Schwiegertochter gesucht – 2014

Da ich gerade fern meiner heimischen Gefilde weile, verfüge ich über kein Pay-TV und bin dazu verdonnert, RTL zu gucken.

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Die ehemalige Wurst-am-Mittag, Vera Int-Veen, leistet wieder Sozialdienst und versucht Mamasöhnchen zu verkuppeln. Man kann sich natürlich streiten, ob wirklich der Wunsch Gutes zu tun oder die Quote im Vordergrund steht.
Es gibt Leute, die sind von Natur aus eine Peinlichkeit auf zwei Beinen, auch der liebe Gott hat mal einen schlechten Tag, da will ihm keiner einen Strick drehen. Eine gewisse Tragik steckt dahinter, wenn ihnen dabei auch noch jegliches Schamgefühl abhanden gekommen ist und RTL die ganze Sache gnadenlos ausnutzt. Nicht, dass ich nun den Mahnfinger erheben will, ich amüsiere mich ja auch ganz gerne über diese mediengeilen Trottel.

In der Vergangenheit betonte ich stets meine Angst, dass sich plötzlich Vera durch meinen Türrahmen zwängt und mich mit Liebespost überrascht. Wobei Überraschung in Gänsefüsschen gesetzt werden sollte, denn obwohl die mit Briefchen bedachten Liebhaber in spe jedesmal aus allen Wolken fallen, steht das RTL-Kamerateam bereits in der Wohnung. Aber ich will RTL nichts unterstellen, vielleicht kriegen die Mamasöhnchen und deren Familie von der Vorbereitung wirklich nichts mit. Ein gewisses Defizit an Intelligenz steht im Anforderungsprofil.
Meine Befürchtungen scheinen mir je länger unbegründet. Weder wohne ich noch bei meiner Mutter, noch würde es mir im Traum einfallen, selbige in die Partnerwahl einzubinden. Versucht hat sie es schon, im Ansatz. Mit Empfehlungen, diese wäre doch, oder dann diese. Wobei unsere Vorstellungen von der perfekten Frau nicht weiter auseinander klaffen könnte. Mutter schaut in erster Linie auf den Charakter und dieser ist gut, wenn Frau einen unglaublichen Hang zu Familie und ähnlichem in sich hat und am liebsten jeden Sonnenaufgang Hand in Hand über drei Generationen zurück feierlich begehen würde. Auch wenn man dazu Urgrossmutters alte Knochen aus der Kiste klauben müsste, hauptsache Familie und alle haben sich fest lieb. Da darf es schon einmal eine Frau mit einem Hintern wie ein Brauerei-Gaul sein, einer schiefen Nase, oder sieben Finger an der linken Hand. Eine liebe Frau eben.
Ich finde, ich bin da wesentlicher unkomplizierter gestrickt. Charakter wird erst im Recall geprüft. Und, würden auch alle Stricke reissen; Ich besitze keinen Fliesentisch, da packt RTL gar nicht erst die Kamera aus.

Bewährt hat sich der Ingo.
Ingo ist 23, etwas übergwichtig und wurde von seiner Traumfrau der letzten Staffel nach der Ausstrahlung völlig überraschend abgeschossen. Dabei hat sich Papa Luz doch wirklich ins Zeug gelegt und Ingo telefonisch angewiesen, wie der Beischlaf zu vollziehen zu wäre und wo der Heiratsantrag, nach zwei Wochen ‚Beziehung‘, erfolgen sollte. Auch im Hallenbad, Familie Barbapapa geht schwimmen, hat Ingo in der knappen Slipbadehose im Kinderbecken sitzend nicht mit seinen Reizen gegeizt.
Nun, Ingo bezeichnet sich heute als selbstbewusster, reifer und stärker. Nicht zuletzt, weil in seinem Kinderzimmer vor einem Rocky-Poster ein Fitnessgerät steht. Sechzig Kilogramm drücke er bereits auf der Multi-Kraftstation, welche eigentlich nur aus dem Pearl-Versand stammen kann.

Bilder die man so nicht sehen will, aber dennoch gerade deswegen schaut. Ingo steht vor dem Spiegel. Im Handtuch. Das flauschige Frottee-Einmannzelt hält wie durch ein Wunder auf der grössten Erhebung seines Bauches, irgendwo zwischen Nabel und Brustansatz. Ich vermute Ansatz, denn der gute Ingo hat einen Vorbau, welcher manche Frau vor Neid erblassen liesse. Gut, nicht straff und neckisch, aber ein C-Körbchen würde er wohl schon füllen.
Das Gesicht vor Anstrengung verzogen spannt er seinen Bizeps, die Brustmuskeln, sein… nein, das war es eigentlich auch schon und man müsste ganz genau hinsehen um unter aller Masse etwas wie einen tanzenden Muskel zu sehen. RTL immer mit der Kamera dabei.
Papa Luz und Kettenraucher-Mutti kümmern sich derweil um das Abendmahl.
Das Prinzip der Sauerbraten-Vorbereitung ist mir nicht bekannt, aber bei Ingo’s Familie steht der Topf mit dem Braten im Bad. Vielleicht stand er auch nur strategisch dort um Papa Luz ins Geschehen einzubinden, RTL darf darauf bauen, dass der Fernsehkonsument aus der Unterschicht sich keine weiteren Gedanken macht, daher lasse ich es auch.

Ingo hat sich hübsch gemacht, was in seinem Fall heisst, in ein frisches Zirkuszelt geschlüpft zu sein und begibt sich zum Bahnsteig um die Steffi abzuholen.
Ich bin der letzte, welche sich über Handschriften lustig machen sollte, aber Frauen bestechen für gewöhnlich durch kaligrafische Kunstwerke, da tanzt Steffi mit ihrer „Schnürlischrift“, Stufe Elementarschule drittes Jahr, schon etwas aus der Reihe. Ob nun Ingo des Lesens nicht mächtig ist, oder nebst der Kinder-Schrift noch Rechtschreibefehler das Communique zierten entzieht sich meiner Kenntnis, aber die gesamte Familie, von der Kette rauchenden Mutter, über den dauerlüsternen Papa bis zu Super-Ingo beugten sich über den mit Kartoffelstempeln verzierten Brief. Ihr Hobby, das Sammeln von Delfinen, Dart spielen und Flohmärkte
Was sind das nur für Leute? Gut, die männlichen Kandidaten werden wohl gecastet werden, oder man greift auf Bewährtes zurück, aber da gibt es erwachsene Personen, welche einen Brief basteln und diesen in der vollen Gewissheit einsenden, dass sie damit eine Bewerbung als Fernsehtrottel im Sonntag-Vorabendprogramm einreichen. Sollten diese Leute nicht vor sich selber geschützt werden?

Ingo wird von der Steffi schon auf dem Bahnsteig geknuddelt. Es gibt gewisse Dinge, die will ein Mann nicht hören, wie in etwa ‚Du bist herzig…“, „Du bist süss…“, „Das macht doch nichts…“, oder eben „Du fühlst dich so weich an“. Ingo hingegen fühlt sich jedoch geschmeichelt. Und sie knuddelt ihn gerne, was er jeweils mit zufriedenem Grunzen quittiert.
An seiner Stelle würde ich die Muskelmaschine Pearl zurücksenden. Von wegen; Das Erfolgsrezept der Profis und; Täglich nur 7 Minuten. Selbst der weltbekannte Profi-Bambusrohr-Springer, welcher an der berühmten Laufkonkurrenz im hintertumbuktischen Putschingistan den sensationellen 35 Platz erreichte setzt voll auf dieses Gerät. Mit erhobenem Daumen.
Ingos Papa Luz ist von der Steffi begeistert, wenn sie bisher auch weder Knöchel noch Schulter gezeigt hat, aber der Papa Luz würde auch einen Briefkasten bespringen, so dieser einen Rock tragen würde. Er hat mein Verständnis, ist Ingos Mutter doch die typische Stammtisch-Kellnerin, welche ihre Freizeit gerne mit dem Stopfen von Zigaretten verbringt, welche sie in einer Tupperware-Schale auf dem Fliesentisch aufbewahrt. Eine Brille mit solch grossen Gläsern, dass im Winter die Nachbarskinder damit schlitteln wollen, strähnig fettigem Haar und einer Lache die wie ein vom Wind geplagter Fensterladen in rostigen Angeln klingt. Übergehend in Husten, versteht sich.
Nun, Steffi scheint hin und weg, weil Ingo solch ein lieber Mensch sei. Und so weich.
Eigentlich spricht alles dafür, dass er direkt gefriendzoned wird, aber auch die Steffi muss wohl nehmen was sie kriegt.
Wir werden nächste Woche mehr erfahren.

Frauen haben bei Schwiegertochter gesucht einen grossen Vorteil; Neben diesen Trostpreisen von Männern können sie nur glänzen. Sollte man meinen. Tun sie nicht und um den Schnitt noch ganz in den Keller zu reissen, wird Beate wieder über die Bühne gepeitscht. Sie geniesst es.
Beate ist jene mit dem Psychoblick und Drohungen wie ‚Man sieht sich immer zweimal‘ oder dem Kandidaten schon die Liebe bis zum Tode schwört, bevor er den Bahnsteig von Pupsdorf überhaupt betreten hat. Seinem Tode.
Nach den Misserfolgen im guten Deutschland wurde sie von RTL nach Alaska geschafft und der ganze deutsprachige Teil von Europa durfte sich amüsieren, wie Beate und Mutter Ingrid – oder ähnlich – sich in englisch und an Holzfällern versuchten. Erstaunlich, aber die Flanellhemde in den Wäldern haben auch nicht direkt auf die Raststätte-Verkäuferin gewartet.
Nun wird Beate, mit Vorliebe trägt sie Pullover mit Hunde-Motiven, nach Bali geflogen. Mit dabei natürlich die Mutter und die Liebespost von zwei Verehrern. „Serienkiller – die Top 100“ könnte das Buch heissen, aus welchem die Profilfotos der Liebeshungrigen entwendet wurden. Topf und Deckel, Beate ist begeistert.
Damit der Zuschauer auch bei der Stange bleibt, liess es sich RTL nicht nehmen eine Vorschau auf die Abenteuer in der nächsten Folge zu präsentieren. Wie etwa der Besuch im Badepark. Vielleicht hat der geneigte Leser den Ausdruck Rückentitten schon gehört, ein Phänomen welches Auftritt, wenn Frau vorne wie hinten mit etwas zuviel überschüssiger Materie ausgestattet ist und diese in unvorteilhafter, sprich etwas zu enger Kleidung, derart in Form gepresst wird, dass auf einen flüchtigen Blick Vorder- und Kehrseite nicht direkt zu unterscheiden sind. Nicht genug damit, war nicht zu übersehen, dass sich die Vorliebe für Fellknäuel nicht nur auf Pullover und Vierbeiner in natura beschränkt, sondern der Wuchs anscheinend auch auf den eigenen Extremitäten gepflegt wird. RTL liess es sich nicht nehmen, uns einen Vorgeschmack auf Sonnencreme-Szenen am Pool zu schenken.

Mit von der Partie ist auch Harald. Achtundreissig Jahre. Lebt bei der Mutter und hatte noch nie eine Partnerin.
Vera besucht die Leute gerne selber mit der Liebespost. Einerseits scheint sich der DHL-Kurier standhaft zu weigern, andererseits gibt es immer lecker Torte und Teilchen und die Vera futtert gerne. Zudem kann sie auch gut mit alten Müttern, obwohl diesmal Haralds Mutter in Tränen ausbricht, weil der gute Junge immernoch alleine ist.
Eigentlich bringt Harald’s Mutter die ganze Sendung auf den Punkt, als sie losheult wie ein Schlosshund, während Vera sich mit einem Spaten Sahne-Torte einverleibt. Die Frage, was hat man falsch gemacht steht als unsichtbare vierte Person im Raum, irgendwann kann man nicht mehr behaupten, er warte auf die Richtige. Zudem wirkt es auch nicht direkt einladend wenn man nach dem Date fragt „Kommst du noch hoch? Zu Mutti?“.

Etwas Mitleid, also aufrichtiges, habe ich mit dem Postboten Benjamin aus der Schweiz. So rein landschaftlich und sprachlich scheint er mit Mutti im Berner Oberland zu logieren, RTL’s eingespielte Heidi-Melodie würde eher auf das Bündnerland schliessen lassen, aber da wurden wohl nur die Klischees bedient.
Dieser Benjamin erscheint einfach nicht so grunddämlich und urhässlich, dass er in das ganze Schwiegertochterkonzept passen würde. Er ist einfach etwas unbeholfen im Umgang mit der Damenwelt. Nun darf er sich mit einer untersetzten Blondine ernsthaften Hautproblemen und einer etwas weniger hässlichen Mutter von zwei Kindern herumschlagen.

Nun, dies war der Auftakt. Nächsten Sonntag erfahren wir mehr.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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