Mahlzeit, Geschichten aus der Küche

Ich habe ein neues Spielzeug um die Küche einzusauen.

Teil meines stupiden, hirnverbrannten und total sinnlosen Ernährungsplan ist es, mich Abends nach Möglichkeit nur von Proteinen zu ernähren.
Was für eine Abwechslung zum täglichen, öden Mittagssalat. Die grösste Überraschung beim Mittagsmal besteht darin, wenn die Blätter aus dem Beutel fallen und nicht irgendwie traurig am Cellophan gegen die Schüssel gleiten und in selbige hineintriefen wie ein zähflüssiges Joghurt.
Die Skrupellosigkeit eines hiesigen Lebensmittelgrossisten, Lebensmittel mit fragwürdiger Mindesthaltbarkeit in das Regal zu legen, erstaunt mich immer wieder.

Bisher bestand meine Abendbrot aus Thunfisch, ich berichtete.
Nun, eine Dose Thon liefert wohl 23 Gramm reinstes Protein, erinnert ansonsten aber an Nassfutter für die Katze. Und riecht auch so, ohne Mayonnaise schon gar nicht zu geniessen.
Meine Angst Glubschaugen – er kursiert ein Gerücht hinsichtlich exzessivem Konsum von Thunfisch aus der Dose – zu bekommen und die Panik, den Würgreflex ab der dritten Gabel nicht immer unterdrücken zu können, liess mich nach Alternativen schauen. Da wären nur noch Steaks und lecker Hühnchen. Aber beides kann, respektive sollte, man nicht einfach aus dem Kühlfach nehmen und verputzen, und wenn es mir an etwas mangelt, ist es Zeit an Wochentagen.

So erinnerte ich mich an die Zeit vor 10 Jahren, als ich meine Ernährungsgewohnheiten über den Haufen warf und das Abendessen vorwiegend aus Milchshakes bestand.
Proteinpulver in Milch eingerührt, mit künstlichem Geschmack, vorwiegend lecker Schokolade oder zur Weihnachtszeit Lebkuchen.
Mittlerweile habe ich mir wieder eine Dose dieses Wunderpulvers zugelegt, in der künstlichen, ekligen Geschmacksrichtung Pampelmuse. Welcher Lebensmitteldesigner kommt auf solch eine Idee. Nun denn, ausschlaggebend war, dass es das einzige Kohlenhydratfreie Proteinpulver war, welches mein Fitnesscenter feil bot.
23 Gramm davon wären dann mittels einer Gabel in 5 Deziliter Wasser einzurühren. Schon einmal versucht, einen Ziegelstein in Wasser aufzulösen? Mit einer Gabel?
Das Resultat meiner doch intensiver Rührtechnik waren etwa zehn Rosinengrosse Klumpen, welche beim Schlucken zerbröseln und die Kehle austrocknen. Zudem schmeckte es wie Mehl mit Pampelmusearoma.
Am nächsten Abend versuchte ich es in Milch. Da es sich mit derselben Hingabe auflöste, änderte es am Geschmack nicht viel.
Also griff ich zu Hi-Tech, einen Milk-Shaker. Der mitgelieferte, metallene Becher fasste bis an den Rand genau den halben Liter Wasser. Die maximale Füllhöhe, durch einen haarfeinen Strich ausserhalb des konischen Bechers markiert, überschritt ich damit um das dreifache, aber ich dachte mir, dass es sich hier mehr um eine Empfehlung handelt.
Unter den Rührstab gehalten, den Knopf gedrückt und sofort hatte ich eine milchige Sauce auf dem Tresen und der Becher war bis auf den empfohlenen Füllstand leer.
Am Geschmack änderte sich jedoch auch nicht viel.
Also griff ich wieder zur Milch – aufgrund meiner Milchzuckerunverträglichkeit stets die letzte Lösung – folgte dieses Mal der Empfehlung und siehe da, ein wunderbarer Milchshake.
Relativ schnell stellte ich fest, dass man, dank intensiver Betätigung des Knopfes zum Start der Rührvorrichtung, gar einen Pudding herstellen konnte.
Dies bedingt, dass der Becher der fixen Halterung entnommen wird und in der Höhe bewegt wird. Und stets bringe ich es zustande, dass die Rührvorrichtung für den Bruchteil einer Sekunde neckisch einen Millimeter über den Becherrand guckt, was aussreicht um mich und das gesamte Inventar mit Proteinpudding zu versauen.
Die ganze Prozedur wäre dann sieben Mal zu wiederholen, um den Bedarf an Protein zu decken, so man vorher das Fitnesscenter besucht hat.
Aber das ist für Freaks und zudem widerspricht mein Körper – ich gedenke ihn aus diesem Grund dereinst der Wissenschaft zu vermachen – sowieso jeglichen Studien bezüglich der Verwertung von hinzugefügter Energie.

Man soll positiv denken, die hiesige Dennerfiliale kann ihren Bestand an Plenty-Küchentücher weiterhin aufstocken, meine Küche wird mindestens jeden zweiten Abend gründlich gereinigt und ich futtere jeden Abend Pudding.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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