Ein Tag im Leben von…

Auf dem aufsteigenden Ast.
Die Nase läuft, die Lunge grollt, wir sind im Schlusskampf.
Und ich habe keine Minute am Arbeitsplatz gefehlt! Wohl schleudere ich Krankheitserreger um mich wie Bauer Hubert die Jauche auf dem Feld, aber dies gehört in der Schweiz zum guten Ton. Und wenn 80 Prozent der Mitarbeiter ebenfalls so kutschieren, ist der Schaden durch Ansteckung geringfügig.

Es ist schon erstaunlich, was man an Keimen so verteilt.
Ich bevorzuge das Niesen und Husten in die Armbeuge. Nur schon, weil da ein Ärmel ist an welchem man dezent Tröpfchen abwischen kann. Doch durchgesetzt hat sich diese WHO-Empfehlung nicht. Die Menschen halten, wenn man Gück hat, die Hand vors Gesicht. Meine Wenigkeit ergreift selten Initiative bei der Begrüssung per Handschlag. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern einfach weil es eklig ist. Nicht zuletzt aus oben genanntem Grund. Zudem weiss man ja nie, wo die Hand schon war und welch ungezogenen Sachen sie macht, wenn man nicht hinsieht. Umso erstaunlicher, dass ich mit roter, triefender Nase und fiebrigen Augen einer Person gegenüber stehen kann und diese mich zur Begrüssung beinahe in die Arme schliesst. Vielleicht will die Menschheit einfach dahingesiecht werden.
Taschentücher nach einmaligem Gebrauch wegwerfen macht Sinn. Nicht zuletzt, weil das Ding nach einem Schneuzer sowieso durch ist. Und ich verwende nicht die halb-lagigen „Nüteli blau“ für drei Cent die Palette aus Aldi Süd. Es geht auch bei Tempo kuschelweich superfest immer etwas durch an die Finger. Ein Taschentuch gegen Keime ist wohl wie ein Kondom aus Sackleinen gegen Schwangerschaft und gewiss schafft man es nicht, alle sabbrigen Rückstände am Beinkleid abzuwischen. Also nach dem Niesen jetzt.
Auch eine WHO-Empfehlung. Also das wegwerfen, nicht das abwischen. Dennoch zähle ich in meinem Umfeld unzählige Stoff-Nastücher. Da trägt man den eigenen Rotz den ganzen Tag in der rechten vorderen Hosentasche mit sich rum. Irgendwie, als würde man seinen Morgenstuhl gemütlich am Hintern tragen und abends mit der Buxe in den Waschkorb werfen.

Nun, geht einem einfach so durch den Kopf.

Heute habe ich beschlossen, das Rauchen einzustellen.
Meine Bronchien haben jetzt einen wunderbaren Frühlingsputz erhalten. Eine Zigarette anzustecken wäre ja, als würde ich mit Stallstiefeln über einen frisch shamponierten Teppich wandeln.
Natürlich entsage ich dem Glimmstengel nicht komplett. Letztendlich betrachte ich ihn bisweilen durchaus als Genussmittel. Aber ich lasse die Langeweile-, die Gewohnheits- und die Gruppendynamik-Zigarette weg.
Mein Arbeitsplatz erleichtert es mir auch, da das Gesetz für Rauchverbot in öffentlichen Räumen nur greift, wenn die Führungsetage auf Besuch ist. Die letzten Tage habe ich quasi als Aussenstehender beobachtet, wie die Menschen um mich immer wieder in blauen Dunst gehüllt waren. Sie wirkten irgendwie ungesund mit ihren Glimmstengeln und da sie in geschlossenen Räumen standen, wirkte es geradezu ekelerregend.
Irgendwie will ich nicht ekelerregend sein.

Rauchen soll im Kino verboten werden. Also in den Filmen. Fordert die Lungenliga. Neunzig Minuten Autorennen, Köpfe abschlagen, Vergewaltigung, Rassenhass, alles ok, solange der Held danach in einer dreissig-Sekunden-Szene keine Zigarette ansteckt. Weil die Jugend so leicht beeinflussbar ist.
A propros Forderungen; Die Oscar-Jury ist rassistisch. Sie haben keine Schwarzen nominiert.
Pfui.
Übrigens auch keine Inuiten, Tibeter und Syrer. Die haben in der vergangenen Saison wohl auch kein würdiges Filmschaffen an den Tag gelegt, aber darum geht es doch gar nicht.

Dem täglichen Pendlen stehe ich einiges gelassener gegenüber. Durch einen gerissenen Poker hat sich die tägliche Kilometerleistung um 50% und der Zeitaufwand um mindestens 60% reduziert. Ein wenig davon abhängig, wer sonst noch hinter dem Volant klemmt und ich stelle fest; Die lassen wirklich jeden hinters Steuer. Wer nervt euch am meisten?
Oben rangiert der Lichtsignal-Hoppler.
Ich meinte, man fährt hinten an eine Kolonne ran und bleibt stehen. Fertig.
Mit dieser Ansicht stehe ich ziemlich alleine da.
Kaum stehen die Fahrzeuge und beleuchten mit ihren dritten Bremsleuchten – warum müssen die Dinger eigentlich mindestens 150 Watt haben, auf Augenhöhe sein und warum braucht es die überhaupt? – die Umwelt, beginnen die Fahrzeuge zu hoppeln. Einen Meter nach vorne, kaum steht man wieder, abermals einen Meter. Und dies, obwohl das Rotlicht noch keine Sekunde auf grün geschaltet hat.
Wird einem dies zu dümmlich und bleibt einfach stehen, hat man alsbald eine bis zwei Fahrzeuglängen Platz vor einem und die Hintenstehenden schimpfen über den Querulanten. Den Bremsklotz.

Dann die Reissverschluss-Verweigerer.
Ich bin ein grosser Fan des Reissverschlusses, die einzig vernünftige Verkehrsführung in diesem überregulierten System. Mit angemessener Geschwindigkeit bleibt alles stets im Fluss. Bis ein Arschloch kommt und denkt, er sei im Recht. Diese halbe Sekunde Verzögerung läge nicht mehr drin und er hängt sich an des Vordermannes Arsch. So dass die andere Seite bremsen muss. Da viele Personen mit dem Anfahren ihre liebe Mühe haben, muss nun die Seite des Arschlochs ebenfalls anhalten, damit die andere Seite wieder in den Fluss kommt, worauf jene Seite… die ganze Sache ist bereits an die Wand gefahren.

Selbstverständlich nervt auch der Neuhausen – Rafz-Pendler, welcher immer noch nicht geschnallt hat, dass auf deutschen Strassen hundert gefahren werden darf und 110 km/h auch noch bezahlbar sind. So gerine Bussen kennt der Schweizer Strafkatalog schon gar nicht.
Mit einem 80er-Schnitt ist man schon ordentlich flott unterwegs. Und ich spreche nicht von Brummis, dies sind die geringsten Bremsklötze und gewiss auch die unfreiwilligsten. Jupp, als Besitzer des C-Führerausweises bin ich mit Brummifahrern sehr solidarisch und einiges verständnisvoller geworden.
Nein, es sind die bunten Kleinwagen. Von Mamis im Batik-Shirt, mit lustigen Blümchen am Innenspiegel und aufgeklebten Katzenpfötchen auf der Motorhaube. Familienvans mit wertvoller Fracht namens Kevin, Laura und Justin. Nicht zuletzt topgepflegte Opel Astra, welche mal links, mal rechts blinken, stets entgegengesetzt Schlangenlinie fahren und von  alten, fleckigen, verkrampften Händen gelenkt werden.

Dann diese Durchfahrt-Erzwinger.
Eigentlich ist es ihre Mimik, welche mich nervt. Vielleicht auch, weil mich grundsätzlich Lenker mit SH-Nummernschildern welche in Jestetten links auf den Edeka-Parkplatz fahren nerven. Einfach rüberziehen, soll der Entgegenkommende mal bremsen. Dabei blickt man stur gerade aus. Wenn ich es nicht sehe, ist es nicht verboten! Am liebsten würden sie wohl die Augen schliessen, aber dann liefen sie Gefahr ihrem Audi Q7 an der Parpplatzbegrenzung einen Kratzer zu verpassen.
Dieser Audi, welcher danach hinter dem Mercedes am Jestetter Zoll steht. Schon eimal die Menschen beobachtet?
Sie wirken wie jene Leute, welche bei der Migros an der Kasse vorbei quetschen, weil sie den Laden verlassen, ohne etwas gekauft zu haben. Um betonte Lässigkeit bemüht, wissend, dass man trotzdem irgendwie unter Generalverdacht steht, ein Pfund Schokolade unter der Jacke aus dem Ladenlokal zu schmuggeln.
Ein wenig sind sie sich wohl schon bewusst, dass der Gang mit dem Ausfuhrschein ein Walk of Shame ist, dennoch gehen sie trotzig mit dem „Mein gutes Recht, weil der macht ja auch“-Gesicht.Zur Thematik „Hat ihre Tocher eine Lehrstelle? – Nein, wir kaufen im Ausland ein.“

Draussen ist es dunkel.
So als Schlussatz, welcher den Zusammenhang des gesamten Artikels zu einem Ende bringt.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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