Diese Gender-Sache, im Gym Teil 3

Etwas beschämt und erschrocken drehte ich auf dem Absatz, schlich die drei Meter durch den Mauerdurchgang zurück und schielte auf das Piktogramm an der rechten Seite.
Doch, ein Männchen, zweifelsohne. Mit Hut, Stock und was so alles zu einem Männchen an der WC-Pforte gehört.toilette
Drinnen stand am Subjekt am Urinal, welches mich kurz inne halten liess. Natürlich, alleine aufgrund der Tatsache, dass es am Urinal stand könnte man auf einem Mann schliessen, aber mal ehrlich; Im Zuge des Genderismus sollten auch Frauen am Urinal stehen dürfen, oder nicht? Männer haben sich zuhause ja auch hin zu hocken.
Im Kontrast zum Stehpinkler stand die hautenge Jeans, bis Mitte Wade hochgekrempelt, ein filigranes Schuhwerk, diesen unsäglich hässlichen Ballerinas nicht unähnlich. Obenrum ein tailliertes Shirt in zartem rosa gehalten – soweit ein Farbenblinder dies einstufen kann – und eine Rihanna-Frisur auf dem Kopf. Also irgendwie rasiert und verschwuschelt zu gleichen Teilen, etwas schwierig zu beschreiben.

Die Übergänge sind fliessend, dass Männer auch dem Bartwuchs abgeschworen haben macht die Sache nicht einfacher. Nicht, dass sie sich stets rasieren, sie haben die arachaisch, maskuline Gesichtsbehaarung gleich komplett aus dem Antlitz verbannt. Vielleicht noch ein Kränzchen ums Kinn, welches aussieht, als hätte über Nacht der böse Rattenzahn daran genagt.

Ich tat den Frauen betreffend Leggings etwas unrecht. Ihr wisst, zwei Prozent können sie tragen. Eine hundert Prozent Quote auf der Geht-gar-nicht-Skala haben jedoch die Männer.
Gerade die gesetzteren Semester zeigen gerne, was sie zu bieten haben. In bunten Radlerhosen, also ohne Polsterung, wo immer man auch sowas kaufen kann, werden die erschreckenden Konturen in Szene gesetzt.
Wie um Himmels Willen kommt man eigentlich auf diese Idee?
Wenn ich ein neues Beinkleid zu erstehen gedenke, zwänge ich mich in selbiges, drehe mich vor dem Spiegel im Kreis, verlasse die Kabine, drehe mich etwas gehemmter vor Bella abermals im Kreis. Ich gucke ungläubig und verwirrt, wenn sie mich heisst, mal eben auf dem Laufsteg der Schande auf und ab zu gehen, verwerfe diese Idee wie ein trotziges Kind, schmolle in der Kabine, bis durch den Vorhangspalt eine neue Jeans gereicht wird.
Zurück auf Los und nochmals von vorne, ein unsägliche Prozedur, bis wir endlich eine Kompromisslösung finden.

Steht nun ein Herr jenseits der Midlife-Krise in seinen Radlerhosen vor den Spiegel, klatscht sich einmal auf den Hintern und findet; Ein scharfes Teil, so will ins Fitness-Center gehen. Irgendwie nicht vorstellbar, aber muss beinahe so sein. Warum sollten sie es sonst machen?

Momentan ist ein Päärchen unterwegs. Regelmässig.
Päärchen sind das grösste Übel, sind sie nun gemischt oder gleichen Geschlechts. Sie machen stets die selben Übungen. Gemeinsam. Abwechselnd.
Er in einer blauen Radlerhose – könnte auch violett ins rosa übergehend sein, was weiss ich – und einem Bankverein-Grand-Prix-Shirt, sie in einer grünen drei-viertel-Leggings mit Cameltoe. Googelt selber, gehört zu den Dingen, welche man nicht sehen will, an einer Spätvierziger-Frau gleich dreimal nicht, einem aber ins Auge stechen. Und weh tut.

Im harmonischen Miteinander, diesem besorgten Füreinander belagern sie ein Gerät. Er setzt sich hin, beklagt sich über seine Wehwechen und die Dame passt die Maschine auf seinen Adoniskörper an.
Dann macht er seine Wiederholungen, während sie dieselbigen zählt und zwischendurch synchron mithechelt.
Dann steht er auf, man dehnt sich ausgiebig, tauscht sich über das aktuelle Tagesgeschehen aus, Wehwechen im Allgemeinen und spirituelle Erleuchtungen auf der Beinpresse im Speziellen, bis sich die Dame anschickt, sich hinzusetzen und er die Wiederholungen zählt.
Noch schlimmer, wenn zwei Maschinen desselben Typs vorhanden sind, um einem eventuellen Ansturm gerecht zu werden. Da werden in feinster Rimini-Manier die Handtücher auf den Geräten platziert und die individuellen Einstellungen vorgenommen. Der eine Part behaltet Platz, während der andere hinübertritt um die Wiederholungen zu zählen. Dann wechselt man zur anderen Maschine und ein Rollentausch findet statt. Natürlich nach ausgiebiger Erholungspause. Effizienter kann man nur noch blockieren, wenn man die Getränkeflasche auf die dritte Maschine stellt.

Dann ist da noch dieser alte Mann.
Ich bemühe mich aufrichtig, ihn nicht zu verurteilen. Von wegen Toleranz und so, aber ich kann mir nicht helfen. Er geht mir auf den Sack.
Grundsätzlich trainiert er in Jeans und Hemd. Die Halbschuhe mit altersbedingter Zehenfreiheit stellt er links neben die Bar. Er benötigt keinen Garderobenschrank, seine Habseligkeiten breitet er auf den Tischchen nahe der Bar aus. Dies wäre einmal die Schaffhauser Nachrichten, ein Schoko-Drink mit Isolierhülle, eine Packung Gummi-Knabberzeugs, eine DM-Tragtasche und eine Bauchtasche. Von den Dimensionen eines Trekking-Rucksack für eine fünf-Wochen-Tour. Prall gefüllt.
Soweit so gut.Sein Handtuch legt er auf ein Gerät zur Vorreservation, während er zur nächsten Foltermaschine geht. Umständlich legt er sich auf die Bank, hustet dass man befürchtet seine Lunge vom Polster kratzen zu müssen und beginnt mir der Leibesertüchtigung.
Nach drei Wiederholungen erhebt er sich keuchend, man fühlt sich stets berufen, eine Gasse für die Sargträger bereit zu halten. Stolpernd dreht er einem Zombie gleich seine Runden durch das Center, kommt langsam wieder zu Kräften und begibt sich zum nächsten Gerät. Natürlich nicht das mittels Handtuch vorreservierte. Und natürlich nur, wenn niemand sich am vorgehenden Gerät zu schaffen macht. In diesem Fall von eiskalter Unverfrorenheit interveniert er, er müsse nochmals eben eine Übung machen. Geht ganz kurz, sprichts abgehackt, keuchend, setzt sich umständlich hin und zwängt die Beine zwischen die Polster.
Danach wird am Bistro-Tisch Buch über den Trainingsfortschritt geführt, eine Seite in der SN gelesen, das Hemd ausgezogen und weiter geht es im Feinripp-Shirt.
Egal welche Übung er ausführt, sein Feinripp rutscht trotz des Burt-Reynold-Gurtes aus der Jeans und verwandelt sich in ein neckisches Top. Ein faltiger, labbriger Bauch schlabbert herum, während seines keuchenden Erholungsspaziergangs. Ganz langsam, ein umgekehrter Strip in Zeitlupe, wird die Leibesmitte wieder unter das Feinripp und selbiges in die Jeans gezwängt.

Man möchte ihm als Dankeschön Dollars in den Bund stecken.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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