Geschichte deines Lebens

Seid Ihr noch dabei?

Der neueste Clou, und ein rotes Tuch für Datenschützer, ist ja die Timeline.
In erster Linie werden eure entfernten Kommentare wieder eingefügt, ‘gelöschte’ Bilder hervorgekramt und der versehentliche Klick auf “Gefällt mir” bei Beate Uhse wird ebenso reaktiviert.
Die ganze Geschichte in einer schönen, ihr erratet es, zeitlichen Abfolge. Begonnen beim ersten Status “Hallo, ich bin auch hier” bis hin zu “Juhuu, W-Lan im Altersheim”.

Die Reaktivierung der alten Beiträge macht durchaus Sinn.
So animiert man die facebook-Muffel, sich endlich mal wieder mit der Plattform auseinanderzusetzen. Ein bewährter Trick, ähnlich der kürzlichen Neuerung “Kontrolliere welche Mails du von facebook erhälst”. Wirkt auf den ersten Blick sehr angenehm, dein elektronischer Briefkasten wird nicht zugemüllt, auch wenn noch 645 weitere Benutzer bei dem Video des Urin trinkenden Affen auf “Gefällt mir” klicken.
Allerdings erhälst du auch keine Meldung wenn Dir jemand an die Pinnwand schreibt, daher loggst du dich automatisch öfters ein; Nur so bist du auch empfänglich für die Werbung und dies ist ja der Sinn und Zweck von facebook.

So wirst du also eines Tages nach dem Einloggen die Timeline zur Weiterverwendung von facebook akzeptieren müssen und erhälst ab diesem Moment sieben Tage Zeit, dein Konto von unliebsamen Beiträgen zu reinigen. Sind diese verstrichen, ist deine Vergangenheit in Granit gemeisselt.

Finde ich ehrlich gesagt noch witzig. Man stelle sich die armen Nutzer vor, welche seit Jahren ihre Pinnwand unaufhaltsam füllen; Hier ein Gefällt mir, da ein Kommentar, hüben ein Video und drüben ein Bild. Zwanzig Interaktionen von dir, und deinen “Freunden” in deinem Namen, pro Tag über drei Jahre hinweg macht nach Adam Riese 21900 zu löschende Beiträge, so du einen Neustart willst.
Dazu wird jede Löschung eine Bestätigung inklusive Setzen eines Häkchens erfordern, nicht dass du aus Versehen noch deine Pinnwand leerst.
Wir sind also bei 65700 Klicks um deine virtuelle Lebensgeschichte zu tilgen.

Gelegentlich ein Neustart, wegen Überlastung des Systems…
Entweder vernachlässigt man die Arbeit etwas, über 9300 Klicks pro Tag erfordern Einsatz, oder es wäre ein guter Moment sich mit dem Einsatz von Makros auseinanderzusetzen.

Der Zuckerberg ist schon ein Fuchs, Hut ab. Zudem, den Aufschrei der Datenschützer kann ich nicht nachvollziehen. Jeder entscheidet selber, was er mit der Welt teilen will, niemand greift auf fremde Festplatten zu. Wer sich beim Bepinkeln des Chefe’s Mercedes fotografieren lässt und das Bild auf facebook stellt braucht keinen Datenschützer sondern eine Portion gesunden Menschenverstand.

Des weiteren, personalisierte Werbung; Immer her damit!
Gucke ich RTL oder Sat 1, wird mir Werbung für geflügelte Hygieneartikel und Waschmittel um die Ohren gehauen. Tausend Dinge, welche ich nicht gebrauchen kann. Klick ich mich bei facebook rein, erhalte ich gefilterte Werbeanzeigen von Schnäppchenhotels in meiner bevorzugten Ferienregion oder Hörbuchvorschläge von meinen Lieblingsautoren und schon hat man ein Weihnachtgeschenk gefunden.
Ein toller Service!

Nun, meine Wenigkeit hat schon letzte Woche bei facebook den Austritt gegeben.
Eine rührende Aktion; Es erscheinen Bilder von selten bis nie kontaktierten “Freunden” welche sehr entäuscht sein werden wenn du jetzt gehst.
Die Entäuschung meiner 78 (ihr könnt das Lachen wieder einstellen) Freunde hielt sich etwas in Grenzen. Gerade mal zwei haben bisher bemerkt, dass ich nicht mehr dabei bin.
Aber darum geht es nicht. Im realen Leben komme ich auf kaum die Hälfte Bekannte und mit den etwa zehn Freundschaften welche ich pflege, kann ich gut auch via Handy Kontakt halten ohne dass mich die Rechnung ins Armenhaus treiben wird.
Der ganze Rest meines “sozialen Netzwerks” hat sich über die Jahre so angesammelt, wie Garantiescheine in der Schreibtischschublade; Man wird sie nie brauchen und dennoch behält man sie.
Das Ansehen von tollen Ferienfotos und youtube-Videos, das Ablehnen von FarmVille und HappyTown-Anfragen und Beglückwünschen zu Statusänderungen ist irgendwann auch nicht mehr so unterhaltsam, die Sache wurde nur noch lästig; Es war einfach eine Konsequenz, nichts persönliches.

Das Leben ohne facebook ist weder langweiliger noch spannender, es geht einfach weiter. Man klappt vielleicht das Notebook mal etwas früher zu, oder etwas weniger auf.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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