Hallo Weltbild

Im Moment haben sie es auf mich abgesehen. Die digitalen Medien und Online-Shops.

weltbild-14. Januar, dies nenne ich prompt. Wie nett, dachte ich naiver Kunde, da kann ich mich ja bereits Mittwochs mit der Reiseplanung befassen. Natürlich war ich schon Dienstag in Lauerstellung, so ist das nunmal, spätestens Donnerstag war ich leicht säuerlich. Freitag immer noch gähnende Leere in meinem Paketfach. Samstags rechnet man schon gar nicht damit und heute bin ich so richtig angepisst.

Lieferung verfolgen, die Leute haben nichts zu verbergen.weltbild-2Geschätzte Frau Rita Graf,

(dies ist ja ganz nett bei Weltbild, man hat direkt eine Ansprechspartnerin. Die Frau Rita Graf steht in jedem Katalog mit ihrem guten Namen für die Firma. Schafft gleich einen familiären Touch, hier kauft man gerne ein).

Also…
Geschätzte Frau Rita Graf,

ich möchte mich erkundigen, mit welchem Geschenk ich rechnen darf.

Vielleicht zähle ich nicht direkt zu den Premiumkunden, aber im letzten Jahr durften Sie mir dennoch dreissig Bestellungen à unzählige Bücher ausliefern und diesen Monat bin ich mit vier literarischen Werken bereits wieder ordentlich auf Kurs.
Daher irritiert mich ihr beinahe peinlicher Versuch mich zu veräppeln.
Gut, ich weiss nicht wie dies in einem grossen Versand so abläuft. Natürlich, man sagt noch schnell ‚Ihre Bestellung wurde ausgeliefert‘. Jede Quengelei im Keim ersticken. Der Kunde hält erst einmal die Füsse still, dies macht durchaus Sinn.
Fügt man jedoch noch einen Link hinzu, wodurch der Kunde die Versandaktivität verfolgen könnte, hält man den Kunden für zu bescheuert auf einen Button zu klicken, oder ist einfach ein wenig naiv.
In meinem Fall ging die Rechnung ja auf. Was soll ich ihnen auf die Finger schauen. Warum sollten sie mich auch belügen. Ich bin ja ein guter Kunde, denn will man etwas umgarnen.

Irgendwann, so eine Arbeitswoche später, lag mein Buch offenbar immernoch auf dem Schreibtisch des Spediteurs. Oh verdammt. Nun gut, melden wir es bei der Post noch kurz an, bevor wir in das Wochenende gehen. Sollen wir es nun Priority… ach was, Economy reicht. Der wird das ja nicht so dringend brauchen. Und gleich Montags bringen wir es zur Post.
Oh, schon wieder Abend. Ach was solls, Dienstag ist auch noch ein Tag.
Irgendwann wird er froh sein, wenn er es überhaupt noch kriegt.

Natürlich, die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich das Buch nicht vor der Nase habe. Dennoch habe ich es nicht bestellt, weil die Buchstütze so einsam im Regal steht. Und bei Weltbild bestellt habe ich es, weil sie nun mal erste Wahl sind. Ok, ich war auch zu träge, Preise zu vergleichen. Bei Ex Libris wäre es gar noch 20 Prozent günstiger, stelle ich im nachhinein fest.
Die Frage ist nun, ob ich Weltbild nun auch hinsichtlich Lieferzeit in den direkten Vergleich mit Ex Libris stellen will, oder ob sie ihren Paketboten dahingehend motivieren könnten, mein Buch die Tage zur Post zu tragen. Mit dem Geschenk natürlich. Nichts grosses. Sie können meine Einsendung bei der nächsten Auto-Verlosung vielleicht auch ganz oben auf den Haufen legen und mit einem gelben Marker kennzeichnen oder so. Oder sie promoten mein veröffentlichtes Buch ein wenig, machen sie aus dem Wisch einen Bestseller! Ich bin da ganz offen für einen tollen Vorschlag.

Hinsichtlich der Rechnung werde ich Ihnen selbstverständlich zum Ablauf der Zahlungsfrist eine Mail zukommen lassen, dass die Zahlung umgehend angewiesen wurde. Ich weiss ja jetzt, wie das im Big Business so läuft.

Mit herzlichem Dank für Ihre Kenntnisnahme.

 

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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