Liebe Hundebesitzer

An meine Blog Leserschaft, welche sich fragt ‚was soll das‘, ich reagiere auf einen facebook-Artikel.

Liebe Hundebesitzer,

auch wenn mir der Begriff Besitzer – ein Lebewesen zu besitzen, an die Leine zu legen und bei Bedarf zu züchtigen, wir besitzen ja auch keine Kinder oder Grossmütter – missfällt, so sind dies nun Haarspaltereien und solche Menschen seid Ihr ja nicht, also mag ich Euch.
Die einen mehr, weil sie eben tolle Menschen sind, die anderen im Rahmen des Respekts, welcher für ein angenehmes Miteinander angebracht ist.

Auch Eure Hunde mage ich, nicht ganz so sehr wie Katzen, aber ich bringe ihnen denselben Respekt entgegen wie jedem vierbeinigen Lebewesen, was bedeutet, eine ordentliche Schippe mehr als den auf zwei Beinen aufrecht gehenden Spezies. Und zwei Schippen mehr als den züngelnden, kriechenden. Die machen mir Angst.

So bedanke ich mich artig, so der Hund zur Seite und ins Platz gelegt, wieder etwas gelernt, wird, wenn ich keuchend wie Thomas die Lokomotive vorbei renne. Ja, dies ist keinesfalls etwas selbstverständliches, auch wenn ich es die letzten Jahre zu meinem Entzücken immer häufiger erfuhr und stets aufs neue dankbar bin.
Wenn ihr den lieben Vierbeiner am Halsband packt bis ich vorbei bin, fühlt es sich an, als wurden mir mal eben ein paar Minuten Leben geschenkt.

Denn die Krux an der Sache ist; Hunde hassen mich. Die meisten. Speziell die grossen. Ausser Bernhardiner und Berner Sennen. Und Neufundländer. Aber sonst alle. Vielleicht die Labrador auch nicht.
Ich weiss, ein Tier würde niemals grundlos jemanden hassen, daher muss es an mir liegen. Leider haben Menschen welche keine Tiere halten, aus Prinzip oder welchen Gründen auch immer, soviel Ahnung von Tierpsychologie wie meine Oma vom Einrichten eines superschnellen Hypergiganetzwerkes. Da sind wir etwas auf Euer Verständnis angewiesen.

Wenn nun also ein Hund auf mich zustürmt, die Lefzen hochgezogen, Zähne fletschend, mit wildem Ausdruck in den Augen, so beruhigt mich der Ruf des Herrchens „Er will nur spielen“ nur bedingt. Auch achte ich nun nicht darauf, ob er dabei mit dem Schwanz wedelt oder nicht, dies soll anscheinend auch ein Signal für irgendwas sein. Katzen wedeln eben nicht mit dem Schwanz. Mir ist eigentlich nur daran gelegen Land zu gewinnen, was den Hund nur noch  mehr motiviert und der ist beileibe schneller, auch wenn ich wiederum motiviert bin, an Tempo zu zulegen.
Ich weiss nicht, ob ich Barry nun anstarren soll oder nicht. Ist es Provokation oder nutzt er die Chance, wenn ich den Kopf abwende, um zum tödlichen Angriff über zu gehen?
Katzen drücken ihr Vertrauen aus wenn sie den Kopf abwenden und erkennen dieselbe Geste beim Menschen an. Irgendwie einfacher.

Wird das Herrchen nun doch unruhig oder kann mittlerweile meine Adrenalin ebenfalls riechen, erklingen Ausrufe wie schhhhhhhhhh, pfui, daher oder aus! Gerade beim letzteren richte ich einen Blick auf meine Gliedmassen, muss ich doch davon ausgehen, dass er schon etwas in seinem Mund hat, warum soll Herrchen sonst aus! rufen.
Diese ganze Reaktion lässt mich natürlich beim nächstenmal „er will nur spielen“ nur noch mehr zweifeln.

Nicht dass ich dem Tier nun einen Strick drehen möchte, aber nachdem er festgestellt hat, dass ich weder Herrchen an die Gurgel will, noch seine Hütte anzünden möchte und Herrchen vom vielen Schhhh beinahe einen Knopf in der Zunge hat, könnte er es doch gut sein lassen.
Für einen Nicht-Hundepsychologen ist es daher schwierig zu verstehen, dass man weiterhin umrundet wird und das Tier stets bemüht ist, sich hinter mich zu begeben, wo ich es nicht unter Kontrolle habe. Da knurrt es weiter und ich kriege die Halskehre und laufe in Türrahmen.
Soll ich ihn einsperren, klingt es derab häufig von den verständnisvollen Hundebesitzern. Eigentlich nicht, das wäre mir nicht recht, denn es ist mir bewusst, dass ich mich auf seinem Territorium bewege und es deucht mich falsch, wenn er deswegen eingesperrt wird. Speziell, wenn wenn ihm noch die Leine in die Seite gehauen wird oder er einen Klapps auf den Kopf erhält. Und dies geschieht beileibe nicht selten.

Nur bin ich da natürlich etwas ratlos. Katzen fauchen, wenn sie sich bedroht fühlen und wehren sich, wenn man sie physisch angreift. Ich habe noch nie gehört, dass eine Katze einem Menschen in die Achillessehne beisst oder ihm ins Gesicht springt, weil er mal eben in Herrchens Wohnung gekommen ist.

Zu guter Letzt, es gibt auch Hunde, mit denen ich ganz gut kann. Zu gut.
So gut, dass sie ihre Vorderpfoten auf meine Hüfte legen und beginnen ihren Unterleib gegen meine Waden zu hauen.
Ekstatisch hechlend mit wirrem Ausdruck in den Augen.
Meine Güte, was um Himmels willen soll das? Ich bin nicht übermässig behaart, noch kann ich mit ähnlich positionierten Körperteilen wedeln oder veströme irgendwelche Pheromone. Ganz allgemein habe ich so überhaupt keine Ähnlichkeit mit einem Hund und es käme mir im Traum nicht in den Sinn eine Katze zu rammeln, weil sie mir schnurrend um die Beine streicht. Der Katze übrigens auch nicht.
Wohl fürchte ich dabei nicht um mein Leben, aber der Peinlichkeitsfaktor, bei Herrchen und bei mir, ist immens hoch.
Nur beim Hund nicht, der fleissig rammelt, bis er die Leine in die Seite kriegt. Was mir wiederum nicht recht ist.

Liebe Hundebesitzer,
vielleicht versteht ihr den Nicht-Hundebesitzer einfach falsch. Es ist nicht, dass wir euch oder die Tiere per se nicht verstehen. Wir sind einfach überfordert.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
Dieser Beitrag wurde unter Kurz nachgedacht, Pub veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.