RAB guckt fern

Durchaus, es ist Sonntag Morgen kurz vor acht.
Ganz abgsehen davon, dass ich wohl an seniler Bettflucht leide und an einem Samstag Abend um elf bereits im Bett war, sitze ich nun hier und sehe die Bill Cosby-Show. So schnell wird man alt.

Hätte ich Kinder gehabt, ich hätte gehofft, sie würden auch Bill Cosby sehen. Eine der wenigen achtziger Serien, neben der kleinen Farm, welche heute noch ihre Daseinsberechtigung haben und, im Gegensatz zu folgenden Beispielen, keinerlei Illusionen zerstört.
Natürlich war früher alles Besser, insbesondere auch das Fernsehprogramm. Zuhause hatten wir ja keinen Fernseher. Also physisch gesehen schon, nur war das Nutzen dieser Zauberkiste mit sechs Programmen, je nach Wetterlage auch mal sieben, nur nicht der gesamten Kommune gestattet, ein Hoch auf die Patchworkfamilie.
Einem Schwamm gleich saugte ich die flimmernde Unterhaltung anlässlich meiner Besuche bei Mutti auf, mit dem Nebeneffekt, dass ich eine grosse Ecke meines Hirnes unwiderruflich für cineastisches Wissen reserviert habe.

Sieht man heute die Serien der Kindheit, werden unweigerlich Illusionen zerstört. Es fällt einem erst auf, dass in keiner Serie die Luft bleihaltiger ist, als beim A-Team. Dass wir im Zuge von Hannibals Neigung zur teilweise travestieverdächtigen Verkleidung nicht homosexuell geprägt wurden, liegt wohl daran, dass man zu meiner Zeit mit solchen Symptomen zum Arzt geschickt wurde. Zappt man heute durch das A-Team, wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass Murdock endlich in der Klapse gelassen wird. Der einzige, nach wie vor authentische Charakter war der Verführer Face, da sich in den Achtzigern wie heute Frauen immer noch vom Schein betören lassen. Und Geld. Face belegte übrigens 2007 beim britischen Big Brother den dritten Platz, was wohl alles über das Leben nach der Karriere aussagt.

Hannibal und Spiessgesellen nutzten stets diese auf hochglanz polierten Ruger AC556k, das stainless-Modell. Ideal für das A-Team, eine noch unpräzisere Waffe müsste man zuhause im Schraubstock drehen, die höchste Überlebenschance hat man, wenn man direkt vor die Mündung steht.a-team
Erst als Erwachsener erkennt man, dass die Jungs tausende Schuss Munition aus einem Magazin abfeuern, aber ausser Blechkarossen, Hausmauern und zufällig herumstehenden und effektvoll explodierenden Benzinfässern nichts durchsieben, obwohl man in besagten Szenen nicht spucken könnte, ohne einen Bösewicht zu treffen. Die Resistenz einer Blechkarrosse gegenüber Durchschüssen variert übrigens, je nach der zu schützenden Person. Das ist heute noch dasselbe wie früher.
Wenn man schon denkt, peinlicher geht es nicht, biegt Mr.-T in seinen Latzhosen auf einem Panzer um die Ecke. Diesen hatten sie nicht in ihrem Van, der ist auch heute noch cool, nein, das gepanzerte Vehikel hat er selbst gebaut. Stets bei Minute achtundreissig sitzt das A-Team in der Patsche, mit nichts als drei Millionen Schuss Munition, einer Tonne Plastiksprengstoff, zwanzig Fässern Benzin, einem Altmetallhaufen und einer Schutzgasschweissanlage, welche gemäss den Serienproduzenten in keinem gut sortierten Haushalt fehlt. So baut Sergeant Bosco Albert „B. A.“ (Bad Attitude) Baracus aus einer Konservendose und etwas Maschendrahtzaun ein Gefährt, neben welchem Obamas Beast abstinken könnte.
Seine Nebenaufgabe war der pädagogische Mahnfinger. Oder war dies in seiner Zeichentrickserie, in welcher er als Trainer einer Gymnastiktruppe fungierte? Das moralische Ending war sehr trendy und wichtig, vermittelte es der zufällig durch die Stube wischenden Mutter den Eindruck, man sähe eine wertvolle Serie mit erzieherischem Inhalt.

Ein weiterer Held der Kindheit. An sich war die Serie ja nur ein gedehntes Werbevideo von Mattel für die Actionfiguren – à la YPS, das Comic zum Gimmick -, aber im Gegensatz zu den Actionfiguren dank des Kabelfernsehens auch für mittellose Jungen zugänglich. Mein Bruder besass den He-Man Thunder-Punch.he-manIn einen Tornister am Rücken wurden die Sprengkapseln, identisch jenen vom Fasnachts-Revolver, eingelegt. Dann konnte man den He-Man an der Hüfte eindrehen, bis ein Klicken hörbar war. Ein Druck auf den Arm, der He-Man schnellte herum, fiel zu Boden und es gab einen Knall aus dem Rücken. Genau vierundzwanzig mal, danach musste man warten bis zur nächsten Pfingstchilbi oder dem Fasching, weil man nirgends diese Sprengkapseln erhielt. Nur, sofern der wackere Held im Fellslip nicht mit einem Bandscheibenvorfall zwischen Lego und Playmobil verschollen ging, weil man ihn an der Hüfte etwas zu weit eingedreht hatte, was mit Klicken UND einem endgültigen Knacken bestätigt wurde.
By the Power of Greyskull, zwanzig Franken fürn Arsch.

Wirklich überzeugt, als Kind schwache Augen gehabt zu haben, bin ich jedoch wenn ich Knight Rider sehe. Effizienter können Illusionen nicht zerstört werden.knight-rider

Ich würde heute noch töten für einen solchen Pontiac, keine Frage.turbo-boostMit Turbo-Boost und so.michael-knightAbgedreht, oder? Aber wer über zehn Jahre solch hodenquetschende Jeans trug kennt keinen Schmerz.michael-knight-2Bleiben wir sachlich.
Knight Rider war die Serie der Serien. Zumindest bis Erika Eleniak im roten Badeanzug die pubertierenden Jungen durcheinander brachte.erika-eleniak

Bemerkte mein Lieblings-Kusinchen doch kürzlich, die hätte merkwürdige Augenbrauen, worauf mir zum ersten Mal auffiel, dass Erika überhaupt Augenbrauen hat und ich nun nur noch auf die Augenbrauen achte. Danke für gar nichts!

Man kann heute nicht Knight Rider schauen, ohne all die Tricks zu bemerken. Der Reiz an den Sprüngen ist die witzige Tarnung der Rampe. Oder die sich verbiegende KITT-Karrosserie, des kartonüberspannten Strandbuggys. Achtet auf die Schatten und sucht die Kamera am Fahrzeug. Mein absoluter Liebling, die Sackkarre. Achtet auf den Fahrersitz, wenn KITT alleine unterwegs ist.kitt-sackKultig auch die schlaksigen Bewegungen, angespannt und cool, des Michael Knight.
„Kumpel, ruf Devon an!“; erteilt Michael dem sprachgesteuerten Computer, welcher gleichzeitig ein Wagen ist, und drückt dafür so viele Knöpfe, als würde er eine Nummer in Okinawa anwählen. Die Übergabe an den Sack, pardon den Autopiloten, wird akustisch mitgeteilt, sowie ein entsprechender Knopf gedrückt, was infolge einer liederlichen Lampenverkabelung zur Folge hat, Augen auf, dass Autopilot und manuelle Steuerung gleichzeitig aktiviert sind.

Zum schmunzeln, der Link auf Sprittwoch, eine Seite, welche sich mit der Analyse der Folgen befasst hat.

knightriderscanner

Aber mal ehrlich, auch aus heutiger Sicht betrachtet, waren die Serien nicht annähernd so schlecht, wie das Trash-Programm, welches uns heute geboten wird.
Dschungel-Camp-Teilnehmer und DSDS-Verlierer welchen immer wieder eine neue Plattform geboten wird, dass sie sich selbst inszenieren können. Ross Anthony, Michaela Schäfer, Gina, Naddel und wie sie alle heissen; Wir wären sie alle schon längst los, würden sie nicht jedesmal kurz vor dem Vergessen auf Heels in die Wüste geschickt oder würden sich im Pro 7-Boxring auf die operierten Näschen geben. Kommentiert von Axel Schulz, welcher rückblickend auf seine sportliche Karriere kein Schwein kennen würde, aber dank solcherlei Events regelmässig seine Badezimmer-Möbel-gesponserte Kappe zur Schau tragen kann. Man muss diese Shows noch nicht einmal sehen, um davon mitzukriegen.
Auf RTL-Punkt-12 wird berichtet, dass am Abend in RTL-exklusiv ein Bericht erscheint, welcher exklusiv die selbe Story nochmals erzählt, worauf uns RTL-Punkt-12 am folgenden Tag einen Rückblick auf die Story von RTL-exklusiv vom Vorabend schenkt.
Täglich frage ich mich, warum ich RTL-Punkt-12 ständig schaue, um am nächsten Tag wieder einzuschalten. Erst die brennenden News, ein Hund auf der Autobahn, hernach das Drama, Familie Klein hat sich bei KIK hoffnungslos überschuldet, worauf Helena Fürst eingreift, eine exklusiv-Vorschau auf die Sendung, welche Abends sowieso ausgestrahlt wird. Anschliessend die Promi-News, guck mal, mit den BILD-Schlagzeilen von letzter Woche und anschliessend die Besser-Leben-News in welchen täglich eine Diät verrissen wird, sowie anhand von fünf Teilnehmern eine repräsentative Studie über den Zusammenhang von zuckerfreier Cola und dem Wachstum der Zehennägel erstellt wird.

Gehirnfick sagt mein Bruder.
Es ist allerdings beruhigend, dass mir das Fernsehen in Sachen Verblödung einen Schritt voraus ist und ich des Abends häufiger den Bildschirm ruhen lasse.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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