Du bist ein Schaffhauser, wenn du…

Du kennst das Gefühl.
Hinten rechts. Ein drücken, unangenehm. Man möchte es ein Brennen nennen. Da ist Geld, das raus muss.

Tu Gutes und spreche darüber.
Aber wo denn nur?

Radio Munot hat sein Ziel – herzliche Gratulation Jenny, ich behaupte, diesen Erfolg darfst Du Dir getrost auf die Fahne schreiben – erreicht. Jeder Rappen zählt ist für den Schaffhauser beinahe einen Tick zu entfernt, zu gross, zu anonym um sein erspartes Scherflein unterzubringen und von allen anderen Organisationen hört man ja Sachen… Nein nein, da muss was seriöses her.

Nicht verzagen.
Da gibt es immernoch diese Gruppe für alle Belange des täglichen Lebens.

Der Aufruf richtete sich an eine Community von über 8000 Personen, mit dem ehrenwerten Ziel, dass jeder zwei Franken spenden soll.
Für Menschen Schrägstrich Tiere im Kanton, welchen es nicht so gut geht.

Wogen der Begeisterung im Netzwerk!
Dann die ersten scheuen Fragen, welche armen Geschöpfe denn zum Zug kommen würden.
Dumme Frage. Für Leute, denen es nicht so gut geht natürlich. Ein seriöses Auswahlverfahren.
Juhui, die Menge tobte wieder!

Moment, schon wieder ein Querschläger; Aber dies wäre dann nicht für Erich ‚kochen tötet‘ Schlatter?
Hmmm… Grillen zirpen… Ein Busch weht über die Ebnat-Strasse. Da, ein Käutzchen in der Stille.

Man müsse nun nicht wieder ausgrenzen, hopp hopp ihr Schaffhauser, zeigt, dass ihr was auf dem Kasten habt.
Hossa, der Mob bewegt sich wieder!

Aber, ist das Misstrauen einmal gesäät; Man würde ja schon spenden, aber sollte schon wissen wofür und wohin. Es gibt also schon furchtbar komplizierte Leute da draussen. Also werden Vorschläge gesammelt.
Krebsliga, Lindli-Huus… Schnell, zücke Stift und Papier, mache Notizen, wird aufgerufen.

Im Lindli-Huus und der Suppenküche hätten sie genug Kohle, wirft ein Urgestein der Gruppe ein. Es müssen sich irgendwo doch noch ärmere Leute finden. So die ganz Armen.
Ich will nicht pauschalisieren, aber so auf Anhieb wüsste ich um die Acht… oder so.

Spendet erst einmal, dann schauen wir!
Murmeln, whispern, Unruhe…

Ja was denn?
Wo sollen wir das zu spendende Geld hinbringen?
Hmmm… öhm… Wer hilft mir?

Hallo, wer hilft mit? Hopp Schaffhausen!

Tierheim, alte Leute… Au ja lässig!
Wo kann man nun die Spende abgeben?
Öhm… Nun…

Auf dem Herrenacker, ich sitze mit einem Klingelbeutel auf den Herrenacker!
Juhuu, ausgezeichnet!

Moment… ich fahre doch nicht wegen 2. Franken von Stein am Rhein auf den Herrenacker.
Hmmm… Überweisen?

Los Leute, hopp, nicht nur dumm quatschen, macht etwas!!

Ja wo denn nun hin mit der verdammten Kohle??!!??
DAS WISSEN WIR DOCH AUCH NOCH NICHT DU ARSCH UND JETZT SPENDE!!!

Die Emotionen kochen über.

bettler

Mit dem schnöden Mammon gibt es diverse Hürden, entweder weiss man genau was man kaufen will, hat aber das Geld nicht, oder das Geld brennt in der Tasche, aber man weiss nicht, was man sich schenken soll.
Bei der „Du bist ein Schaffhauser, wenn du…„-Gruppe stehen sie vor dem ultimativen Dilemma. Sie haben kein Geld, sie haben keinen Plan wie es gesammelt werden soll und absolut keine Idee, wofür es ausgegeben werden soll.

Aber, die R… sei ein seriöse, die mache das schon richtig.
Nun, ich denke Crazy Achmed vom Satelliten-Spiegel-Verkauf ist auch kein schlimmer Finger, dennoch würde ich meine Brieftasche nicht direkt auf dem Tresen liegen lassen, nur weil der chinesische Wäschereibesitzer von gegenüber beteuert, Crazy-Achmed sei seriös. So tickt der Mensch nun einmal. Dummer Mensch.

Radio Munot klinkt sich ein, dass sie im Übrigen auch eine Spendenaktion am laufen hätten.
Nun, dies wäre schon gut und recht, aber die Sache der Gruppe, das seien Menschen welche für Menschen sammeln. Der Unterschied erschliesst sich mir nicht direkt, aber Radio Munot, muss ich freimütig zugestehen, weiss zumindest, was mit dem Geld geschehen soll. Und wie man spenden kann.

Beinahe zwei Tage, die Gruppe zofft sich schon ordentlich. Könnte wieder einmal einen hübschen Sonnenuntergang vertragen. Oder Schwäne!
Die einen spenden nicht gerne ins Blaue, die anderen beschimpfen jene, welche nichts ins Blaue spenden wollen und diese führen eine Paralleldiskussion über soziale Missstände.

Ein Konto, ein Konto!
Vier Tage und 159 Kommentare später ist ein Konto eröffnet! Nun kann der Rubel rollen.
Tu Gutes und spreche darüber. Jeder, welcher seine 2 Franken überwiesen hat tut dies kund, jedem wird gedankt, eine flauschige Wohlfühlatmosphäre macht sich breit. Alle haben sich wieder lieb.

Acht Tage durch, 65 Franken haben sich angehäuft.
Nun, da muss man diszipliniert bleiben!
Ein paar Unverbesserliche glauben, es wäre hilfreich, wenn man wüsse, wofür man spende. Wir wissen es selbst nicht, IST DIES DENN SO SCHWER ZU VERSTEHEN?!?!?

10 Tage, zehn Spender. Kontostand 107 Franken.
Eine kleine Ernüchterung macht sich breit, der Gruppe eigener Tenor bricht durch. Wer jetzt nicht spendet, hat kein Herz, ist kein Schaffhauser, ein Egoist und ganz allgemein ganz ein Schlimmer.

12 Tage, 124 Franken.
Man würde man jetzt einmal etwas warten.
Auf ein Spendenziel oder einen Spendenzweck konnte man sich noch nicht einigen. Erst müsse Geld da sein, sonst könne man gar nichts entscheiden (fragt mal Vater Staat, das geht sehr gut).

Spenden… spenden… spenden….

 

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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