Meine Woche und das Intelligenzblatt

Schaffhausen erhält nun also ein Stadion.
Über die Verkleinerung sind alle so glücklich und alle haben sich so lieb, dass man sich fragt, warum es jemals grösser hätte sein sollen.
Die ganze Geschichte fand ich bereits im Vorfeld amüsant, als vor einem Jahr die Baubewilligung auszulaufen drohte, falls nicht endlich jemand welcher nicht Dubach oder Fontana hiess mehr als einen symbolischen Spaten in das Erdreich drücken würde. Und so zog eines Nachmittags ein einsamer Bagger seine Bahnen, schob drei Büsche und etwas Erdreich zusammen. Der Bau hat begonnen.
Am 31. Mai 2012 lief dann die Baubewilligung doch aus und der Baggerfahrer erhielt ein verlängertes Wochenende.

Nun kostet der Spass nur noch 41 Millionen, die Ladenflächen werden lediglich an Lipo und Lidl – mal im Ernst, wusstet ihr, dass es noch ein Möbelhaus namens Lipo gibt und um Himmels Willen, wer kauft da ein? – vermietet, was die Schaffhauser Altstadt Detaillisten freut, da sie keine Umsatzeinbussen befürchten.
Bauen in Schaffhausen wirkt auf mich stets, wie das Spielen im Sandkasten. Bevor der Turm ordentlich aus dem Eimerchen auf die Burg gestülpt wird, ruft Mutti zum Essen und hernach hat man keine Lust mehr.
Man baut ein Multiplexkino, welches auch nach dreizehn Jahren nicht fertig erscheint. Man zieht die Leute in die verlassene Gegend des Herblingertal, bietet jedoch um das Lichtspielhaus keinerlei Rahmenprogramm, es sei denn man ist Fitnessbegeistert oder schätzt die muggelige Atmosphäre einer Fabrikhalle in der Black-Out-Lounge. Ein Bowling-Center wurde nach drei Spatenstichen gebodigt, also fahren die Schaffhauser weiter nach Singen.
Ein McDrive war im Gespräch – unbestätigten Gerüchten zufolge – aber die Beschilderung hätte so dezent ausfallen müssen, dass das Restaurant nur für Insider zugänglich war, worauf der Fast-Food-Riese gerne verzichtete und die Burger-Fans fahren weiterhin nach Singen oder Winterthur, da die Stadt-Filiale für Autofahrer nahezu unerreichbar ist.
Ikea konnte man nicht für den FCS-Park gewinnen – unbestätigten Gerüchten zufolge hätte man in Schaffhausen die grosse, blaue Fassade nicht gerne gesehen – also werden die Schaffhauser weiterhin nach Dietlikon und Spreitenbach fahren.

Aber eines bleibt der Schaffhauser Regierung; Sie brauchen nicht zu befürchten, jemals das Gejammer über die Fremd-Shopping-Mentalität einstellen zu müssen.

Des weitern im Intelligenzblatt, wieder drei Seiten Tierheim. Es ist mir bewusst, ich setze mich in die Nesseln, aber mal ehrlich; Man hat es langsam gelesen. Natürlich ist es tragisch, aber die tägliche Berichterstattung bringt kein Büsi zurück und die Spendebereitschaft wird auch nicht erhöht, indem man mir die Tragik stündlich im die Ohren schlägt. Hinter vorgehaltener Hand hört man auch hier und da, es wäre langsam genug. Umständehalber schenke ich mir den Vergleich mit Pferden und der Bühne…
Erfreulich aber, dass die Spendenaktion innert drei Tagen eine Summe zusammenbrachte, für welche Radio Munot ansonsten den ganzen Monat Dezember jammert, bettelt und auf Knien winselt. Die heimischen, lokalen Belange scheinen den Schaffhausern doch noch näher zuliegen, als eine Berufsschule in Kamutanga oder eine Bohnenplantage in Timbuktu. By the way, wie läuft es in Kamutanga, ich habe nie mehr was gehört. Jemand hat das Geld sicher dankend entgegengenommen, sofern noch viel davon über blieb, nachdem Radio Munot-Mitarbeiter wiederholt und zu vielen in die Region reisten um sich ein Bild von der Situation zu machen, uga-uga-Stimmen aufzuzeichnen um hier ordentlich an unser Wir-Sind-So-Reich-Und-Undankbar-Gefühl zu appellieren.
Ich würde gerne sagen, ich bleibe dran, aber so sehr interessiert es mich auch wieder nicht.

Meine Blogs seien rassistisch, wurde mir mitgeteilt.
Nahm ich mir zu Herzen und überlegte kurz. Eigentlich sind meine Blogs nur Erfahrungsberichte. Wenn ich nun mit Ausländern vorwiegend schlechte Erfahrungen mache und mir die ganz Lieben, welche leider im selben Topf landen, nur in homöopathischen Dosen über den Weg laufen, bin ich dann rassistisch? Mich deucht, ich lästere über Schweizer nicht weniger ab, aber da stört sich niemand. Ist wohl eine politische Sache. Las ich in Ottfried Preusser’s kleiner Hexe schon von Negern, bevor ich in meiner kindlichen Naivität überhaupt wusste, dass dieser Ausdruck böse sei. Spreche ich heute von einem Neger, bin ich ein Rassist, obwohl dem Ausdruck doch erst politisch der rassistische Beigeschmack angehängt wurde.
Oder der Kanake, im 19. Jahrhundert eine schmeichelnde Bezeichnung unter Seefahrern für besonders treue und fähige Kameraden wurde plötzlich zum Schimpfwort bestummen, dessen Gebrauch heute wohl als Straftat im Sinne des Antirassismusgesetzes geahndet wird. Die moderne Gesellschaft setzt ein opportunistisches Denken voraus, welchem man lediglich zugute halten kann, dass wir in einer Schlangenlinie, denn der direkten Gerade, in den Abgrund fahren.
Lange Einleitung, kurzer Sinn; Die Muslimas dürfen in einem Ganzkörperanzug in das Schwimmbad springen, ein sogeannter Burkini. Klingt sexy.
Als ich ein kleiner Junge war, wurde ich gescholten, wenn ich ohne Dusche, verschwitzt in das Bassin sprang. Nur Schweine duschen nicht, stand bei den dafür vorgesehenen, sanitären Einrichtungen.
Nun schwitzen die ganzkörperverhüllten Mädchen ihre Burkini voll und waschen das Teil hernach in meinem Schwimmbecken aus. Langsam machen die Schweizer Fortschritte, was ihre Integration im Schweiz-der-Toleranz anbelangt.

Wenn wir schon bei der Schule sind; Skitage sollen vom Bund nicht subventioniert werden.
Natürlich, Skifahren war einst Nationalsport, natürlich, längst nicht alle Familien können sich mehr Skiurlaub leisten, natürlich, die Jugend wird immer fauler und bewegungsärmer, natürlich, die Schweizer Skigebiete könnten Unterstützung gebrauchen, aber; Der administrative Aufwand wäre einfach zu gross und steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.
Da hoffe ich doch, dass die 45 Millionen Kohäsionszahlung als Schweizer Starthilfe für Kroatien in die EU keinen grossen Aufwand mit sich bringen.

Würde es etwas ändern, wenn Du und ich den Bundesrat wählen? Wohl kaum, nehmen wir Thomas Minder aus, haben wir schon bei den übrigen Räten und Volksvertretern kein gutes Händchen. Zumindest ich nicht.
Christoph Blocher hat seine Abwahl gewiss überwunden, aber die SVP kämpft immer noch mit dem verletzten Stolz, gibt sich rebellisch, als Winkelried des Bauern und manövriert sich mit dieser Initiative etwas in Abseits.
Ja, ich kann durchaus auch objektiv sein.

So, damit beschliesse ich die kurze Presseschau.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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