt war, riss dieser Kursverlust den Franken mit, was die SNB so nicht hinnehmen wollte. Die Stützung des Euros wurde aufgehoben.
Vergleichen wir mit dem Coop. Da sind noch säckeweise Christbaumanhänger im Regal. Diese braucht keiner mehr nach Weihnachten. Was machen wir? Halber Preis, viertel Preis… Der Wert der Anhänger sinkt gegen null.
Die Schweiz investiert keine Milliarden mehr, der Euro ist unattraktiv, er fällt auf etwas über 80 Rappen.
Die günstige Preis der Schokoanhänger lockt die Kunden, sie räumen das Regal. Der Hersteller kommt gerade eben raus.
Der Euro ist tief, dies ruft die Spekulanten auf den Plan. Von der Hausfrau bis zum professionellen Devisenhändler. Der Euro zieht wieder leicht an, der Wechselkurs Euro-Franken erreicht Parität, er pendelt sich bei 1:1 ein.

Was bedeutet dies nun für meine Tanzbärchen. Diese werden weiterhin für 95 Euro verkauft. Da diese 95 Franken jedoch auf dem alten Wechselkurs beruhen, verdiene ich nun 5 Franken weniger, meine Gewinnmarge im Ausland beträgt nur noch 25%. Ist nicht so tragisch mit meinen Tanzbärchen, aber exportierende Firmen mussten natürlich feiner jonglieren, auch da sie die schwächere Kaufkraft im Ausland kalkulieren müssen, etc.

Frau Hübeli freut sich natürlich.
Heute fährt sie wieder nach Jestetten, kauft wieder Toilettenpapier. Statt denn
2.88 Franken bezahlt sie nun nur noch 2.40 Franken.
Den Schweizer Detailhändler freut dies weniger, noch mehr Kaufkraft wandert nach Deutschland ab.

Die Tourismusbranche frohlockt auch nicht.
Das Arrangement um 4000 Franken bei Art Furrer im Wallis buchte der Herr Müller-Giesebrecht für 3320 Euro. Die Rechnung wird bei Antritt bezahlt. Die Reise kostet nun seit vorgestern 4000 Euro. Da spart man noch, wenn man eine Stornierungsgebühr von 200 Franken bezahlt.

graechen-euroIdioten, dachte ich erst, doch eigentlich machen sie das einzig richtige.
Beim 4000-Franken Arrangement streichen sie sich gut 1000 Franken ans Bein, aber besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Und steigende Reservierungen scheinen ihnen recht zu geben.

So, ich hoffe, nicht den totalen Blödsinn geschrieben zu haben, Berichtigungen sind ausdrücklich erwünscht!

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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