Falling down

Diese Tage, wer kennt sie nicht. Wenn du den Wecker überhörst und beim hektischen Aufstehen den kleinen Zeh dynamisch um den Bettpfosten wickelst weisst du, es ist solch ein Tag.
Ein Tag an welchem einfach nichts mehr gut gehen kann. Die kleinen Sachen, wie der volle Kapselbehälter an der Nespresso, der überfüllte Eimer in welchen du die Kapseln entleeren willst oder der leere Wasserbehälter wenn die Tasse 1/4 voll ist mögen noch unbedeutend sein, aber man muss es als ganzes sehen. Natürlich brauchst du eben die letzte Kapsel um gleich danach die Mail zu erhalten, dass deine nachbestellten Kapseln nächste Woche eintreffen werden.
Weiterführend rennst du die Treppe deines Hauses sieben mal hoch, da du permanent eine Kleinigkeit vergisst, deren Summe dazu führt, dass du mit übersetzter Geschwindigkeit zur Arbeit fährst, was dir der Radarkasten erhellend bestätigt. Ist man nicht mit einem Bürojob und gleitender Arbeitszeit gesegnet, gerät durch dein verspätetes Erscheinen natürlich dein ganzer Tagesplan etwas durcheinander. Zumindest verläuft er etwas hektischer, der Blick in den Terminplan offenbart, dass da nicht viel Luft zum Blumen pflücken bleibt. Da hat es der Jugo nebenan schon etwas einfacher. Sein Plan beinhaltet in etwa 4 Stunden Abfall entsorgen und 4 Stunden nichts. Da eröffnet er schon einmal gemütlich sein Online Kartenspiel.
Oh, nicht dass ich ihm dies missgönne; an seiner Stelle fühlte ich mich etwas unterbeschäftigt und hätte in schlechtes Gewissen dem Chef gegenüber. Braucht er nicht zu haben, denn alle zwei Tage wird ihm auf die Schulter geklopft und bestätigt, was er für ein immens wichtiger Mitarbeiter sei, und die Spuren welche er hinterlässt aus purem Gold seien welche es nur noch aufzuheben gilt. Ein gemütliches Plätzchen hat er sich erarbeitet. Man muss nur etwas unflexibel sein, exklusiv für einen Kunden arbeiten bei dessen Rechnungen ein Deckungsbeitrag von 98% herausspringt und gelegentlich den Seniorchef mit Gattin zum Essen zu laden.
Könnte ich ja auch, nur habe ich keine Gattin und ein Essen zu dritt ist doch merkwürdig. Des weiteren, wohin laden? Da man in meinem Gehütt von Oktober bis März in der Daunenjacke speisen muss, da einem trotz horrenden Heizgebühren der kalte Wind um die Ohren pfeift ist dies wohl kaum der geeignete Platz. Ausziehen? Klar, könnte ich. Wozu?
Denn eigentlich will ich gar niemanden laden.
Nicht einmal Mutti, welche noch nie in meiner Hütte war und das ist auch gut so; Stand sie doch kürzlich klingelnd vor der Tür, um mir danach eine SMS zu senden ‘Hesch mich nid wele inelo’. Ist schon so, was will man machen. Die Vorteile eine Tür eben.
So geht der Tag weiter, die Laune im Keller. Arbeiten schüttet keine Endorphine aus und da ich im Moment eine Low-Carb-Diät mache scheidet Schokolade als Glücklichmacher aus, was mich unterm Strich bestimmt zu einem äusserst angenehmen Zeitgenossen macht. Was heisst eigentlich im Moment? Meine letzten 10 Jahre sind eine beschissene Diät. Mal konsequent, mal fahrig, aber permanent das schlechte Gewissen im Nacken. Gesegnet sei unser Leben im Überfluss.
In diesem Stil weiter kriecht man beim ersten Kunden unter dem Tisch, beim zweiten klettert man auf das Dach und beim dritten scheinen dem Gestank nach zu schliessen in der Wohnung sieben Hunde verrendet zu sein. Da kommt der Gedanke, ein paar beschissene Jahre mehr Schule und andere würden kriechen. Verdammt seien die Lehrer, welche mir laufend auf die Nase packten, was für ein beschissner Schüler ich sei. Kuschelpädagogik für’n Arsch, aber ein bisschen Motivation muss nicht mal verkehrt sein. Nun denn, so krieche ich also im Dreck und der fette Jugo übt sich online im Kartenspiel. Das ist Schweiz.
Und diese Anrufe. Verdammt seien die Handys im Geschäftsalltag. Privat möchte ich es nicht missen, aber was inkompetente Sesselpupser und andere Idioten einem den ganzen Tag fragen; Dinge welche keinen Aufschub erdulden, so z.Bsp. ob wir noch genügend Schrauben an Lager haben oder ob morgen wohl die Sonne scheint. Für jeden Quatsch wird durchgeklingelt, wohl nur um etwas Kontakt zur Aussenwelt zu halten. Den ganzen Tag hübsch im Trockenen, hübsch im Warmen. Zu meiner Unterstützung. Damit ich mehr im Nassen, länger im Kalten sein kann um die Knete anzuschaffen.
Am Abend kommst du nach Hause und wie immer stehen irgendwelche Karren im Weg, welche verhindern, dass ich vernünftig meinen Parkplatz anfahre. Meine Wenigkeit erhielt von der Gemeinde schon ein Schreiben, ich solle das parkieren an der Strasse unterlassen. Sind wohl nicht alle gleich im Dorf. So zirkle ich jeden Abend vor und zurück, links und rechts; Schäumend vor Wut. Eines Tages werde ich meine bescheidene Musikanlage aufdrehen und auf deren Wagendach den Michael Flatley geben.
Ist man zuhause, sortiert man die Rechnungen vom Otto’s Katalog und der überteuerten Tageszeitung, darüber nachdenkend, warum man nicht gleich jeden Abend den Briefkasteninhalt gleich draussen bündelt und an den Wegesrand stellt.

Unschwer zu erkennen, meine Laune ist gerade etwas mies. Aber zumindest habe ich was zu schreiben. So alles in allem mache ich je länger je mehr den weiblichen Part meiner Erzeuger für mein verkorkstes Leben verantwortlich, liegt eigentlich auf der Hand. Mein Vater versuchte nur noch die Kohlen aus dem Feuer zu holen. So trage ich mich auch mit dem Gedanken die sonnenbeschienene Wonneproppen-Kindheit in der ach-so-lustigen Patchworkfamilie schriftlich festzuhalten. Wird wohl der Bestseller meines Blogschaffens. Geschichten die das Leben schrieb eben.

Aber, wollen wir nicht vergessen; Da gibt es doch einen Sonnenschein, welcher immer wieder einen Streifen Licht in den Tag sendet und einen gewissen Glanz auf jeden Tag wirft.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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