Grüne lieben Atomstrom und verzerrte Berufsbilder

Ein ganz klein wenig würde ich mich schämen, wenn ich mit dem dicken Audi vor die Firma fahre, im feinen Massanzug ins Büro schreite und dem Mitarbeiter zwischen Golfstunde und Feierabend-Sushi erklären würde, dass ich durchaus gewillt wäre ihn mit einer vernünftigen monatlichen Zahlung zu entlöhnen, aber es nun einmal einfach nicht möglich wäre. Es wäre wirtschaftlich unabdingbar – die IWC rutscht aus der Hemdmanschette und als sich ein Sonnenstrahl auf dem untertassengrossen Deckglas spiegelt, springt bei jeder entschuldigenden Geste ein neckischer Punkt über die Gauguin-Sammlung an der Wand – dass einige Leute für einen tieferen Ansatz arbeiten, aber wenn wir uns mit den Kaffeepflückern auf Bogotta vergleichen, stehen wir doch ganz gut da – schallend lachend -, nicht wahr, Herr… ähm… das wäre dann alles? Nun warten wir die Quartalszahlen ab und setzen uns nochmals zusammen.

Die ganze Mindestlohngeschichte war nicht durchdacht. Selbstverständlich stosse ich mich auch daran, dass ein dahergelaufener Pole in Flaach über das Spargefeld kriecht und in einem Monat soviel verdient wie zuhause in einem halben Jahr, diese Knete fleissig in den Osten trägt und dort lebt wie die Made im Speck. Da müssen wir uns auch etwas an der eigenen Nase nehmen. Ob Waren oder Dienstleistungen, wir verkennen völlig den Wert der Dinge. Immer noch billiger, noch günstiger und wenn es nicht mehr tiefer geht, beziehen wir unsere Waren aus einem Tieflohnland und lassen uns noch die Mehrwertsteuer rückvergüten.
Letztenendes ist alles so billig, dass es völlig seinen Wert verloren hat. Gestern kaufte ich Frühstück auf einem französischen Campingplatz, Baguettes, Butter, Croissantes, Confiture, für sechs Euro. Die Hälfte schmiss ich weg, ich war satt und es hat ja nichts gekostet. Ein paar tausend Kilometer weiter südlich verhungert wohl gerade ein kleines Kind. Eine perverse Entwicklung.

Das Modell der Berufsbildung ist völlig überholt. Hat man einmal die dreissig überschritten, ist die Bedeutung einer Lehre so wichtig, wie das erfolgreiche Absolvieren des Kindergartens als Auswahlkriterium beim Ergattern einer Lehrstelle. Aber die Wirtschaft und Politik will dies nicht einsehen, Arbeit macht frei, Hauptsache die Jugend ist irgendwo interniert, pardon, versorgt. Da interessiert es auch kein Schwein, dass man heute in der Schweiz drei bis vier Jahre in eine Ausbildung investieren kann, welche zu guter Letzt das Papier mit dem Amtsstempel nicht wert ist. Während früher eine absolvierte Berufslehre einem ein Auskommen, der Familie Brot und ein Dach über dem Kopf sicherte, werden heute doch tatsächlich Ausbildungen für Berufsgattungen angeboten, deren Absolventen ohne Finanzspritze vom Staat nicht überleben können. Weil es in der armen Schweiz nicht möglich ist ein vernünftiges Gehalt zu zahlen und es für die Wirtschaft unabdingbar ist, Billigarbeitskräfte zu züchten.
Aber ein Hossa auf die Berufslehre, Politiker hängen sich gerne den „die Jugend liegt mir am Herzen“-Button an das Jackett.
War kürzlich der Berufsbildungstag im Lokalradio, ist das Jahr 2014 doch das Jahr der Berufsbildung. Ich hätte kotzen können, eine Propagandaaktion wie es Väterchen Stalin nicht besser hätte aufziehen können; Mach eine Lehre, gehe in die Fabrik, das ist gut für die Industrie, was gut ist für die Industrie ist gut für dich. Sieben Stunden lang, ich zappte immer wieder rein, wurden mir fantastische Berufe vorgestellt und warum Lastwagenchauffeur so ziemlich der allerlässigste Beruf auf diesem Planeten sei. Freiheit pur, obwohl der Chef dank GPS-Sender jederzeit feststellen kann, auf welche Toilette man zwischen Darmstadt und Duisburg geht, aber dies nur zur Entlastung des Chauffeurs, damit man ihn noch effizienter einsetzen kann.
Lastwagenchauffeur, das letzte grosse Abenteuer.
Das grosse Problem ist ja, wer sich morgens die Schuhe selber binden kann besucht eine weiterführende Schule, weil dies letztendlich der einzige Weg ist, wenn man mit vierzig nicht mit zwei Katzen in einem versifften Appartement im Nigeria-Durchgangsheim enden will.
Wer dies nicht zustande bringt, hat unter seiner schief sitzenden Mütze immerhin soviel Halbwissen angesammelt, dass man im Aldi ohne Berufslehre einen höheren Lohn bezieht und noch nicht einmal an die Finger frieren muss.

Und irgendwas dazwischen macht eine Berufslehre.

Nun, da kämpfe ich gegen Windmühlen. Mache eine Lehre, dann hast du was; Solange der letzte Opa, welcher von der SIG und GF erzählen kann noch nicht in die Grube gefahren ist, solange gibt es noch Traumtänzer, welche diese Illusion weiter tragen.

Wohlan, der Mindestlohn kommt nicht, nun muss ein neuer Anreiz für das Arbeiten geschaffen werden. Schaffhausen will nun die Zahlungen an Sozialbezüger senken. Nicht, dass der Pillenverpacker in der Cilag auf die Idee kommt, ohne Arbeit hätte er ja dasselbe Einkommen und plötzlich nicht mehr erscheint.
Gehe in die Fabrik. Sorge für die Fabrik und sie sorgt für dich.sozialhilfeNewsticker NZZ 19.05.2014

Luxusprobleme im VBS, Ueli Maurer muss nun das Gripengeld irgendwie loswerden. In der Privatwirtschaft läuft dies ja so; Dieses Jahr haben wir jede einzelne Person mit einem Kühlschrank und einer 15-Jahres-Garantie versorgt, wir haben zig hunderttausend Franken Umsatz gemacht. Nächstes Jahr müssen wir den steigern, dies ist durchaus realistisch, wir verkaufen einfach jedem Kunden noch zwei Kühlschränke. Frei nach HSG. Beim Staat hat das Departement diese Summe Geld zur Verfügung, braucht sie das Budget nicht auf, resultiert daraus ganz einfach, dass nächstes Jahr auch weniger zur Verfügung steht. Ich liebte es in meiner Dienstzeit, dem Detachement Munitionsvernichtung zugewiesen zu werden.
Übrigens, als Schweizer würde ich unter Umständen nicht fahnenschwingend nach Skandinavien fahren. Nachdem wir den Gripen nun nicht kaufen, genug Hoffnungen haben wir ja gemacht, und Brasilien vielleicht auch noch aussteigt, muss der schwedische Steuerzahlen den Verlust tragen.
Wie ist eigentlich die Sache mit dem Backschisch geregelt? Muss dies auch wieder zurückgehen? Zu guter Letzt haben wir ja auch noch den schwedischen Botschafter aus dem Land geworfen, weil er etwas aus dem Nähkästchen geplaudert hat und dies hört man nicht gerne.
Nebst der üblen Aufgabe, pro Jahr 300 Millionen loszuwerden – ich zweifle nicht, dass dies gelingt – stellt sich nun die Frage, wie wir den Luftraum schützen. Ausserordentlich gewitzt finde ich die Idee, Flieger zu mieten. Gerade, wenn man sich in einem Konflikt befindet. Freue ich mich doch auch immer wieder, wenn ein Einbrecher an das Wohnzimmerfenster klopft, er würde gerne meine Kellertür aufhebeln, ob ich ihm nicht gütigerweise mein Brecheisen leihen könne, er dürfe sich eben kein eigenes anschaffen.

Bei den Grünen kommt der Strom nach wie vor aus der Steckdose, dies ist unbestritten die günstigste, sauberste und einfachste Art der Energiegewinnung. Da braucht es keine Staudämme welche Gebirgsdörfer fluten, kein gestaute Flüsse welche die Fischlein stören und schon gar keine Atomkraftwerke, welche ihnen Kinder mit drei Händen und neunzehn Fingern bescheren. Über Abstimmungen solcher Art muss man nicht länger diskutieren. Atomausstieg stets an erster Stelle, alternative Energie geht über alles, aber jeder Vorstoss in diese Richtung wird in Grund und Boden gestampft. Ich bin kein Fan von Christian Heydecker, aber er bemerkte heute zu Recht, das Volk scheint für Alternative Energiegewinnung noch nicht bereit zu sein, so wie die Dinge stehen, wird man über kurz oder lang an einem neuen AKW nicht vorbei kommen. Frau Munz, die nicht gewählte und dennoch amtende Nationalrätin, kommentierte vehement; So sprächen nur Leute, mit einer rückständigen, in der Vergangheit hängen gebliebenen Denkweise. Sie bezieht den Strom ebenfalls aus der Steckdose.

Wenn wir schon in der Sparte „ich klöpple meine Unterwäsche selber“ sind, Frau Iren Eichenberger hat ihren Rücktritt bekannt gegeben. Schon dreizehn Jahre engagiert sie sich für Radwege und Gegen das Verbuddeln von gelben Fässern in unserer Nachbarschaft. Auch eine Kontraverse; Der strahlende Müll ist da und mit allen Lobpreisungen und „Atom – Nein danke!“ Buttons am Revers nicht wegzuplappern, obwohl die Gründung von Kommission über Kommission und überparteilicher Kommission diesen Eindruck erwecken könnte, unsere Grünen wehren sich vehement dagegen den besten Lagerort zu akzeptieren, falls dieser vor unserer Haustüre läge. Dann doch lieber auf einem hübschen, sich zersetzenden Haufen am Ballenberg. Hauptsache weg von der kleinen Stadt ennet am Rhii.
Doch ich verzettle mich, die dreizehn Jahre liessen mich googeln, wie alt die Dame wäre. Nicht dass ich sehr oberflächlich wäre, aber wenn man sie sieht, ist man schon versucht zu fragen, wie Jesus denn privat so war. Gerade einmal zwanzig Lenzen mehr als meine Wenigkeit.
Also so gesund kann das Kerne picken auf die Dauer nicht sein.

Zu guter Letzt, habe ich letzte Woche aufgeschnappt.
Da sich die Jungen nicht mehr die Schuhe binden können, haben wir auch stets weniger Soldaten. Erwerbsersatz wird nach wie vor einbezahlt, aber niemand bezieht ihn.
Travail suisse macht sich nun für vier Wochen Vaterschaftsurlaub stark.
Tolle Sache!
Nein ehrlich; Nicht nur, dass ein Alleinstehender die Kinder der glücklichen Familie mitfinanziert – ein Kind kostet die Allgemeinheit 160’000 Franken, gerne führe ich diese Zahlen einmal detailliert nach -, nicht nur, dass der Alleinstehende seine Ferienwünsche stets hinter die der stolzen Papis und Mamis anzustellen hat, nicht nur, dass der Alleinstehende stets erste Wahl bei Arbeit an und zwischen Feiertagen ist, nein, nun sollen die sowieso schon privilegierten Papis auch noch vier Wochen zusätzlichen Urlaub erhalten. Auf Kosten der Alleinstehenden, denn die Arbeit will ja trotzdem bewältigt werden.

Nach Hochrechnung soll die EO bis 2035 auf einem fetten Polster von 8 Milliarden sitzen. Nun, angesichts der Tatsache, dass bis 2025 der AHV 4.5 Mrd fehlen – der fabrikarbeitende Lehrabgänger kann sich keine Kinder leisten, weil die arme Unternehmung ihm nicht genug Lohn zum Leben zahlen kann und so zahlt niemand mehr die Altersvorsorge – scheint mir eine Quersubventionierung wohl eher angesagt.
Es sei den vier Wochen Vaterschaftsurlaub motiviert, sich der Fortpflanzung zu widmen, letztendlich braucht die Schweiz Fabrikarbeiter…

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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