Durchblick im Prämiendschungel

Ironie ist, wenn der Kanton Schaffhausen einen Kanton Zug subventionieren muss. Zumindest im Bereich der Krankenkassenprämien. Da unsere Grundversorgung wie auch die Vergütung von homöopathischer Zuckerplacebos und chinesischer Räucherstäbchen von einem immensen privaten Verwaltungsapperat sichergestellt wird, können sich auch Fehler einschleichen. Kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich Kantone, welche sich aus dem Solidaritätsprinzip gemogelt und den Krankenkassen Einnahmen verweigert haben. Wiederum haben sich andere zu sehr ins Zeug gelegt und Helsana und Co. neue Mahagoniböden und protzige Gobelins geschenkt.
Dieser Missstand gälte es nun aufzuheben. Da die Schweizer jedoch alle verkappte Zigeuner sind, besteht die Gefahr, dass einer dieser Kesselflicker von 1996 bis 2013 im Kanton Schaffhausen wohnte, sich mit den geprellten Beiträgen in Zug ein kleines Schlösschen am See baute und nun im Rahmen der Rückerstattung zum Handkuss kommt.

Eine vertrackte Situation, daher hätte man diese Geschichte auch gerne mit einem schulterzuckenden ‚dumm gelaufen‘ abgetan, aber irgendwie sickerte was durch und das Volk probte den Aufstand.
Wie nun Herr Helsana und Herr Swica in löchrigen Schuhen und abgewetzten Hosen im Bundeshaus standen, brachte es das Parlament nicht über das Herz, den armen Menschen auch noch die Butter vom Brot zu nehmen. Da wollen wir nicht mäkeln, jeder weiss, dass eine Concordia in Sachen selbstlosem handeln, denken und rückvergüten nur noch von Mutter Theresa selig übertroffen wird, daher erlässt das Parlament den Krankenkassen spontan die Hälfte der gierig zusammengerafften 1600000000 (1,6 Mrd) Franken. Wo gearbeitet wird, aber auch in den Versicherungen, passieren Fehler, es wäre unmenschlich, dies einem CEO zur Last zu legen. Gerade hinsichtlich des Aspekts, dass ein Helsana-Chef mit einem jährlichen Obolus von kümmerlichen 800’000 Franken schon beinahe ein Benevol-Angestellter ist. Der Bund übernimmt daher spontan einen Drittel der Rückzahlung. Wobei der Bund an sich ja kein Geld hat, sondern von den Leibeigenen, also Dir und mir getragen wird. Ein weiterer Drittel fällt auf die Versicherten, welche schamlos die Konzerne um ihr zustehendes Einkommen betrogen haben. Also Du und ich.

Die Einkommensquelle ist somit gesichert. Der Bund darf in Raten zahlen, bis im Jahr 2017 sollte aber der letzte Batzen bei den Versicherungen liegen. Erfreulicherweise hat das Leiden und die Hungersnot im armen Kanton Zug bereits im Sommer nächsten Jahres ein Ende, im Juni wird rückvergütet. Während der einzutreibende Betrag auf Rappen und Heller genau feststeht, muss über den Umfang des zurückgeworfenen Geldsacks noch entschieden werden. Eine komplizierte Rechnung.
Vielleicht benötigt man eine eigens geschaffene Task-Force dazu. Den einen oder anderen herbeigezogenen externen Berater und diverse Meetings unter Palmen bei Pina Colada aus der Kokosnuss. Die Aufwendungen werden gering, aber leider unumgänglich sein. Da muss wohl der Versicherte einspringen. Eine Prämienerhöhung im Namen der Gerechtigkeit. Der Solidarität. Wer würde da dagegen wettern.

Trotz allem; Wenn ich allen ab und unabhängigen Experten glauben darf, kommen die glamourösen Marmorpaläste der über 30 Gesellschaften und ihr gesamter Verwaltungsapparat inklusive Gefolge den Versicherten günstiger, als eine einzige staatliche Kasse.
Insbesondere, da die Umstellung Milliarden von Franken verschlingen würde.
Für mich als hemdsärmligen, beschränkt gebildeten Mann von der Strasse klingt dies so, als wäre die Investition von zwanzigtausend Franken in einen neuen VW-Bus zu teuer, weswegen ich lieber weiterhin jährlich zehntausend in meinen alten investiere um diesen irgendwie am Leben zu erhalten.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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