Einmal Eckzahn schleifen, bitte

Was man dem Pikettdienst zugute halten kann ist, dass ich die Tage ordentlich produktiv nutze.
Was schon wieder Pikett? Ich weiss, das war doch erst vierzehn Tage her, auch in meinem bescheidenen sozialen Umfeld stosse ich mittlerweile auf Misstrauen und die Leute nehmen es persönlich, wenn ich sage ‚Klar kann man in’s Kino, wie siehts bei dir in drei Wochen aus?‘.
Immerhin zahlt es sich aus. Nehme ich an, die Abrechung ist sehr unübersichtlich und mich interessiert Geld einfach zu wenig, um genau Buch zu führen. Dies lässt nun mein Schreiben an die Steuerverwaltung in einem merkwürdigen Licht erscheinen. Doch hier geht es nicht darum, dass ich das Geld nicht hätte, es ist eine prinzipielle Sache. Ich gebe gerne Geld aus, bin in der glücklichen Lage den Rappen nicht fünfmal wenden zu müssen, aber was der Staat am schuldenfreien Arbeiter betreibt, grenzt an Raubrittertum, sprich; Wenn ich Geld ausgebe, möchte ich einen Gegenwert sehen und diesen erkenne ich nicht immer in vernünftigen Ausmass bei dieser Institution. Zumal nebst den Steuern dennoch jede Dienstleistung seperat verrechnet wird und ich keine Institution – Schule, Sozialamt, etc – in Anspruch nehme. Aber was solls, das Aufsetzen des Schreibens machte einfach Spass und ich hoffe die Steuerbehörde kann auch etwas schmunzeln.

Beim produktiven Nutzen des Pikett-Tages waren wir. So kaufte ich ein, putzte meinen Wohncontainer, wusch meinen Familienwagen und war beim Zahnarzt.Wuselt Euer Dr.med.dent. jeweils auch so um die Theke?
Grundätzlich war ich nur zur Zahnreinigung in der Praxis.
Oh, die Bilder sind schon zwei Jahre alt, wir müssen röntgen.

Katsching (Kassenklingel)

Und schon wird mir eine Bleischürze über meine Innereien und mein Gemächt gelegt. Während also meine Geschlechtsteile hübsch geschützt sind, werden mir Röntgenstrahlen in den Kopf geschossen. Aber da darf man sich nicht gross Gedanken machen, ich hielt brav still und als die Frau Dentalhygienikerin mir die vollgesabberte Platte aus dem Mund zog, dachte ich mir, dass durchaus auch Damen und Herren in weissen Mäntelchen einen Drecksjob haben können.
Dann erhielt ich die übliche Standpauke betreffend mangelndem Einsatz der Zahnseide, wurde nach hinten gekippt und sie legte los. Es war der letzte Tag vor den Ferien, erklärte sie mir, ich quittierte mit gurgeln und sie beeilte sich, den Saugrüssel wieder aus meiner Kehle zu ziehen. Daraufhin beschloss ich, die Konversation einzustellen.
Was mir so alles oral eingeführt wurde kann ich nicht sagen, etwas spritzte mir aus dem Mund über mein ganzes Antlitz, dass ich gezwungen war die Augen zu schliessen.
Grundsätzlich mag ich die Zahnreinigung. Ausser dieser Flex-Trennscheibe. So fühlt sie sich jedenfalls an und die Ultraschall-Geräusche lassen mich beinahe die Wände hochgehen. Dass sie dabei an meinen freiliegenden Zahnhälsen auf dem blanken Nerv rumbohnert ist das kleinere Übel.
Während ich so ausgeliefert da liege, schneit die Dental-Assistentin mit meinen Röntgenbildern herein. Aus früheren Zeiten sind wir gut bekannt und schielend hoffte ich auf ein Daumen hoch, bezüglich des fotografischen Abbildes meines Gebisses. Nicht eines Blickes wurde ich gewürdigt, ich wurde leicht panisch und befürchtete das Schlimmste. Ich glaube ein Loch im Zahn ist behandlungstechnisch kein Weltuntergang, es fehlen mir Erfahrungswerte, doch gerade deswegen ist es eine Frage des Stolzes.
Während die Dame mit einer Metallseite in meinen Zahnzwischenräumen rumfegt, kriege ich vom Augen verdrehen beinahe Kopfschmerzen. Doch keine Chance einen Blick auf die Bilder zu werfen.
Endlich durfte ich ausspucken. Als ich mich aufrichtete, drehte sie die Bilder zur Seite, dies ist ja schlimmer als die Verkündung eines Gewinners im Fernsehen.
Beim Anblick, was da an Blut und anderen Dingen aus meinem Mund im Ausguss verschwand, erschrak ich doch etwas und überlegte, ob mir der gebleachte Kai Pflaume in seinem Oral-B-Werbespot einen Bären aufgebunden hat. Doch die behandelnde Dame meinte, dies sei ganz normal, sie wäre zufrieden, nur eben die Zahnseide…
Trotzdem waren die Bilder noch zur Seite gedreht, als sie mich zur Politur meiner Beisserchen wieder flach legte.

Wieder ausspucken, die nächste Chance. Ich griff einfach zu, drehte die beleuchtete Photowand zu mir, setzte eine Dr. House-Mimik auf und verglich die neuen Bilder mit den Alten. Ziemlich identisch, bis auf zwei kleine schwarze Punkte. Ich kratzte auf dem Bild und stellte fest, dass sie mit genug Grübeln entfernbar wären. Bevor ich die fotodokumentarische Darstellung meines Gebisses – eine schöne Identifikation übrigens, meint der Arzt – ganz zerfledderte wurde sie mir abgenommen, es sähe ganz gut aus.
Aber der Arzt kontrolliere beim nächsten Mal nochmals. Ein weiteres Mal sei eine Zahnhalsversiegelung notwendig und die übliche Standpauke bezüglich meiner überaus kräftigen Schrubb-Bewegungen mit meiner Oral-B.

Zahnärzte haben einem schon im Griff. Er kann sagen was er will, man muss es ihm glauben. Und machen lassen. Und bezahlen. Denn wenn nicht, wird es schlimmer. Und teurer. Halbgott in Weiss eben.
Gebe ich einem Kunden meinen fachlichen Rat, hat er mindestens fünf Kollegen, welche es besser wissen und 9 Kollegen, welche es günstiger machen.

Nun gut, freue ich mich auf den November und die zahntechnische Laserbehandlung. Mit Laser die Zähne reinigen, das ist High-Tech, das kommt von einem anderen Stern, da kann er verlangen was er will.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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