Haben sie auch Hausjacken mit Zopfmuster?

Kristen auf der Frontseite müsse nicht sein.

Ich präsentiere mein neues Cover-Girl.dr-dukanEr reibt sich die Hände, zu Recht, der Herr Dr. Dukan. Und die regionalen Händler dazu, sollte man meinen.
Nichts liess ich unversucht, die 72 Kilogramm-Grenze zu knacken. Vorsprung durch Technik, ich kaufte mir eine neue Waage, eine Diagnosewaage, so stand es in der Migros. Batterien inliegend. Und siehe da, heute Morgen strahlte mir eine wunderbare 70,8 entgegen. Auch nach dreimaligem Betreten der Edelstahlflächen, welche mittels eines schwachen Wechselstromes noch weitere Werte meines Körpers auslesen, erreichte ich dasselbe Resultat. Zufrieden legte ich mich noch einmal unter die Bettdecke und verschlief beinahe meinen Termin beim Coiffeur. Davon versprach ich mir abermals ein halbes Kilogramm Gewichtsverlust.
Mit hässlich knurrendem Magen trat ich an den Herd und wollte mir in den, wider besseren Wissens, nochmals gereinigten Pfannen einen Pfannkuchen zubereiten. Jeder Zwei-Komponenten-Leim hätte sich beschämt in die Tube verzogen, ich beschloss, die Pfanne inklusive meines Frühstücks der Altmetall-Sammlung mitzugeben.

Wie versprochen, ich berücksichtige beim Pfannenkauf die regionalen Händler. Via der Manor’schen Dessous-Abteilung gelangt man auf der konventionellen Treppe in den Haushaltswaren-Bereich. Fahrstühle sind in der Dukan-Diät verboten, Rolltreppen hat er nicht explizit erwähnt, aber ich denke, dies fällt in dieselbe Kategorie.
Tefal, wohin das Auge blickt, aber keine Jamie-Oliver-Professional-Serie. Ich hatte den Eindruck, die gesetztere Verkäuferin versuchte mir zu entwischen. Versucht, sie mit einem Abtropfsieb zu fangen, erwischte ich sie, versteckt hinter einem Nespresso-Kapsel-Ständer kauernd.
Die letzten Jamie-Oliver-Artikel seien gerade im Ausverkauf weg gegangen. Damit war das Thema für die Dame erledigt. Da steht ein Mann, welcher für einen Namen am Pfannenstil unsinnig Geld ausgeben wollte und sie kommt nicht auf die Idee, mir ein anderes Objekt schmackhaft zu machen.
Also, an Spitzenwäsche vorbei, ab ins nächste Fachgeschäft. Der regional grösste Anbieter an Haushaltgeräten, vom Kartoffelschäler über Wäschetrockner bis zum Foodcenter. Aber keine freie oder arbeitswillige Verkäuferin. Die Tefal-Pfannen nahmen einen knappen Meter Wand in Beschlag, keine Professional-Series. Also flanierte ich etwas vor der Messerwand, äusserst interessiert den wunderbaren Damaststahl für dreihundert Franken beäugend, in der Hoffnung einen bonusermunterten Verkäufer anzulocken. Doch die berieten lieber ein älteres Paar und verglichen die fünf Franken-Pfeffermühle mit dem zehn-Franken Salzstreuer. Wenn der Berg nicht zum Prophet… ich begab mich zum Korpus in der Mitte des Lokals.
Eine etwas verschupfte junge Dame mit widerspenstigem Kraushaar schien gerade unterbeschäftigt zu sein.
Wer denn Jamie Oliver sei.
Ein Koch.
Und der brauche Pfannen?
Nein, der hat Pfannen.
Natürlich, er ist ja Koch, hihi.
Es gäbe eine Pfannenserie seines Namens von Tefal.
Hätte sie noch nie gehört, aber sie zeige mir etwas; und hiess mich zum meterbreiten Pfannenregal zu folgen.
Dies wären alle.
Soweit war ich auch schon.
Ja, sonst hätten sie nichts.

Mit einem ‚das wären alle‘ hat sie mir nun auch nicht direkt die Geldbörse aus der Tasche gezogen. Wenn ich hundert Gramm Poulet aus der Gefriertruhe ziehe, ist dies ein notwendiges Warengeschäft, kaufe ich mir einen Luxusartikel, muss das Einkaufen Entertainment pur sein.
Ich zog weiter in die Filiale meines Brötchengebers. Da gab es wohl keine Pfannen, aber kostenlosen Kaffee und einen Blick nach Wengen.
Im Coop City hätten sie Jamie Oliver, meinte mein Arbeitskollege.
Also in der EPA?
Jupp, wenn du beim Schwanen stehst, bist du zu weit.
Ein Zeichen dafür, dass ich alt werde. Im Metro ist der Coop City, im Coop City die Epa, im Manor der Vilan und etwas weiter rechts die ABM.
Also, rein, die Rolltreppe runter. In der Epa gab es ein Treppenhaus, ob Coop dies übernommen hat weiss ich nicht, aber schon zu Epa-Zeiten fühlte ich mich bei Nutzung desselbigen da stets, als würde ich mich verbotenerweise in den Hinterräumen bewegen.
Nach langem Suchen zog ich mir zwei normale Tefal-Pfannen. Beinahe normal, natürlich schon die induktionstauglichen mit dem roten Punkt.
An der Kasse frage ich die Verkäufer nach der Jamie-Oliver-Professional-Serie. Die hätten sie schon vor vier Jahren aus dem Sortiment gekippt, weil keiner sie gekauft hätte.
Bin ich wirklich ein solcher Freak?
Aber diese seien ja baugleich, einfach günstiger.
Nein, da wäre kein Jamie-Oliver Schriftzug auf dem Griff.
Dafür würde ich keine zwanzig Franken für einen Namen bezahlen.
Vielleicht wäre mir der Namen ja zwanzig Franken wert?
Hihihi…

Nebst zwei Tefal-Pfannen habe ich die Erkenntnis nach Hause gebracht, dass es Verkäufer und organisches Registrierkassenzubehör gibt. Ich bin mir sicher, so ich in ein grosses Warenhaus trete, im Begriff einen Rolls Royce zu kaufen, würden die mich bearbeiten, bis ich in einem Nissan Micra hinaus rolle. Oder ihn an einem Strick ziehe, weil dies im täglichen Betrieb günstiger wäre, als ein Motor zu kaufen.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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