Ein Phänomen und neue Artikel im Flohmi

Mein Vier-Stunden-Beitrag über die KBA-Hard hat so richtig reingehauen, mein Besuchercounter lief zeitweise gar rückwärts.

Ich sollte schon zur alten Form zurückfinden; Schreiben ohne Sinn und die Massen begeistern, alleine dafür bewundere ich Yonni Meyer, DAS neue Schweizer Facebook-Phänomen. Sie berichtet frisch von der Leber weg unterhaltsam über die Einträge einer Pendlerzeitung und die Leute huldigen ihr.
Asche auf mein Haupt, ich musste erst googeln – ich bin mir bewusst, googeln ist kein Synonym für recherchieren – was ein Facebook-Phänomen ist. Es gibt kein altes Facebook-Phänomen, fragt sich also, wie denn jemand DAS Neue sein kann.
Eine Ausnahmeerscheinung in einem sozialen Netzwerk wäre dann wohl jemand, der… ja was denn nun, eigentlich ist jede Spezies der Nutzer vertreten und wird von angehenden und absteigenden Komikern auf Kleinkunst-Bühnen der Lächerlichkeit preisgegeben. Ironie ist, wenn ein Stefan Büsser dadurch Anerkennung sucht, dass er auf eine Bühne steht und sich über Leute auslässt, welche Anerkennung suchen. Oder wenn ein schwangeres Teeniemädel eine Hülle für ihr iPhone kauft, aber der ist nicht von mir.

Wer ist denn nun eine Ausnahmeerscheinung auf Facebook. Wenn wir den allgemeinen Sprachgebrauch verlassen ist die Geschichte mit dem Phänomen ja eine sehr subjektive Sache, denn ein Phänomen bezeichnet nicht das Wahrgenommene an sich, sondern beschreibt mein Grad an Wahrnehmung. Zum Beispiel, wenn ich meiner geschätzten Kollegin, welche zwei Monate nach ihrer Niederkunft mit einer atemberaubenden Figur daherschreitet, mit verzücktem Blick auf den Hintern starre, möchte ich durchaus von einem, wenn leider auch nicht greifbarem, Phänomen sprechen. Das muss ein anderer ja nicht so sehen. Wobei dann dieser einfach mit Blindheit geschlagen wäre, was wiederum einer Diagnose entspricht, welche eine Klassifizierung von einem Phänomen wäre. Ist Wikipedia nicht geil, um mich der Unterschichtensprache zu bedienen?
Mitunter ein Grund, warum die Menschheit zusehends verblödet, denn Einstein erwähnte einmal, er müsse sein Hirn nicht mit Wissen beladen welches niedergeschrieben steht, er brauche sich nur den Ort zu merken. Mittlerweile braucht man sich noch nicht einmal diesen zu merken, man muss nur den Zeigefinger an der Hose abwischen und auf das entsprechende Bildchen auf seinem Smartphone bewegen, schon hat man das geballte Wissen der Menschheit vor Augen.

Wenn wir facebook als eine Plattform für Selbstdarsteller sehen, ist dann der lediglich konsumierende Zaungast ein Phänomen? Wenn man ihn denn als solchen empfindet, aber dies ist ja eher schwierig, da wir etwas erfassen oder erblicken müssen um uns zu einem phänomenalen Empfinden hinreissen zu lassen, lässt er sich jedoch virtuell blicken verrät er genau dieses, was ihn zu einem Phänomen hätte werden lassen können und wird zu einem ordinären Berichterstatter.
Ich lasse mich nun nicht über die unterschiedlichen Benutzer aus, möchte aber doch einen kürzlich entdeckten Typus nicht aussen vor lassen.
Jeder, ausschliesslich jeder, benutzt ja facebook nur, weil es an sich „eine ganz selten dumme Sache“ ist, aber man soviele Gspänli wieder findet. Von der Doktorgespielin im Kindergarten bis zum One-Night-Stand vom Sprachaufenthalt in San Franc… pardon Frisco, von welchem man nie wieder etwas hören wollte, aber es eben doch cool ist wenn man einen „Freund“ in den Staaten hat.
Nun gibt es aber die, welche wohl von den Freunden gefunden werden wollen, aber doch nicht von allen Freunden, vielleicht gerade vom One Night Stand nicht, und diese cleveren Leuten gehen mit falschen Namen in das soziale Netzwerk. Was bedeutet, dass sie alle Freunde, von welchen sie wiedergefunden werden wollen, irgendwie auf anderem Weg wiederfinden müssen, damit sie ihren Decknamen „Rügenwalder Deckhengst“ weiterflüstern können und sich anschliessend überraschend auf facebook finden und sich gemeinsam darüber freuen, welche Möglichkeiten einem ein weltumspannendes Netzwerk eröffnet.
Auf eine gewisse Art und Weise sind solche Personen wirklich phänomenal, mit wählbarem Adjektiv im Anschluss. So ganz subjektiv.

Ich habe festgestellt, dass man im Schaffhauser Flohmi nicht mehr nur Dinge feil bietet weil man sich die Sperrgut-Marke sparen will oder die KBA-Hard Abends geschlossen hat, sondern auch um sich etwas zu profilieren.
So bietet der Burak P., nein das ist zu offensichtlich, nennen wir ihn B. Palabiyik (crtl-c ctrl-v) seinen Rasenmäher feil, weil er zu klein ist für den Rasen. Understatement im Subtext. Ein etwas entfernter Nachbar von mir wäre da vielleicht ein Abnehmer. Der hat das gegenteilige Problem, er fährt einen heissen Aufsitzrasenmäher für einen Rasen von der Grösse dreier Strandtücher.

Die Debora L. fotografiert ihr Sofa, will aber den Teppich verkaufen, welcher unterkant noch ins Bild blinzelt.

Angela F. interessiert sich für Claudias Warzenentferner, weil der Yanik eine am Finger habe. Eine wichtige Info, gerade für Yanik’s Umfeld.

Oder Sandra verschenkt einen Waschbetontisch, gewiss seine Tonne schwer, was der Grund sein mag, warum er gratis abzuholen ist.fb-flohmi

Natasche K. präsentiert ihren Gourmet Hobel, eine Art Gemüseraffel, mit der wertvollen Zusatzinfo, weil sie nun eben eine Multiküchenmaschine habe.

Auch Corrado D.’s Spiegel wird Zuspruch finden, da er noch nie gebraucht wurde! Meiner ist vom vielen rein gucken schon beinahe blind.fb-flohmi-2Auch hier streiten sich führende Experten, die Frage ist durchaus berechtigt.

fb-flohmi-3Und Sandra G. verschenkt einen Sack Tampax, kein Scherz, mit Einführhilfe.

Zu guter Letzt noch dies;
Zuerst dachte ich, meine Verwandten wären im Urlaub, aber es waren dann doch Einheimische. Der Darwin-Preis geht nach Phnom Penh

Einem Familienvater fielen 60 Rappen in einen Brunnen. Da dies in diesen Gefilden durchaus eine erkleckliche Summe Geld sein muss stieg er nach um das kostbare Gut, wie auch sein Feuerzeug, zu retten.
Nach Anbruch der Nacht wurde er vermisst. Da hinkt die Geschichte etwas, da doch ziemlich detailliert bekannt war, was in den Brunnen fiel und dass er selbigen Besitztümern nachhechtete, aber sind wir nicht kleinlich.
Also suchte der Sohn seinen Vater, stieg nach und erstickte in dem Brunnen.
Daraufhin starteten die zwei Töchter eine Rettungsaktion und kamen unter nicht näher umschriebenen Umständen ums leben, was den Cousin auf den Platz rief, welcher bei einer weiteren Rettungsaktion ebenfalls das Zeitliche segnete. Nicht, ohne drei weitere Erwachsene mit ins Nirvana zu reissen, welche bei der versuchten Rettung des Cousins den Weg alles irdischen gingen.
Ich vermute der Brunnen, seine Tiefe war mit fünf Metern angegeben, war daraufhin voll, sonst wäre Phnom Penh heute wohl eine Geisterstadt.

So, nun aber Licht aus.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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