Mal eben etwas Geld zum Fenster raus schmeissen

Ich glaube, Und bin gestützt auf mächt’ge Gründ‘, ihr seid mein Feind…

Nach elf Jahren habe ich meinen Turnbeutel an den Nagel gehängt.
Kein Abschiedsbuffet, kein Pomp, ich bin einfach nicht mehr hingegangen. Sollte ich in anderen Bereichen für einen hübschen Montag auch einmal ins Auge fassen.

Es mag ein masochistischer Zug von mir sein, ich hasse Sport mit jeder Faser meines Körpers, doch statt dem Neukauf einer hübschen Couch und einem Jahresvorrat Chips, suchte ich ein neues Fitnesscenter.
Zahle einen Drittel des Jahrespreises, trainiere einen Viertel des Jahres. Die Frühlingstemperaturen werden heuer durch Reibungshitze manifestiert, warum sich nicht auch hier über den Tisch ziehen lassen, also suchte ich das MFit auf.

Nach erstmaliger Ignoranz und anschliessender Wartezeit, kam eine Dame mit Klemmbrett und Fragebogen. Standardfragen, mich deucht, die Kreuze waren schon vorgedruckt.
Standard wie der Gang zur Beinpresse, obwohl ich kund tat, es läge mir am Freihantel-Training.
Nun gut, dann hätte ich wenigstens gerne eine Maschine für Bizeps und Trizeps. Ich wurde auf den Bauchtrainier verfrachtet. Entweder war die Dame dumm wie hundert Meter Feldweg oder von der Konzernleitung wurde ein DIN 456#-Trainingsplan ausgegeben. Individuell einheitlich für Schnäppchenkunden.
Ich wünschte Schulterübungen, drückte die Brust, wollte den Rücken stärken, trainierte die Waden. Kurz bevor ich ihr das tolle Klemmbrett um die Ohren schlug, hiess sie mich 30 Minuten auf dem Laufband rennen.
An sich würde ich draussen schon genug laufen…
Die müsse so sein, wegen der Ausgewogenheit des Trainingsplans und überhaupt, diesen hätte ich akribisch zu führen.

Heute liess ich ihn hübsch im Hängeregister liegen und pustete den Staub von den Freihanteln, packte die eine oder andere noch aus und entfernte die Preisschilder von der Hantelbank. Die Gewichte sind wohl auf Reha und Rückbildungsgymnastik ausgelegt, enden dort, wo sie im alten Center begonnen haben.
In der Not frisst der Teufel fliegen, begann zu jonglieren und rechnete stets mit einer Intervention seitens des Tresens, von welchem aus ich schon mit Argusaugen überwacht wurden.
Auch die alten Herrschaften hielten inne beim Golf-Abschlag-Training und geführtem Klimmzugtraining, um diesen komischen Neuankömmling zu betrachten.

Was zum Teufel trieb ich da?

Als es mir zu langweilig wurde – Entertainment wird klein geschrieben, unterhalten wird sich im Flüsterton und aus den Lautsprechern drang mit sanften 0,3 Dezibell Mozart an mein Ohr – begab ich mich auf das Laufband.
Etwas Fernseh gucken, man muss auch was Positives bemerken. Müsste sich mal ein Techniker anschauen, ausser Kinderkanal und Super-RTL war nicht viel zu sehen. Flugs das Gerät gewechselt, als mich die Fitness-Beamten aufforderten selbiges wieder zu verlassen. In ihrer Mitte führten sie einen Sauerstoffrüssel und angehängter Dame mit sich, welche zum Fitness-Check auf dem Band etwas gehen sollte.

Ach leckt mich doch am Arsch…
Ich studiere derweil die AGB, wie ich mit geringem Kollateralschaden aus dieser Scheisse wieder rauskomme.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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