Er ist zurück, Terminator Genisys

Er hat es wiederholt angedroht und er ist zurück. Zum vierten oder fünften Mal. Davon abhängig, ob man Salvation als Teil der Terminator-Reihe betrachten will. Terminator Salvation war als Start einer Trilogie gedacht, welche so nicht zustande kam.
Wir danken dafür. Nicht, dass der Streifen im Grundsatz schlecht wäre, aber dem Film fehlt ein gewichtiges Element. Arnold Schwarzenegger.

Schwarzenegger hat in seiner Paraderolle nur wenig mehr Text als Chewbacca, in Sachen Mimik steht er auf einer Stufe mit einer sehr emotionalen Kristen Stewart und dennoch wäre Terminator ohne die steirische Eiche einfach nur ein pre-und-post-apokalyptischer Roboter-Film.

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Der ein oder andere Filmfehler hat sich eingeschlichen, aber dies fällt wohl nur den Nerds, den Fans der ersten Stunde auf. Diesen Typen eben, welche einem seitlich anstupsen und im Flüsterton unter permanentem Pop-Corn-Spucken erklären, dass diese Zeitreise Humbug sei, weil der Nubex doch im Quadranten Xelyphon auf der Achse des Nibus liegen müsse und nur dann, wenn überhaupt…
Ich würde mich als Terminator-Fan bezeichnen, seit ich vor 23 Jahren den ersten Teil (Terminator – 1984, James Cameron) sehen durfte. Bei einem Kollegen ab VHS-Kassette. Heimlich. Die gekürzte Version, so ich mich richtig entsinne.
Die Story kurz umrissen: Im Jahre 2029 hat Skynet, ein Computersystem, die Herrschaft über die Erde übernommen. Durch einen Nuklearkrieg wurde der Grossteil der Menschheit dahin gerafft. Eine Gruppe Überlebender unter der Führung von John Connor leistet Widerstand. Solcher erbitterter Widerstand, dass Skynet beschliesst, einen Terminator in das Jahr 1984 zu senden und John Connors Mutter zu ermorden, bevor der kleine Revoluzzer das Licht der Welt erblickt. John Connor seinerseits sendet den Soldaten Kyle Reese hinterher, um Sarah Conner zu beschützen.
Richtiges achtziger Jahre Action-Kino. Gedacht als B-Movie mit Mini-Budget. Reduziert auf das Essenzielle, was das Genre definiert. Schiessen, prügeln, bluten, töten. Es brauchte keinen Witz, ein Minimum an Sex und das Skript musste die Kernelement lediglich in eine sinnvolle Reihenfolge bringen.

Termintor 2 (Terminator 2: Judgement Day – 1991, James Cameron) darf und muss man als cineastischen Meilenstein respektieren. Mit einem Budget von über 100 Millionen, damals eine astronomische Summe für eine Filmproduktion, wurden Special Effects neu definiert. Dem Zeitgeist des neunziger-Kinos entsprechend, wurde der Terminator neu aufgelegt. Mit der Auflage in der direkten Konfrontation keine Menschen zu töten, mimte Arnold Schwarzenegger zum ersten Mal die Maschine mit Herz. Oder zumindest mit einem gewissen Grundverständnis von Moral.
Wo das Gute ist, braucht es natürlich auch das Böse. So durfte Robert Patrick als Kampfmaschine aus flüssigem Metall in menschlicher Gestalt das veraltete Terminator-Modell verkloppen.

Terminator 3 (Terminator 3: Rise of the Machines – 2003, Jonathan Mostow) ist definitiv Action-Kino des neuen Jahrtausends. Es braucht Witz, Moral, weniger Gewalt und einen erhöhten Frauenanteil. Auch in der nuklear verseuchten Zukunft kommt man um die Frauenquote nicht herum. So baut Skynet einen weiblichen Terminator, welcher sich mit dem in die Jahre gekommenen Modell Schwarzenegger über die Leinwand prügelt. Ich möchte nicht behaupten, der Film wäre schlecht. Es ist wie mit James Bond. Man mag die Filme mit Daniel Craig, doch wohnt der Geist des britischen Geheimagenten nicht mehr inne. Und wenn ich daran denke, dass um der politischen Korrektheit halber bereits ein schwarzer James Bond im Gespräch ist, haftet diesem Bestreben, bei aller Toleranz, der Dunst von Blasphemie an.

Terminator Genisys. Das Grundkonstrukt wurde nicht neu geschrieben. Im Gegenteil, in der Verknüpfung mit dem ersten Teil erkenne ich Züge einer gelungenen Hommage. Die Darstellung des jungen Schwarzeneggers legt beinahe erschreckend Zeugnis ab, dass Computer-Technik Akteure ersetzen könnte. Zumindest so sich Schauspieler in brachialen Prügeleien und weniger durch mimische Glanzleistungen in Szene setzen müssen. Schwarzenegger, stolze 68 Jahre, hat den klassischen Terminator über seine politische Auszeit hinweg bewahrt und präsentiert die in die Jahre gekommene Maschine in gewohnter Manier. Die Bewegungen stets leicht mechanisch, gefühllos und nüchtern berechnend, stets bereit mit dem Kopf durch eine Stahlwand zu rennen, so dies den kürzesten Weg darstellt.
Wie bereits in Terminator 2 begleiten Story und Darsteller den Zuschauer an diesen Punkt, wo er beginnt für diese Zerstörungsmaschine Mitgefühl zu entwickeln. Man weiss, dass er sich ohne Rücksicht auf Verluste bis zur letzten Schraube für die Schutzbefohlenen aufreiben wird. Man erwartet, dass er dies tut, leidet mit wenn er zwangsläufig Stück für Stück zerlegt wird. Und man hofft, dass diese lädierte todbringende Maschine, dieses freigelegte metallene Endoskelett irgendwie überlebt. Da einem alle vorangegangene Filme hinsichtlich dieses kindlichen Wunsches entäuscht haben, möchte man beinahe wünschen, dass die nukleare Zerstörung nicht abgewendet wird und Skynet immer und immer wieder einen T-800 in unsere Zeit senden wird.

Terminator 2 ist die Legende des Filmschaffens. Terminator (1) das unverzichtbare Fundament für diesen Meilenstein. Terminator 3 war ein entbehrlicher Lückenfüller. Terminator Genisys würde ich mit dem Film Rocky Balboa vergleichen. Ein würdiger Abschluss einer grossartigen Filmreihe, eine Hommage an ein Stück Filmgeschichte, an einen unverwüstlichen Schauspieler des 80er-Jahrekinos.
Ein unterhaltender Film, welcher den klassischen Terminator-Fan, wie auch den Gelegenheitskinobesucher bestens bedient.

Off Topic.
Viele Stars erkennen nicht, wann ihre Zeit gekommen ist. Sie ihre Zeit überschritten haben. In etwa ein Steven Seagal. Schon die Filme der achtziger und neunziger hatten einen unangenehmen Fremdschäm-Faktor. Heute kann man bestenfalls die Kameramänner loben, welche stets bemüht sind, Seagals ordentlichen Bauch aus dem Bild zu halten, während dieser nach wie vor versucht, mit fernöstlichen Kampfeinlagen böse Buben dingfest zu machen.
Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger haben es geschafft, sich in das neue Jahrtausend zu retten. Sie versuchen sich weder in peinlichen Komödien, noch in klassischen Ein-Mann-Armee-Actionfilmen. Ihrem Alter Rechnung tragend spielen sie angepasst in ihren klassischen Rollen, lassen den Zuschauer mit einem zwinkernden Auge in die Achtziger schauen, ohne dabei das Filmschaffen dieses Jahrzehnts ins lächerliche zu ziehen. Sie brauchen weder das Geld noch den Ruhm, sie drehen Filme, weil das ihre Passion ist. Vielleicht bin ich alt, etwas nostalgisch wehmütig, doch behaupte ich, dass in punkto Unterhaltung die Altstars mit ihrem nicht ganz ernstgemeinten Actionkino manchen verbissenen Jungspund im Schatten stehen lassen.

 

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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