Die Katze im Melonenfeld, oder Stumpfsinn aus Hollywood

Jungfrau, 40, männlich,sucht
Nein, keine verzweifelte Kontaktanzeige. Ich habe das Holywood-Werk des Juden Apatow geguckt.
Die Handlung in Kürze.
Ein Typ, der sein Kinderzimmer auf Wohnungsgrösse ausgedehnt hat. Sein Wochenende verbringt er vor dem Fernseher und guckt Löcher in die Luft.
Bis ihn seine drei Arbeitskollegen aus Ermangelung eines fünften Mannes zum Poker einladen, worauf sich im primitiven Gespräch herausstellt, dass er noch nie den Akt vollzogen hat.
Fortan sehen es seine Kollegen als Projekt, diesen Missstand zu beseitigen.

Soweit ganz witzig.
Dem Typen werden die tollsten Frauen vorgestellt, aber nein, er will die komplizierte, welche ihm die Nummer zugesteckt hat.
Diese alte Schachtel, mit einem Kind, noch einem Kind und einem Kind, welches selber schon ein Kind hat. Als wäre dies nicht Warnung genug, schleppt er die Olle noch vor den Altar, bis er endlich zur Sache kommt.
Ein Happy-End, meint Bella, die Beste von Allen.
Ein Desaster, würde ich behaupten.
Meine Fresse, was soll uns dieser Film mitteilen.

Bevor wir ein Auto kaufen, machen wir drei Probefahrten. Wir lassen einen Kollegen unter die Haube gucken und fahren. Seine Meinung ist uns nicht nur wichtig, sie ist gar ausschlaggebend, weil der Kollege was von Auto’s versteht und schon unter viele Hauben geguckt hat.
Wir schliessen eine Versicherung ab. Aber erst, nachdem wir zwanzig Versicherungen verglichen haben. Danach nehmen wir natürlich die billigste von allen.
Mein Gott, es gibt Leute, die vergleichen Stabmixer in einem online-Stabmixer-Vergleich, berechnen das Verhältnis der Leistung pro Stabmixer-investiertem Rappen

Aber bei der Frau… Ich meine, es soll ja diese Frau sein, welche wir bis an den Rest unseres Lebens behalten. Also so quasi die allerallerwichtigste und natürlich furchtbar schönste, Entscheidung in unserem Leben. In meinem Fall ist dies ja nicht mehr so lange, aber wenn wir die glücklichen Paare fragen, dann soll es doch ewig halten. Ewig und drei Tage. Da muss man sich schon ganz fest sicher sein.
Gerade wegen der Wärme, die Wärme die von innen kommt. Das harmonische fröhliche, dieses innige füreinander, dieses wundervolle und doch so bescheidene Glück. Und die Heiterkeit, die von innen kommende Heiterkeit, die fröhliche Basis für das harmonische Miteinander.
Dies muss doch alles stimmen.

Da soll ich nun die Katze im Sack kaufen. Ich lasse keinen Kollegen unter die Haube schauen, ich rede nicht mit dem Vorbesitzer, ich mache keine Vergleiche im Internet. Scheisse, ich fahre den Wagen nicht mal selber zur Probe, ich kaufe ihn vom Platz. Wie gesehen, auf Treu und Glauben, ohne Garantie. Und ich kette mich an den Wagen, bis dass der Tod uns scheidet. Kein ausgeleierte Triebwelle oder Manschette, kein leckender Tank oder Kolbenfresser, nein nein, bis zur Schrottpresse oder der Holzkiste.

Dies ist die Moral des Films?

Nun, man kann von der körperlichen Vereinigung halten was man will, Fakt ist, dass es wohl doch ein elementarer Bestandteil ist. Also meines Erachtens ist es nur natürlich wenn man eine Schale Drops vor sich liegen hat, man ein gelbes versucht hat, doch irgendwie noch neugierig ist, wie das rote schmeckt. Ganz besonders, wenn man zeitlebens, und so ist es doch, von der schmackhaftigkeit der Bonbons gehört hat und dieses gelbe dann irgendwie merkwürdig schmeckt. Nicht eklig oder übertrieben sauer. Nein, es ist ganz okay. Nur eben scheint es dem Hype, welcher über diese Bonbons gemacht wird, nicht ganz gerecht zu werden.
Oder stell dir den Supergau vor; Das Bonbon lässt sich kaum auspacken – das kommt bei Bonbons vor, welche länger gelegen sind – und wenn doch, hängt es so sehr an den Fingern und Zähnen, dass der Genuss den Aufwand in keiner Weise rechtfertigt.
Aber du hast dem Bonbon die Treue geschworen.

Nun, dann geht man vielleicht töpfern, flicht Körbe oder versucht sich anderweitig von diesem unangenehmen Thema abzulenken.
Was ich sagen will. Die Moral des Films ist fürn Arsch.
So naiv, als würde ich sagen; Liebe Kinder, nehmt die Lutscher von dem alten Herren auf dem Pausenplatz. Ich meine, er schenkt euch Lutscher, wie böse kann ein Mann sein, der auf dem Pausenplatz Lutscher verschenkt?herbert-animation-100idlepic4x

Aber was halte ich Vorträge.
Der Film hat mir ebenfalls einen Spiegel vorgehalten. Beherberge ich auch die ein oder andere Batman-Figur und das Videoentertainment hat durchaus seinen festen Platz in meinen Wohngemächern.
Seit Jahren, JAHREN, kriege ich im zwischenmenschlichen Bereich kein Bein auf den Boden. Obwohl mir natürlich Freunde und Kollegen nach bestem Wissen und Gewissen beistehen.
Hey, gehen wir aus?
Uh… ich weiss nicht… nun… ich muss noch die Wäsche für nächste Woche rauslegen…. ahhh, es ist nun schon etwas überraschend…. was schon acht Uhr?? Hoppla, wie die Zeit vergeht…. uuuuh, ich weiss nicht… vielleicht… oke… logout.

Dabei möchte ich die Unterstützung von weiblicher Seite nicht unerwähnt bleiben lassen.
Also ich kann mir nicht vorstellen, warum du keine Partnerin hast.
Sag es du mir?
Was soll ich sagen?
Nächstes Wochenende Kurzurlaub, wo du willst?
Ja…. weisst du…. hmmmm…. ich muss noch…. weisst du, die Einkäufe….. und dann sollten die Fenster…. also eigentlich schon, aber das ist jetzt wirklich….. Aber machen wir mal!! Und sonst so?

Also wie, wenn nicht intensiv persönlich, soll man dies nehmen?

Es ist nicht ganz einfach, muss ich sagen.
Allerdings kann ich mich auch…

– 3. Dose Bier, nun läuft es aber –

… wirklich nicht beschweren, dass mit guten Ratschlägen geknausert würde.
Man kann es nun auslegen wie man möchte, aber mein gefälliges Rundherum hat sich mit dem Gedanken nicht nur abgefunden, es ist völlig normal, dass ich bis ans Ende meiner Tage ohne jedwelches Weibsvolk über diesen Planeten wandeln werde.
Um dies widernatürliche Gebaren irgendwie zu übertünchen – als würde man dem Lutschermann eine Clownnase aufsetzen – werden mir Ratschläge erteilt. Unter den Top 5 ist zweifelsohne „Leg dir eine Katze zu“.
Ich liebe Katzen beinahe abgöttisch, keine Frage, aber mal ehrlich; Der Typ kriegt das mit den Frauen nicht gebacken, geben wir ihm doch eine Katze. Denke doch einer an die Katze, denkt nur einer an die Katze! Eine Katze ist doch kein Ersatz, nur weil man sie für einige Franken kaufen kann? Man übergibt ein süsses, kleines Lebewesen in meine Obhut, macht es abhängig von mir, obwohl ich seit Jahren beweise, dass ich nicht einmal mit Vertretern meiner Spezies auf einen Nenner komme.

Ebenfalls auf den Spitzenplätzen ist die stetige Ermutigung, Beschäftigungen nachzugehen, welche auch ohne Partner zu bewältigen sind.
Mit anderen Worten; Du Trottel, akzeptier endlich dein Schicksal und sträube dich nicht dagegen. Man geizt auch nicht mit Superlativen, wie toll solche allein auszuführende Beschäftigungen sind, mein Gott, ich bin gar beneidenswert!
Als würde man an das Bett des 180-Kilogramm-Mannes treten; Mein Gott hast du es aber fein hier, Herrgott nochmal. Den ganzen Tag liegen. Zweimal täglich wirst du gewendet und dreimal die Woche zum waschen mit einem Lift in die Wanne gehievt. Ganz famos, ganz famos hast du es hier. Kannst fernsehen, den g a n z e n Tag, oder lesen, lies ein Buch! Hach, was würde ich geben, mit dir zu tauschen. Ganz famos. So, nun muss ich aber auch wieder.

Auch die Beteuerungen; Du kannst doch jede haben. Gut, diese vielleicht nicht… Diese auch nicht… Und diese… nein…
Irgendwann landet man bei den Idealvorstellungen meiner Frau Mutter. Etwas furchtbar liebes mit äussert gebärfreudigen Becken und der Fruchtbarkeit eines spanischen Melonenfeldes. Wachsen Melonen in Spanien? Keine Ahnung, ist zu spät, zu recherchieren.
Was ich sagen will… die Dose Bier ist leer und ich gehe jetzt schlafen.

Hast du es fein, das ganze Bett für dich. Ganz famos, wirklich herrlich. Und du kannst liegen bleiben, den ganzen langen Morgen. Was würde ich sofort tauschen. Ganz famos.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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