Männer sind, und Frauen auch…

Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse…
RTL Bildungsfernsehen. Habe ich bei meiner Mutter gesehen, als nicht mehr ganz so kleiner Junge. Bei Papa hatte ich a) keinen RTL und b), wäre dessen Existenz irrelevant gewesen, da Fernsehen sowieso ein Teufelszeug war von dessen Einfluss man Kleinkinder, Teenies und angehende Erwachsene zu behüten hatte. Im Auftrag der gutbürgerlichen Erziehung. Hat ihm nicht geschadet, dem angehenden Erwachsenen, dafür hat er viel gelesen, merkt Papa heute an. Hat er nicht unrecht, vielleicht würde ich gar ähnlich verfahren. Allerdings hat der mittlerweile körperlich zusehends vollumfänglich ausgebildete Erwachsene sämtliche Pay-TV-Kanäle geordert, eine dicke Monatsrechnung bei Apple-TV, ein Abonnement bei Netflix und hält mit regelmässigem Zustupf das örtliche, serbelnde Multiplex-Kino am laufen. Und sollte mehr lesen. Ein findiger Couch-Doktor würde da bestimmt einen Zusammenhang erkennen.

Aber wir waren bei einem kleinen Stück Watte, das mehr für die Freiheit und das Selbstbewusstsein einer Frau getan hat, als jedes andere Produkt.
So lehrte mich Bettina Schmitz, Journalistin, dass ein Tampon von OB nicht wie eine Binde auf dem Handrücken liegt, sondern das Blut da saugt, wo es passiert. Im Inneren der Handfläche.
tmiZu viel Information. Ein eher neuer Ausdruck, mit welchem man die Ausführungen eines Gesprächspartners unterbindet. Und der Bedarf scheint gross zu sein, sich mit der Bearbeitung von Tabu-Themen hervor zu heben. Die betonte Lässigkeit, ganz offen über ekligste und persönlichste Dinge zu referieren, scheint der Versuch, den mangelhaften Bildungsgrad des kleinen Mannes – und Weibchens, wir wollen nicht sexistisch werden – zu kompensieren.
Mit gestreckten Armen, abgespreitzten Fingern – wie unsere abergläubischen Urahnen dem bösen Blick begegneten – leicht abgedrehtem Kopf und lauter Stimme um das Ausgesprochene zu übertönen, richtete ich mich gegen einen Arbeitskollegen, respektive wendete mich ab, welcher sich soeben genötigt fühlte, mir mitzuteilen, dass seine zehnjährige Tochter sich mit dem Erwerb ihres ersten BH beschäftigte. Nun bin ich der merkwürdige Verklemmte. Hätte ich mich für den BH interessiert, wäre ich wohl der pädophil veranlagte Sauhund. Ich denke, ich habe das Gewinnerlos gezogen.

Könnte Pony M. nie passieren.
Also dies mit dem merkwürdig verklemmt sein. Aus Langweile zappte ich wieder einmal durch ihre Texte. Auch weil „Du bist ein Schaffhauser, wenn du… „ wirklich nur noch aus Fotos von Sonnenuntergängen besteht. Und Weihnachtsbeleuchtungen, so fair bin ich. Aber warum auch nicht, wenn es für die Mitglieder stimmt?
Pony M. fühlte sich genötigt, die Vorgänge des weiblichen Zyklus zu umschreiben. Im Auftrag der Entwicklungshilfe, der Förderung des Verständnis der beschränkten Männer. In ihrem ge- und beliebten Schreibstil, neunzig Prozent der Männer und ich tanzen durch unser Missfallen da etwas aus der Reihe, angesiedelt zwischen den ersten Gehversuchen des Kindergärtners in der deutschen Schriftsprache und der Fäkalsprache eines Müllmannes. Am Stammtisch. Ich möchte nichts gegen Müllmänner sagen, benutze ihn hier nur als synonym für eine Person, welche spricht wie ihr das Mundwerk gewachsen ist. Gespickt mit Mundartausdrücken gibt sie sich volksnah. Die begeisterten Frauen lieben die Authentizität, es ist eine von uns. Meine Wenigkeit wäre vielleicht etwas gekränkt, wenn mein Gegenüber sich auf die Augenhöhe einer Küchenschabe niederlässt, dass ich nicht Gefahr laufe, dem Text nicht folgen zu können.

Aber: Wir finden’s imfall auch nicht so lässig, dass da einfach Blut aus uns rauskommt. Völlig unnötig. Und dass das auch noch weh tun muss, ist noch viel unnötiger. Und Pickel bekommen wir auch. Fuck you, mother nature.

fäkalspracheAnlass des Artikels war eine Diskussion, ob Frau drei Krankheitstage im Monat zustehen würde. Warum auch nicht? Allerdings würde ich damit warten, bis die Frauenquote in den Grundrechten in Stein gemeisselt ist. Es ist schwer vorstellbar, aber die Möglichkeit bestünde, dass sich Unternehmen schwertun das Management mit Personal aufzustocken, welches jeden Monat drei Tage fehlen würde. Oder auch sechs, vielleicht sieben Tage. Die Nachfrage, ob die Dame soeben menstruiert würde wohl den Tatbestand der sexuellen Belästigung erfüllen. Wir kennen dies aus dem gemischten Turnunterricht, als besonders gepeinigte Frauen über Wochen hinweg ihre Monatsblutung hatten. Die einzige Alternative wäre ein Arztzeugnis. Die Freude bei Ärzten und Krankenkassen wäre wohl grenzenlos, die willkürliche Erhöhung der Monatsprämien auch. Jeder, der sich dagegen ausprechen würde, wäre ein verkappter Frauenhasser.
Gut, wir können im Stehen Wasser lassen. Bewahren wir uns das! Über kurz oder lang befürchte ich, Mann kann sich nur noch an dieses Privileg klammern. Bis uns auch dies genommen wird. Wenn ich es recht bedenke, und hört ganz tief in euch hinein; Wer setzt sich zuhause bereits automatisch hin?

Die Monatsblutung, und nachher enden wir mit diesem Thema, müsste ich mir folgendermassen vorstellen; Es wäre vergleichbar, wenn mir drei bis fünf Tage die Eier verdreht würden, mir die Freude an allem Schönen genommen würde und mir nebenbei bis zur Auslösung eines Brechreizes jemand in den Magen boxen würde. Natürlich sprach Pony von ‚kotzen‘.
Ich weiss nicht woher Pony M. weiss, wie sich ein tagelanges verdrehen der Hoden anfühlt, aber in diesem Punkt hat sie mir offensichtlich etwas voraus. Hinsichtlich der bildlichen Vorstellung von Menstruationsbeschwerden bin ich so klug als wie zuvor.

Pony M. ist weiblich, Akademikerin, erfolgreich, Mitte dreissig. Und Single.
Und das ist gut so. Und wenn Pony M. sagt, dies wäre gut so, plichten ihr innert dreissig Minuten 486 Frauen zu, achtundreissig geben einen beipflichtenden lobhudelgeschwängerten Kommentar ab und der eine nicht ganz so einverstandene Mann wird von der Communitiy im bester facebook-cyber-mobbing-Manier in der Luft zerfetzt und auf den Scheiterhaufen gesetzt. Gesalzt, geteert und gefedert.

Pony M. mag Männer. Sogar sehr. Betont sie wiederholt. Und es ist nötig, dass sie es wiederholt betont, denn in ihren Texten ist der einfältig, leicht beschränkte Mann welcher bestenfalls als ordentlicher Deckhengst taugt und ihr die Einkaufstüten trägt, der stille Protagonist im Hintergrund. Aus demselben Grund warum eine attraktive Frau stets eine, ganz oberflächlich betrachtet, nur annähernd so attraktive, im Auge des ganz oberflächlichen Duchschnittsmannes und Pro7-Modelscout, Kollegin an ihrer Seite hat. Eine Rose im Rosengarten ist eine Blume mit Dornen, eine Rose in einem Steinhaufen vor einer zerbombten und nuklear verseuchten ukrainischen Kindertagesstätte hat gleich einen spendenziehenden Jöh-Effekt.
Man tut gut daran, den gesamten Rahmen des Erscheinungsbildes gleich mitzuschleppen und deswegen setzt sich Pony M. in ihren Texten gleich ins richtige Licht.
Und alle Anhängerinnen ebenfalls.

Sie ist nicht Single, weil sie – ganz oberflächlich betrachtet, in den Augen des primitiven Neandertalers, unterentwickelten Pro7-Modelscouts und dummen Mannes im Allgemeinen – eine paar Pfund zu viel auf den Rippen hat und eine verkappte Emanze ist, nein; Sie ist Single weil wir Männer die erfolgreiche Frau fürchten. Pony M. fürchten.
In ihrem Text investiert sie viele Zeilen in den Status. Der Bildungsgrad ist ein Indikator für den Wert eines Menschen. Je höher die Schule, je zahlreicher die Diplome, desto besser ist der Mensch. Für die Gesellschaft, das Land, die Welt und das Universum im Allgemeinen. Was an Menschheit über bleibt, ist der Humus. Man hantiert nicht gerne mit ihm, gibt schmutzige Hände, aber irgendwie scheint es ihn zu brauchen, damit die wertvollen Pflänzchen gedeihen können. Erfolgreiche Akademikerinnen wie Pony M.

Das Problem der erfolgreichen Partnersuche begründet daher im Feminismus. So Milos Matuschek in der NZZ. Frau setzt alles daran, nach Möglichkeit ganz Oben an der Pyramide zu sitzen. Nebst der Tatsache, dass es sich auf einem Pyramidenspitz gewiss unbequem sitzt, ist es so alleine auch etwas einsam. So eingeschüchtert Männer, nach Erkenntnis von Pony M. von erfolgreichen, also die mit besserem Status, Frauen wie Pony M. sind, so angewidert sind Frauen von unwürdigen Männern wie Klempner, Holzfäller und Handwerkern ganz allgemein. Sich nach oben zu orientieren würde aber dem Grundgedanken des Feminismus widersprechen, also orientiert man sich am besten gar nicht.

Würde unter Hartz-IV-Empfängern nicht gerammelt wie die Karnickel und hätte die Schweiz die Ecopop-Kondomlieferungen an der Urne nicht ins Nirvana gesendet, ich würde um den Fortbestand der menschlichen Rasse fürchten.
Fragt man den durchschnittlichen Single nach seiner Traumfrau, sagt er diplomatisch, dass er keine Vorstellungen davon hätte. Everybodys Darling. Nimmt man jedoch die Summe der Kleinigkeiten, welche ihn bei einer Frau stören würden, addiere welche Eigenschaften auf keinen Fall fehlen dürften, läuft es darauf hinaus, dass der passende Deckel erst geschmiedet werden müsste. Oder schon auf einer anderen Pfanne liegt. Nebenbei, wer ist eigentlich Pfanne und wer Deckel?
Kompromissbereit wie ein arabischer Sprengstoffgürtelträger, mit Tunnelblick wie die Sicht durch einen Strohhalm, ist man zwangsläufig zum dauerhaften Singledasein verbannt. Anscheinend hüben wie drüben.

Wenn man bei Pony M. ist, kommt man um die Huffington Post nicht herum. So habe ich gestern noch einige interessante Dinge über mich in Erfahrung gebracht.

Ich stehe nicht zu mir selbst und bin gehemmt, Entscheidungen zu treffen. Dies ist mitunter ein Grund, warum ich im beruflichen Leben nie eine wichtige Stellung einnehmen würde. Darüber hinaus wirke ich auf die Mitmenschen schwächlich, unterwürfig und besitze die Männlichkeit eines Gänseblümchens. Auch meine äussere Erscheinung wirkt kleiner als ich es wirklich bin, dazu wird die mangelhafte Ausstrahlung von einem schwächlichen Körperbild unterstrichen.
Menschen sehen mich und vergessen mich gleich wieder.

Der Grund? Ich trage Haupthaar. Voll und in Farbe. Ergänzt mit Gesichtshaar. Alle diese mir angekreideten Attribute liessen sich in das Gegenteil umwandeln, würde ich mir eine Glatze scheren.

Die einzige Erkenntnis welche ich aus diesem unglaublich wichtigen Artikel, auf einem Nivau als wäre 20min mit Blick und Sun in die Kiste gesprungen, liegt darin, dass ich bei all meiner offen zugegebenen – ich schäme mich keineswegs dafür – und selbst diagnostizierten Oberflächlichkeit, doch noch furchtbar tiefgründig und sehr selbstbewusst sein muss. Nicht im Traum käme es mir in den Sinn, die Menschheit nach dem Kopfhaar zu sortieren und ich kann sehr gut damit umgehen, wenn ich wiederum von einer Huffington-Post schubladisiert werde.

Unter dem Strich bleibt, mit einer Rasierklinge wird man zu einem besseren Menschen, einem Gewinn für die Gesellschaft.barber

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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