Richtigstellung zum KBA-Hard-Debakel

In einem Artikel über die KBA-Hard stützte ich mich auf publizierte Artikel der Schaffhauser Nachrichten, welche augenscheinlich ein verzerrtes Bild des Debakels aufzeigten.

Getrieben von meinem Gerechtigkeitssinn für Proleten verstehe ich mich als Sprachrohr der Unterschicht, worauf ich alle Schlipsträger ohne weiter zu differenzieren in einen Topf warf und mit der grossen Kelle anrührte.

Nun schien der Artikel höhere Wellen geschlagen haben als mir bewusst war und die Geschädigten waren im Endeffekt nicht die Verantwortlichen der Regierung, sondern die Firma EcoEnergy GmbH und Schu AG.
Vom hören sagen lernt man lügen.

Der Artikel ist mittlerweile gelöscht, ich habe daraus gelernt dass googeln kein Synonym für recherchieren ist und dass man auch einer Tageszeitung nicht blind vertrauen sollte.

Ich entschuldige mich hiermit förmlich, mir eine eigene Meinung gebildet und durch eine Veröffentlichung derselbigen irritierende Denkanstösse geliefert zu haben.
Zudem ist es mir peinlich, unbewusst als Sprachrohr der Schaffhauser Regierung und ihrer Medien fungiert zu haben und dadurch der öffentlichen Hetze gegen Herrn Schu und seinen Firmen EcoEnergy GmbH und Schu AG Vorschub geleistet zu haben.

Auf eine Gegendarstellung verzichte ich, wer in den Nesseln sitzt tut gut daran zumindest die Hosen anzubehalten, möchte hier einfach noch einige Punkte anfügen, mögen sie zum Nachdenken anregen.

Oder auch nicht. Das Thema ist gegessen.

Selbstverständlich steht Wort gegen Wort.
Mich deucht lediglich, dass man vielleicht den Scheiterhaufen etwas übereilt angesteckt hat.
Ausserdem hat die Schaffhauser Nachrichten einmal mehr einen fahlen Beigeschmack. Berichterstattung ist meistens subjektiv, es schreiben ja Menschen. Aber man kann natürlich auch gezielt eine Meinung schaffen, welche sich von den Boulevardblättern nur durch dezentere Titel und weniger Bilder unterscheidet.

Wie wäre es nun, rein hypothetisch, wenn die Betriebsleitung der KBA Hard nicht im Disneyland war und hinsichtlich dem Nass-Mechanischen-Trennungsverfahren tatsächlich ähnliche Anlagen besichtigt hat? Angenommen, die Herren wären auf die Problematik des Systems hingewiesen worden und entschieden hätten, falls das NMT nicht funktionieren würde, wäre das Riskio der Kostenüberschreitung gering und 10% Mehrkosten seien durchaus üblich?
Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass dieser Ablauf nicht aus den Fingern gesogen sei, was ich so in den SN jedoch nie gelesen habe.

Herr Schu, wie auch Herr Reichenbach, Betriebsleiter a.D der KBA Hard, wurden von der Presse auf den geschriebenen Scheiterhaufen gestellt, der Herr Käppler sprang mit dem Niederlegen seines Amtes rechtzeitig vom sinkenden Dampfer.
Wie nun, wenn ein lokales Planungsbüro auch noch involviert war? Eines, welches ohne Bauauschreibung und ohne Budgetverantwortung direkt vom Kläranlagenverband beauftragt worden war?
Es riecht verdächtig nach Vetterliwirtschaft, deswegen lässt man diesen weiteren Beteiligten bei der Berichterstattung doch einfach aussen vor.

Wie nun, wenn vom Bauplaner schon Anfang 2010 eine Kostenüberschreitung von 4 Millionen für die Bautechnik gemeldet wurden, was so jedoch im dunklen Kämmerchen behandelt wurde?
Anstelle der öffentlichen Kommunikation entschied man sich, gebrauchte Komponenten zu verwenden und hielt Herrn Schu an, dies in einer Hauruck-Aktion neu zu planen.
Vier Jahre später wurde der Schu AG die Verwendung von mangelhaften Teilen, sowie der provisorische Aufbau der Anlage zum Vorwurf gemacht. Man möchte der Kommission beinahe einen gewissen Weitblick zu Gute halten, als solche Entscheidungen getroffen wurden. Plan B im Falle eines Scheiterns, den Sündenbock bereits in der Hinterhand.
Wie praktisch, dass die regionale Zeitung der Meinungsbildung in der Allgemeinheit politisch korrekten Vorschub leistet und solche Infos gefliessentlich übersieht.

Interessant ist auch der neutrale Begutachter, Herrn Doktor Rainer Gottschalk.
Zitat SN:

Raphaël Rohner weist Befangenheitsvorwürfe von sich. «Herr Gottschalk ist ein anerkannter externer, neutraler Fachmann. Ich habe ihn vorher nicht gekannt.» Als Folgeauftrag habe dieser nur die Machbarkeitsstudie erhalten; die Ausarbeitung eines neuen Konzeptes mit möglichen Lösungen. Der Baureferent findet es nur logisch, dass derjenige, der ein Gutachten erstellt, auch gleich Lösungsvorschläge unterbreitet. Ob und welche Lösung man weiter verfolge, stehe aber noch nicht fest.

Der Herr Gottschalk ist Geschäftsführer einer gewissen Powerfarm Holding GmbH in Donaueschingen, was so kein Geheimnis ist. Eher weniger bekannt ist, dass die Powerfarm Holding AG die Mutterfirma ist, selbige ihren Sitz zufälligerweise in einem bekannten Schaffhauser Planungsbüro hat. Der Präsident des Verwaltungrates der Powerfarm Holding AG sitzt wiederum in der Geschäftsleitung eines grossen städtischen Unternehmens, deren Verwaltungskomission wiederum ein gewisser Raphaël Rohner als Vicepräsident beisitzt.
Selbstververständlich, das bedeutet nicht, dass Herr Rohner den Herrn Gottschalk schon zuvor kannte, aber man kann sich eines merkwürdigen, filzigen Eindrucks auch nicht erwehren, oder?
Zudem kann ich mir gut vorstellen, dass im kollegialen Rahmen einer Verwaltungskommission auch einmal ein kleines 4 Millionen-Problem im Baudepartement besprochen wird. Ganz unverbindlich. Aber dies sind wirklich nur Mutmassungen.

Damit beschliesse ich jegliches Schreiben über die KBA-Hard, dem normalen Bürger werden schlichtweg zuwenig Informationen zur Verfügung gestellt und mit jeder Meinungsbildung tritt man jemanden ungerechtfertigt ins Blumenbeet.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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