Durch die Ladentür in die Depression

Natürlich, wer das Affenhaus aufsucht, soll sich nicht wundern, wenn er Schimpansen sieht.
Trotz besseren Wissens, tätige ich meine Einkäufe bisweilen beim Asi-Ausstatter dritter Wahl.
Nebst Aldi und Lidl baut auch Denner auf das „Pack-die-Palette-gefälligst-selbst-aus“-Prinzip.dennerAusschlaggebend ist für gewöhnlich mein grosser Verbrauch an Küchenpapier und Denner bietet Plenty nunmal im praktischen sechzehn Rollen umfassenden Pack.

Schon die gammeligen, quartalsgereinigten Tragekörbe laden gleich wieder zum Einkauf von sogenannter Frisch-Ware aus und dies nicht nur, weil man sich mit einer untersetzten, streng riechenden Kopftuchträgerin mit amtlicher Warze und stattlichem Schnurrbart um den Behälter streiten muss.
Zur Rechten, liebevoll eingeschweisstes Obst, gewiss einer Chemiefabrik Schrägstrich Anführungszeichen Apfelplantage Anführungszeichen entsprungen. Der Rest der Obst, Gemüse und Frischwarenabteilung ist auf die Klientel ausgerichtet; Eine Tonne Zwiebeln lagert neben Kartoffeln.
Im Kühlregal dominieren die „Kein Schwein-Aufkleber“ in bildlicher Sprache, damit auch der schlecht integrierte Muslim nicht aus Versehen beim Überqueren der Dschahannam von der Brücke fällt.
Auch in Sachen Gebäck orientiert man sich an der Raumfahrt, auf tausend Jahre und ein Tag haltbar eingeschweisst, bietet der Meisterbäcker Ölz fluffig, frisch seine süssen Teilchen an. Daneben eine Art offenes Gebäck; Traurig hängende Butterhörnchen, das Papier durchfettend und von nicht minder schmierigen Fingern wohl bereits um halb zehn in der Früh auf der Suche nach dem perfekten Gipfeli diverse Male durch das Regal geschoben worden. Ganz zu schweigen von dem Kleinkind, welches es bereits viermal in den Patschhändchen hielt und der Mutter, welches es im selben Umfang wieder in das Regal warf. So man trotzdem droht, vor dem Brotwarenregal schwach zu werden, wird man bestimmt von einem Asi geschubst, welcher mit seiner Bierfahne und dem Hauch Eau-de-abgestandener-Rauch zweifelsohne auch gleich den Appetit mit sich weiter zieht.

Zuckerfreie Produkte braucht man nicht zu suchen, zum Leidwesen der etwas weniger berührungsfreudigen Kundschaft, sind die Regalzwischenräume diesem Umstand nicht angepasst.
Vielleicht wäre mehr Platz, würde sich die Kundschaft nicht in fünf Mäntel hüllen, andernseits kann im Falle einer Kontamination, ob direkt oder kreuz, nicht genug Isoliermaterial zwischen den Hautpartien sein, daher bin ich nicht direkt böse.
Wer sich nicht in besagte Mäntel hüllt trägt Leggins, an den unglücklichsten Stellen unangenehm durchscheinbar, zweifelsohne eine Folge der vierzehntäglichen wäschebedingten Tragepause. Darüber abgewetzte Stiefel, gestern bei Billi im Angebot erstanden, heute sehen sie aus wie nach dreissig Jahren Einsatz auf dem Strassenstrich. Eine speckige Daunenjacke mit so schmierigem Kragen, dass man erwartet, das Anti-Schuppen-Shampoo im Korb soll an der Kasse als Geschenk verpackt werden. Die ganze Erscheinung gepudert mit Hundehaaren und dem Geruch, eines nassen Vertreters dieser Spezies.

Natürlich kaufen auch Männer ein und diese machen mir besonders Angst. Schlecht sitzende Jeans, das Bein etwas zu kurz. Die Ware im Korb ist unter den gesamten Rabatt und Prozent-Klebern nicht mehr zu erkennen, der Strichcode an der Kasse wird zu Tage fördern, was der Herr zu Abend isst.
Bewegt sich gleich einem Dirty Harry und John Wayne-Abklatsch in türkischer B-Movie-Kopie, zwanghaft versucht mit der ausgestrahlten Vorstellung von Coolness die gesellschaftliche Ausgestossenheit als frei gewählt zu verkaufen. Es ist nicht so, dass man kein soziales Umfeld hätte, man braucht es einfach nicht. Schliesslich gibt es den 56cm-Röhrenfernseher mit tadellosem Bild unter der Nikotinschicht, billigen Wein aus dem Denner, Chat-Rooms und den Stammtisch in der Neuen Welt.
Es sind diese Leute, welche man aus der Schulzeit kennt, aber beim erzwungenen Grüssen verstohlen erst nach links und rechts guckt, ob man nicht gesehen wird. Leute welche an Feste geladen werden, bei welchen man jedoch hofft, sie mögen nicht erscheinen.
An der Kasse schäkern sie mit abgedroschenen Kneipensprüchen mit der Kassiererin, was somit dreissig Prozent ihrer sozialen Kontakte allgemein und fünfzig Prozent der weiblichen Kontakte ausmacht. Wenn man die Planzer-Chauffeuse vom Stammtisch noch als Frau betrachten kann.
Solche Männer, welche irgendwann im Leben zwei falsche Entscheidungen gefällt haben. Bei der ersten sind sie auf diese Schiene gelangt, bei der zweiten haben sie es verpasst sich eine Kugel durch die Birne zu jagen und sehen nun ihr trostloses Leben als normal an, letztendlich sitzen am Stammtisch drei weitere solche Gesellen und sie bestärken sich darin, dass in der ganzen Welt um sie herum nur Arschlöcher leben.
Ob sie dies wirklich glauben sei dahingestellt, aber es scheint sie über den Tag zu bringen.

Ich sollte an Tagen wie diesen nicht in den Denner einkaufen geben, diese Armenspeisung-Vorstufe, diese Aussicht auf die trübe Zukunft. An Tagen wie diesen, wo sich die Sinnlosigkeit des morgendlichen Aufstehens in voller Frische präsentierte und man sich Gedanken macht, ob wohl die erste falsche Entscheidung schon hinter einem liegt und man drauf und dran ist, die zweite zu verpassen, weil es schon unausweichlicher Alltag geworden ist.

So verlässt man dieses depressive Loch durch eine automatische Schiebetüre, vor einem ein Türke, zwei Neger und ein versiffter Penner im John Wayne-Gang, hinter einem eine Schlampe mit drei verzogenen Gören; Verlässt man den Laden mit sechzehn Rollen Plenty, einer Packung Klopapier, Abwaschmittel im Vorteilspack und Geschirrspühlertabs in einer Denner-Papiertüte und dem goldenen Vorsatz, sich gründlich über die eben befahrene Schiene Gedanken zu machen.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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