Flatternde Mitbewohner

Diese Woche komme der Sommer, hat es geheissen. Nicht so wie letzte Woche, vorletzte oder vor einem Monat, wo dies ebenfalls prophezeit wurde, diese Woche ganz sicher. Gut, vielleicht mit einem Kälteeinbruch am Freitag, aber er komme ganz sicher.

Es ist ja nicht so, dass ich die Hitzemonate herbeisehne, ganz zu schweigen von dem langweiligen Alltagswetter, aber letztendlich habe ich bald ein halbes Jahr auf diesen Bademoment hingearbeitet und zumindest hier würde ich gerne die Früchte meiner Arbeit, manifestiert durch eine ordentliche Arschbombe ins kühle Nass, pflücken.

Einher mit dem ach so tollen Wetter und über zwanzig Grad in meinem Wohnklo im Allgemeinen und der Schlafhöhle im Besonderen gehen abendliche Besucher auf zwei oder zwanzig Beinen, man sieht das ja nicht so genau, beflügelt und penetranter als Muttis Anrufe vor meinem Wiegenfest.
Der Nachtfalter, welcher sich von meiner künstlichen Beleuchtung angezogen fühlt. Woher dies befremdliche Bestreben rührt, daran scheiden sich die Geister, zumindest meine bescheidenen, es geht das Gerücht, der fliegende Trottel werde vom Mond angezogen und meine Jumbo-Beleuchtung stehe im direkten Konkurrenzkampf mit unserem Erdtrabanten. Gegen den Mond fliegen zu wollen; Es würde meinen Eindruck bezüglich Intelligenz dieser Ekelviecher nur bestätigen.
Hängen um den Fensterrahmen am Mauerwerk, öffne ich diese Lucke und versuche sie mit energischen, wegweisenden Schlägen gen Himmel zu prügeln, flüchten sie ins Wohnungsinnere. Selbst wenn dieses zappenduster ist und draussen die Wölfen den taghellen Mond anheulen.

Ich bin Tierfreund, neige gar ins Extreme. Der Typ, welcher der halbtoten Wespe einen Löffel Honig hinlegt, wohl wissentlich, dass diese, sobald wieder bei Kräften, bei der nächsten Gelegenheit mit Spiessgesellen wiederkehrt und mir ihren Stachel ins Fleisch rammt. Eine Fliege kann mich über eine Stunde terrorisieren bis ich es auch nur in Erwägung ziehe, ihr mit einem gezielten Klapps den Garaus zu machen. Das Traurige, diese dummen Viecher wissen es nicht zu schätzen. Sie registrieren nicht, dass meine wiederholten Versuche, das Vieh zu verscheuchen in keiner Art und Weise eine Einladung ist, nach einer galanten Kurve wieder auf meiner Nasenspitze zu sitzen. Eigentlich wollen sie ja erschlagen werden, es ist die einzige Sprache, die sie verstehen.

Erschlagene Falter, dies haben sie mit Stechmücken gemein, haben leider die schlechte Eigenschaft, einen hässlichen Fleck am Mauerwerk zu hinterlassen. Vielleicht ein Ammenmärchen, aber als Kind wurde mir gelehrt, dass der Staub auf den Flügeln ein elementarer Bestandteil der Fähigkeit zu fliegen sei. Also will man möglichst behutsam dieses eklige Flatterding nach draussen geleiten, klettert mit Glas und Papier auf der Spühle rum. Stülpt das Glas über den Falter, schiebt das Papier zwischen Rand und Mauer, ohne eines dieser hässlichen, spinnenartigen Beinchen abzuscheren und versucht dabei nach Möglichkeit, beim Tänzeln um das Schmutzgeschirr nicht von der Theke zu gleiten und sich den Hals zu brechen.
Es wäre so einfach, mit meinem Electrolux Ultraperformer. So schnell und schmerzlos. Ganz teuflisch entzündete ich auch schon eine Kerze, auf die Dummheit bauend, das Vieh sucht das Licht und geht in Flammen auf. Klappt auch nicht, es verhöhnt mich und die Ikea-Duftkerze von seinem sicheren Sitz aus.

Hat man das Ding im Glas, bringt man es vor das Fenster und klemmt sich in der Zehntelsekunde zwischen geschenkter Freiheit und schliessen der Lucke gewiss die Finger ein, oder schmeisst zumindest sein Coop-Trophy-Kristallglas auf den Vorplatz raus. Versteht sich von selbst, dass das Viech bis dahin bereits wieder in der Wohnung ist. Ich stelle die Behauptung auf, die haben längst in einer Ecke einen Insektengrossen Tunnel geschaffen, ausgelegt mit Fernbedienungen, Feuerzeugen, Socken, Schlüsseln und was sonst in einem Haushalt auf unerklärliche Weise verschwindet. Worin die Motivation liegt, sich in meiner Baracke einzunisten, wissen die Götter, es hockt ja nur am Mauerwerk.

Natürlich, wenn es nur niedlich und unschuldig am Mauerwerk klebt, kann man sich fragen warum es mich nervt. Es ist die Vorstellung, was es macht, wenn ich nicht hingucke.
Flattert es nachts in meinen Mund?
Krabbelt in meine Brotkiste und legt irgendwelche Eier ab, mikroskopisch klein, so klein, dass ich sie arglos esse, sie in meinem Magen dann eine unbeschreibliche Wandlung vollziehen und kleine Larven durch meinen Körper kriechen?
Nisten sie sich irgendwo ein, füllen die Ritzen und Spalten mit in den eigenen Exkrementen gezüchteten Superraupen, welche sich selbst durch Konservendosen fressen?
Vergiften mich allmählich und kontaminieren meine Slumbaracke und das nur, weil ich gedacht habe, die machen ja nichts, sitzen nur unauffällig auf dem Mauerwerk.

Nicht mit mir. Zudem sind sie einfach eklig und das Geflatter äusserst nervig.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
Dieser Beitrag wurde unter Vom Leben und gelebt werden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.