Eine sparsame Presseschau

Der Kanton muss sparen.
Wenn Sie oder ich sparen müssen, bedeutet dies, mit dem Einkommen besser wirtschaften, den Gürtel enger schnallen und jede Ausgabe dreimal überdenken.
Wenn eine staatliche Institution sparen muss, bedeutet dies, mehr Einkommen zu generieren. Da der Staat von sich aus jedoch für niemanden einen Mehrwert erwirtschaftet, noch etwas erschafft und sich in den Jahrhunderten von einer verwaltenden Institution zur beherrschenden Übermacht entwickelte, muss er die einzig verfügbare Quelle anzapfen, seine Erschaffer, den Bürger.
Es war absehbar, dennoch kann ich mich des Bildes nicht erwehren; Ein kleines dickes Kind kommt daher, den Mund schokoladeverschmiert, die Taschen ausgebeult von BonBons, eine Zuckerstange im Mund und die kleinen klebrigen Fingerchen ausstreckend, man brauche mehr Taschengeld um Süssigkeiten zu kaufen.

Vielleicht müssen wir uns selber an die Nase fassen. Wählen wir regelmässig irgendwelches Studentenpack in die Regierung. Oh, sie sind gewiss ganz kluge Köpfe, uns allen weit überlegen.
Bisher bestritten sie ihren Lebensunterhalt mit Papas Geld und so dieser einmal einen schlechten Tag hatte und den Hahn zudrehte, auch das Jammaern bei Mama nicht fruchtete, jobbt man halt mal eben etwas um sich den Urlaub zu verdienen. Klappt doch ganz gut, das mit dem Arbeiten wäre an sich gar nicht so schlimm. Aber eigentlich musste man noch nie einen Finger krumm machen, um solchen Firlefanz wie Steuern, direkt und indirekt, zu begleichen.
Was zuhause im Hotel Mama mit Bankomat Papa ganz gut funktioniert, setzt man 1:1 in die Politik um. Man erhält fremdes Geld, für welches man weder was leisten musste, noch sich bemühen muss, mit selbigem haushalterisch umzugehen, denn wo dies herkommt, da liegt noch mehr und wenn es knapp wird, holt man selbiges eben auch noch. Man hat die Macht dazu.

Man hat kein Geld, aber beginnt doch den Freien Platz zu gestalten. Als erstes mit dem Vorschlaghammer rein, Bushäuschen weg. Ach so, der Sommer kommt, mit dem Sommer die Touristen, wir vertagen das Bauen. Bestell doch schnell ein neues Bushäuschen, wir brauchen wieder eines.
Kostet ja nichts.
bmw-polizeiDrei Liter Hubraum, 200 Pferdestärken. Arrrh arrrh arrrh!
Wir haben kein Geld, aber die Polizeit braucht neue Fahrzeuge. Lass uns einkaufen gehen. Kostet ja nichts.

Wo wir gleich dabei sind, die Polizeitätigkeit bedarf grösserer medialer Präsenz, lasst uns eine zusätzliche Polizeisprecherin engagieren.
Überhaupt, das Verwalten der Bürger wird immer stellenintensiver. Dieses Jahr wurden 70 zusätzliche Stellen geschaffen, wir werden nun von sage und schreibe 4150 Personen betreut oder, auf 20 arbeitende Bürger kommt eine Kantonsstelle um den Bürger zu verwalten, betreuen, kontrollieren und betreiben. Dies kann keine Vollzeitstelle sein, so viele Anliegen hat man nicht an den Kanton, was mich zur Vermutung führt, dass ordentlich viel Stellenprozente dazu aufgewendet werden, sich selbst zu verwalten.

Es wurde nun eine externe Firma beordert, arbeiten bestimmt für Vergelts-Gott, um das Sparpotential des Kantons zu ergründen. Ich werde mich auch ein wenig darauf achten, abgesehen davon, dass ich die Regierung schon zu aufgeblasen finde. Wir haben sechzig Kantonsräte, welche sich neben den Cüplianlässen fünfzehnmal im Jahr treffen. Man kann das Wirken von gerade mal gefühlten zehn Stück verfolgen, was die restlichen leisten wissen die Götter.

Letzten Mittwoch wurde die Frontseite der SN etwas gar unglücklich gestaltet. Mittig oben wurde von Schweinsäuglein Widmer-Gysel die Steuererhöhung kundgetan.
Mittig unten ein Bericht über elf Jugendliche à la Carlos, welche zum hätscheln ausserkantonal vergeben werden, für knapp drei Millionen im Jahr.
Im Gefängnis könnte man für dieselbe Summe das Doppelte unterbringen, wobei ich mich wiederum fragen muss, wie sich 350 Franken Gefängniskosten im Tag zusammensetzen. Beinahe soviel wie ich, inklusive aller Versicherungen etc, meinen Chef am Tag koste, aber ich bringe noch Geld herein!
Muss ein schönes Leben sein im Knast, ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass in Guantanamo so viel für einen Insassen aufgewendet wird. Ja, wird, den Friedensnobelpreis hat der Obama als Vorschusslorbeere schon einmal eingestrichen, von den drei Camps – klingt wie Ferienlager – wurde jedoch gerade einmal eines geschlossen.
Guantanamoverhältnisse seien unmenschlisch und in unseren Gefängnissen nicht zumutbar? Nun, vielleicht sollte man dann einfach zusehen, dass man nicht in das Gefängnis kommt, wäre vielleicht eine Motivation.

Aber; Der Fall Carlos sei ein tragischer Einzelfall. Also nicht der messerstechende Jugendliche, sondern das Careteam für 30’000 im Monat.
Alle anderen Massnahmen hätten versagt, nur die Luxusversorgung zeigte Wirkung. In 1,5 Prozent der Fälle käme dieses Camp Holiday zur Anwendung.
Hätten versagt… Erklärt mir dies bitte. Wenn dieser Typ einfach nicht die Regeln des Miteinander in seinen Quadratschädel kriegt, dann sperrt ihn doch weg. Für einen
normalen Menschen ist dies einfach nicht nachvollziehbar. Sprenge ich die Steuerbehörde in die Luft und lasse durchblicken, dass ich dies jedes Jahr wieder machen würde, was geschähe dann mit mir? Geschlossene Anstalt denke ich, denn an sich wäre er ein fleissiger, gesetzestreuer Bürger, er sprengt einfach jeden Juni die Steuerbehörde in die Luft. Also, wo liegt das Problem? Es gibt nunmal integrationsresistente Menschen, also nimmt man diese aus der Gesellschaft.
Eine unschöne Ausnahme, ein tragischer Einzelfall… Wohl eher ein tragischer Einzelfall von verpatzter Zensierung. Ohne die Reportage über einen trotteligen Jugendanwalt, hätte die Welt nie von Carlos erfahren.

Vier Milliarden haben wir der EU schon bezahlt, fünf Milliarden seien noch geplant.
Wir erkaufen uns dafür Vorteile, welche ansonsten nur Mitglieder vorbehalten seien. Dies die Antwort des Bundesrates auf eine Anfrage von Ständerat Thomas Minder.
Es fliesse auch Geld zurück, aber dies sei schwer bezifferbar, über alle möglichen Fonds, Trusts, na ja sie wissen, das ist alles ein bisschen kompliziert, aber das Wichtigste ist, dass die Zukunft des Landes gesichert ist.

Über Geld sprachen auch ganz wichtige und reiche Leute an den 10. Wirtschaftsimpulsen in Schaffhausen. Frau Widmer-Schlumpf zum Beispiel. Leider sprachen sie am Freitag, musste ich arbeiten, aber ich bin ja auch nicht die angesprochene Clientel, von Geld verstehe ich nichts. Ich muss es einfach heranklotzen, damit Leute damit arbeiten können, welche an sich nicht so gerne arbeiten.
Und darum stehen sie am Freitag mit dem Cüpli, es gab auch Eisspeisen, vor das Stadttheater und tauschen sich aus. Jean-Claude Biver hätte ich allerdings noch gerne gehört. Sieht aus, als hätte Gerd Fröbe mal was mit Schweinchen Dick gehabt, aber in seiner Art Dinge zu erklären liegt was faszinierendes und obwohl er ein blöder Kapitalist ist, ziehe ich meinen Hut vor seinen Leistungen.
Allerdings, wer die Kohle und etwas Glück am Hacken kleben hat und zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann gut referieren, wie gut unsere derzeitigen Chancen stehen und was man zu tun hat. Die Leute fressen einem aus der Hand, denn er ist ein Selfmade-Millionär, der weiss wie es läuft.
Wann wurde ihnen zum letzten Mal eine Uhrenmanufaktur für 20’000 Riesen angeboten?

Das Weinland will keinen Atommüll.
Ja, nur noch am Rande, aber man debattiert immernoch über diesen Schrott. Und ich schreibe immernoch über diesen Schrott.
Also es ist nicht so, dass sie ihn nicht wollen, aber das Weinland eigne sich einfach nicht. Ein Anlage dieser Grösse würde die intakte Landschaft stören, es gäbe nichts vergleichbares und die Bauordnung liesse dies schon gar nicht zu.
Eigentlich sucht man nur noch den Satz; Die Gemeinderäte bedauern es sehr, aber…

Beinahe zeitgleich möchte die texanische Firma eCorp International in Humlikon nach Erdgas bohren, mit offenen Armen werden sie empfangen. Gesetzt der Fall, das gasförmige Gold würde strömen, ich wäre sehr neugierig, ob eine Anlage dieser Grösse die intakte Landschaft stören würde und es nichts vergleichbares gäbe, ganz zu schweigen von der Bauordnung, welche dies gar nicht zuliesse.erdgas-foerderungUnd mit einer merkwürdigen Antwort, so gelesen in der heutigen SN, beschliessen wir die Presseschau.

Der Stadtrat bestätigt, dass in in Herblingen genügend Schulen vorhanden seien, dem Bevölkerungszuwachs genügen und keine Ausbauten notwendig seien.
Es muss nur eine Primarklasse ins Stadtzentrum verlegt werden, eine Schulküche würde in ein Klassenzimmer umgebaut und neue Gruppenräume müssen erstellt werden.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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