Ein normaler Sonntag

Vielleicht ist es ja Karma.
Heute morgen erwachte ich, weitgehendst in meiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Mein Kopf liess sich nur noch einseitig drehen, was mich vor die Auswahl stellte, während der Zuführung meines künstlich gesüssten Magerquark mit entöltem Kakao-Zusatz schielend die Looney Tunes zu sehen und nur die Hälfte von Wil E. Coyotes Bemühungen um ein Roadrunners-Frühstück zu begreifen, oder dann – langer Satz ich weiss – wie eine pflichtbewusste Restaurationsfachfrau, ja so heisst dies, stets sprungbereit nur eine Pobacke auf das Sofa zu setzen.

Mein fortgeschrittenes Alter lässt sich durch das ins einseitig kippende Verhältnis von Nivea Bodylotion zu Voltaren, welches ich nach dem Duschen aufzulegen pflege, erkennen. Weswegen mein Badschrank entsprechend gut an verspannungslösenden und rehabilitierenden Cremes und Salben bestückt ist.
Nun, das Werkzeug zu haben ist erst die halbe Miete.
Die Verspannung, Versteifung oder wie das auch genannt werden will, lag selbstverständlich an dieser unerreichbaren Stelle im Bereich des linken Schulterblattes. Ohne dritte helfende Hand vollführt man auf den glitschigen Fliesen einen Tanz und Verrenkungen, welche die gesamte Aktion in Frage stellt. Pah, Robinson war auch alleine, an einer fehlenden Hand werde ich nicht scheitern. Grosszügig im gerade noch erreichbaren Bereich aufgetragen, schob ich die Salbe mit dem übergestreiften T-Shirt an die richtige Position. Der Türrahmen übernahm den Part des Einmassierens, als ich wie eine Kuh mit dem Rücken daran entlang strich.
Schmerzempfindlich wie der Mann angeblich ist, hätte ich nun in Embriostellung auf dem Sofa still leiden und das Unglück in der Welt beweinen sollen.
Hätte vielleicht…

Dreissig Minuten später humpelte ich wie Kapitän Ahab auf dem Laufband im Fitnesscenter. Mit 11 Kilometern pro Stunde. Und dies ist gar nicht einfach, wenn man wie Kapitän Ahab humpelt.

ahabGanz der Theorie folgend, wenn die Muskeln nur richtig warm werden wird sich dies schon lösen, schlenkerte ich mit den Armen wie die aufblasbaren Luftmännchen an Ausstellungstagen beim örtlichen Autohändler.
Ich habe in diesem Center ja nicht mehr viel zu verlieren.
Das Tuch wie ein Cape um die Schultern, ich versprach mir einen Hitzestau, trainierte ich wackere 90 Minuten lang.

Nun sitze ich wie Schroeder, der von den Peanuts, an meinem MacBook, was der Entspannung gewiss unglaublich zuträglich ist.schroederÖlig wie eine Sardine. Ich habe mir ein Entspannungbad gegönnt.

Während ich so in der Wanne in meinem eigenen Schmutz suhlte, baden ist per se schon eine eklige Sache, testete ich meinen neuen E-Book-Reader auf die versicherte Wasserfestigkeit. Bis einen Meter unter Wasser könne man noch lesen, sprach die Verkäuferin und die Bedienungsanleitung bestätigte ihre Aussage.
Etwas von Langeweile befallen, während der Reader wasserspuckend auf dem Handtuch wieder zurück zu den lebenden gelangen sollte, dachte ich über Frauen nach.

Flugzeuge sollen ja nur noch von Frauen gelenkt werden. Oder geflogen. Aber Lokomotiven gelenkt. Wobei man diese ja auch nicht lenkt. Doch auch bei Reisecars, sollten Frauen ans Steuer.
Dies nicht zwingend, weil Frauen im Führen von Massenverkehrstransportmitteln eine übermenschliche Geschicklichkeit an den Tag legen, sondern weil Frauen im allgemeinen lebensfreudiger sind als die männlichen Vertreter unserer Spezies.
Männer neigen anscheinend nicht nur dazu in geblümten Sitzgruppen ihre Gattinen zu meucheln – Gruss an den Altmeister – nein, auch haben sie einen Drang, dies ist mir und wohl allen meines Jahrgangs auch neu, am Steuer von Personenbeförderungsfahrzeugen Suizid zu begehen. Neu, weil der bedauerliche Vorfall bei Germanwings meines Erachtens in den letzten knapp vierzig Jahren ziemlich einzigartig ist. Nehmen wir die Kamikaze-Flieger und Terroristen aus, die machen es fürs Vaterland und 32 Jungfrauen.

Aber die Statistik stützt die Theorie, da gibt es nicht zu rütteln.

Nur schon die Schlagzeile ist sexistisch, ich müsste beleidigt sein.
Erinnert ihr euch an den November 2008?
„Oh super“ war der Kommentar von Stefanyshyn-Piper. Die erste Frau welche einen Ausseneinsatz im All anführte und, die Erinnerung kommt wieder, prompt ihre Werkzeugtasche verlor.
Dumme Sache, eine fliegende Werkzeugtasche mit Schuss im schwerelosen Raum kann durchaus ein bemanntes Shuttle oder noch schlimmer, einen Fernsehsatelliten abschiessen. Ich las jedoch keinen Kommentar, dass Frauen vielleicht besser auf der Erde bleiben sollten. Die Empörung wäre enorm gewesen.

Aber vielleicht wäre es grundsätzlich besser, wenn Frauen gleich alles übernehmen. Es ist eine Laune der Natur, dass die Männer zum bestäuben bisher unersetzlich sind, aber da müsste sich doch eine Lösung finden lassen.
Vielleicht löst sich die Sache über kurz oder lang auch in Wohlgefallen auf. Immerhin nehmen sich Männer dreimal mehr das Leben als Frauen und die heranwachsenden Jünglinge werden zusehends domestiziert. Guckt mal hin, haben noch nicht einmal mehr Bartwuchs. Dies hat man ihnen schon ausgetrieben. Über kurz oder lang wird die Frauenquote ein überflüssiges Relikt sein.

Wo wir gleich bei kräftigen, pardon starken Frauen sind; Pony M. hat ein Fahrrad geschenkt erhalten.
Ihr Jolly Jumper wurde unlängst im innigst geliebten Zürich entwendet, worüber ich mich diebisch gefreut habe. Einfach weil ich diese bescheuerten selbst bemalt und blumenbeklebten Fahrräder urhässlich und total bescheuert finde.fahrradSie nannte es Jolly Jumper. Wie das Pferd von Lucky Luke.
Nicht genug, dass Lucky Luke nicht mehr rauchen darf, nun muss sein getreuer Gaul als Namensgeber für die Fahrräder von Pseudo-Hippies hinhalten. Blasphemie!

Weil die Pony M. solch eine arme ist und ordentlich im Netzwerk gejammert hat, wurde ihr von einem Radhersteller ein neues geschenkt.
Neid? Nein. Aber wer hat, dem wird gegeben. Und ist sich nicht zu schade um zu nehmen.

Als ausgleichende Gerechtigkeit zur sexistischen und männerfeindlichen Berichterstattung, beschliesse ich mit einem Video aus den siebzigern, als die Welt noch in Ordnung war.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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