Griechenland für Dummies

Für Dummies, weil ich selber einer bin und zu meinem besseren Verständnis Dinge gerne niederschreibe. In meiner unendlichen Grosszügigkeit teile ich meine Erkenntis auf ‚Hier kommt die Maus‘-Level gerne mit der Mitwelt. Ohne 100%-Gewähr auf die tatsächliche Grösse des Fallschirms.

Für natürliche Personen, des Jonglieren mit fremden Geldern unkundig, ist die Griechenlandkrise eine eher undurchsichtige Geschichte.
Krise, für wen überhaupt? Gewiss nicht für die Griechen. Ich komme nicht umhin zu fragen, sind die Hellenen entsetzlich faul, etwas dümmlich, furchtbar gewitzt oder etwas von allem?

Festhalten kann man, sie haben die Eurozone dazu gebracht, einen toten Gaul zu reiten. Dies mag nicht die grosse Kunst sein, da die EU als solches eigentlich gar kein eigenes Geld hat und daher äusserst grosszügig mit den angeforderten Mit- und Nichtmitgliederbeiträgen umgeht, dennoch möchte ich den griechischen Premierministern – die haben übrigens ein Halbwertszeit von ungefähr 5 Monaten – ein Kränzchen winden.griechenland-fallschirm

Wir sind etwas abgestumpft. Eine Million war einst ein unermesslich grosser Batzen, eine Milliarde kannte man nur als Poolinhalt des reichen Erpels in Entenhausen. Heute werden täglich dreistellige Milliardenbeträge durch die Welt geschaufelt, nur ein Narr glaubt, dass diese Geldmenge in irgendeiner Form durch einen realen Gegenwert gedeckt ist. Von diesem System hat man sich schon vor geraumer Zeit verabschiedet, weil die Welt schlichtweg nicht mehr funktionieren würde. Das Privileg Geld zu drucken besitzen nicht viele, Geld schaffen kann aber eigentlich jede Bank. Daher kommt man nicht nur vom Gegenwert des Geldes weg, wir schaffen das greifbare Geld komplett ab.
Giralgeld nennt sich dies. Ganz kurz erklärt; Ich baue ein Haus, brauche dazu von der Bank 400’000 Franken. Als Pfand gebe ich mein Haus, meine Seele und taufe den Erstgeborenen Sergio oder so. Um die Geldproduktion nicht absurdum zu treiben, muss die Bank bei der Nationalbank einen symbolischen Batzen in Real-Wert hinterlegen. Einen Goldbarren in etwa. Dieser beträgt bei meinem Häuschen ungefähr 8000 Franken. Dafür ist die Bank nun um 392’000 Franken reicher, welche sie mir wohl übergeben hat, diese jedoch mit Gewinn (Zinsen) zurück erhält. Geld aus dem Nichts.

Soweit die Basis; Was ist denn nun in Griechenland los.
Heute las ich, dass der Eurorettungsfonds (ESM) 7,5 Milliarden Euro nach Griechenland sendet. Um einen Kollaps zu verhindern, wenn die Rückzahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB) fällig werden.
Dies machte mich stutzig. Für den Normalbürger liest sich dies in etwa so; Die EU gibt den Griechen Geld um ihre Schulden bei der EU zu bezahlen. Und dies, obwohl die EU als solches eigentlich gar kein Geld hat. Ein goldenes Nienewägeli mit silbernem Nüteli inneliegend wird auf dem Kontinent im Kreis geschoben.
Und was zahlen die Griechen hier überhaupt zurück? Da war doch mehr Geld im Spiel?
Richtig, 226,88 Milliarden Euro. Und weil dies irgendwie noch nicht reicht, man die Griechen aber unbedingt im Euro-Boot halten will, hat man ihnen nochmals 86 Milliarden Euro versprochen. Man hält jedoch seit Ende letzten Jahres noch den moralischen Finger auf dem Kässeli, weil Griechenland mit versprochenen Reformen ein wenig im Rückstand ist.

Aber sie bemühen sich sehr mit der Umsetzung, daher als Zustupf diese 7,5 Milliarden. Sie haben Gesetze verabschiedet und sind sehr zuversichtlich. Greifen müssen dies erst im Jahre 2018, bis dahin kann man noch viel Sahne vom Eurotopf abschöpfen. 2,8 Milliarden kommen im September.

Der Durchschnittsbürger hat schon längst den Faden verloren.
Warum ist es eigentlich so wichtig, dass Griechenland im Euroraum verbleibt?Wegen des Geldes. Also nicht das Geld der Griechen, die haben ja keines, aber das Geld aller Investoren, welches nun in Griechenland liegt.

Warum Griechenland überhaupt in die Euro gekommen ist bleibt ein Rätsel. Für meine Wenigkeit, weil ich mich einfach zuwenig damit befasst habe. Vielleicht hatten sie einfach Charme, sind nette Kerle und die Inseln sind so hübsch.
Griechenland kam mit einer hübschen Staatsverschuldung in die EU. Und zwar 104 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Das Bruttoinlandprodukt ist die Summe der im Land produzierten Güter und erbrachten Dienstleistungen und dient dem Vergleich von Staaten. So ganz salopp gesagt.
Das bedeutet nun, alle, also jeder einzelne Grieche, müssten ein Jahr kostenlos arbeiten, jeden Ertrag abgeben, damit die Regierung ihre Schulden bei den Gläubigern bezahlen könnte. Diese ohne Zinsen und davon ausgehend, dass der Staat in dieser Zeit kein weiteres Geld benötigt.
Also unmöglich. Gerade in Griechenland.
Weil, hier kommen wir zu den angestrebten Reformen; Griechenland zahlt zum Beispiel ein 14. Monatsgehalt, oder auch Renten an bereits verstorbene Mitbürger. Sie haben dies mit der Kontrolle einfach nicht so im Griff. Ist jedoch ein Auflage der EU, um weiterhin dabei bleiben zu dürfen. Respektive Geld zu erhalten.

Ich möchte Griechenland mit einem alten Auto vergleichen. Man hat das Lenkungsspiel einstellen lassen und die Kupplung erneuert. Nun leckt noch der Kühler und das Rücklicht links flackert. Einen Monat danach zuckeln die Bremsen und die Winterreifen wären fällig. Man muss diese Franken auch noch investieren, weil die vorgehenden Reparaturen für die Katz gewesen wären. Statt, dass man einen Schnitt macht und das Ding auf den Müll stellt, schraubt man immer weiter. Obwohl man auf keinen grünen Zweig kommt, es steckt einfach zu viel Geld drin um aufzuhören.
So ist es mit Griechenland.
Geht es hopps, sind Milliarden futsch. Also sind es eigentlich jetzt schon, aber die Hoffnung, diese kommen wieder stirbt zuletzt.
Tritt Griechenland nun aus der Euro aus, sind die Investitionen der Banken weg. Um diese wieder aufzufangen, würden sie die Kreditvergabe einschränken. Respektive, keine Kreditvergabe zu Dumpingpreisen, denn nun muss erstmal Kohle rein. Giralgeld ist wohl kein richtiges Geld, aber in den Bilanzen doch vorhanden.
Ergo, die Unternehmen könnten kein Geld mehr beziehen um Investitionen zu tätigen. Wir wissen, der Jahresgewinn ist nur ein Zwischenstand, Unternehmen müssen stetig wachsen. Warum ist wieder ein Kapitel für sich.
Also, erst Stillstand, dann würde die Produktion allmählich zurückfahren. Weniger Produktion bedeutet weniger Arbeitsplätze. Weniger Arbeitsplätze mehr Arbeitslose. Keine Arbeit mehr, weniger verfügbares Einkommen für den Einzelnen. Kaufkraft sinkt. Wo keine Nachfrage geht die Produktion weiter zurück. Eine Endlosspirale. Oder einfach gesaht: Bumm, Rezession.
Das Vertrauen in die ohnehin schon schwächlich dastehende EU könnte hopps gehen, Wasser auf die Mühle für X-exit-Befürworter.
Dies würde wiederum eine Bankenkrise heraufbeschwören. Griechen würden ihre Notgroschen holen, bevor ihre wertvollen Euro in wertlose Drachmen oder sonst eine Muschelwährung umgewandelt werden.
Sie würden wohl zu spät kommen. Nicht jedoch die Bewohner anderer Länder, welche mehr aus Goodwill in der Euro sind. Zum Beispiel Spanien. Alle Spanier holen ihr Geld ab und senden es in die Schweiz. Sicherer Hafen. Dies mag noch nicht so tragisch sein, denn wir wissen ja, die Banken brauchen kein Bares von Kleinanlegern, Stichwort Giralgeld. Aber wenn das Volk nervös wird, werden es Grossinvestoren erst recht. Sprich alle Banken, welche in besagten gefährdeten Ländern investiert haben. Die wollen ihre Einlagen zurück. Ganz schnell, mit Zinsen. Das Land kann nicht zahlen und schon schliesst sich der Kreis, wir haben ein neues Griechenland geschaffen, nur dass es nun eben Spanien heisst.

Ich habe die Frage unbeantwortet gelassen, warum die EU Griechenland Geld gibt um die Schulden bei der EU zu tilgen. Die ganze Sache finde ich ob ihrer Verzwicktheit interessant.
Kluge Menschen pflegen zu sagen; Ich könnte es dir erklären, aber du würdest es sowieso nicht verstehen. Womit sich die klugen Menschen selber disqualifizieren. Meines Erachtens hat jemand eine Materie wirklich verstanden, wenn er dem Gegenüber einen komplexen Sachverhalt erläutern kann, ohne dass sich dieser wie ein Trottel fühlt. Im Gegenteil, dem Schüler vermittelt, dass sein Wissensstand eine ideale Basis für das zu Vermittelnde darstellt und ihn motiviert, sein Wissen auszubauen.
Aber dies ist ein anderes Kapitel.
Also, ich habe den Euro-Rettungsschirm auch nicht komplett verstanden. Ganz simpel ausgedrückt; Man bezahlt mit der Visa-Karte die Rechnung der Mastercard und America-Express muss für die Mastercard hinhalten. Dies versteht jeder und jeder weiss, dass es irgendwann nicht mehr funktioniert.
Der Vorteil der Staaten besteht jedoch darin, dass die Geldquelle beinahe unersättlich ist. Weil Du und ich die Geldquelle darstellen.
Die EU besitzt, analog den Kreditkarten, vier Geldkisten um Länder zu stützen. Jede Massnahme mit einem anderen Namen, anderen Auflagen aber unter dem Strich mit dem selben Effekt. Es wird Geld in ein marrodes Finanzsystem gespritzt.
Das Geld dafür kommt nach einem speziellen Bezugsschlüssel von allem Mitgliedsstaaten und interessierten Nichtmitgliedern. Also die Schweiz. Wobei die Politik entscheidet, ob man ein interessiertes Nichtmitglied ist.
Wobei Staaten, dies habt ihr richtig bemerkt, eigentlich ja kein Geld haben.

Und so landen wir, wo eigentlich jede globale Krise landet. Hinten rechts auf halber Höhe. In deiner Brieftasche.
Ohne das Wort auszusprechen formuliert sich eine nette Metapher.

Eigentlich wollte ich diese EU-Sache nur am Rande bemerken.
Denn die Schweiz hat billateral ihre eigenen Geldsorgen. Aber zur KOF-Prognose und der Tabaksteuer kann ich ja morgen noch schreiben.
Nun muss ich in die Migros, solange ein Franken noch ein Franken ist.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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