Schwiegertochter gesucht 2015, Folge 2

Ich konzentriere mich auf Ingo und Michael.

Ingo darf zur Kosmetik.
Mit vereinten Kräften wird er auf eine bedenklich schwankende Liege gehievt, halb gezogen halb geschoben, Mutti und Vati nehmen keine Armlänge entfernt auf verstärkten Stühlen Platz.
Die arme Kosmetikerin, mit ordentlich Holz vor’n Hütten was Papa Luz nicht entgeht, hat nun weder Zauberstab noch ein neues Antlitz im Schrank liegen.
Ein Lappen ums Gesicht zur Beruhigung und auf der Nase einige Mitesser ausgedrückt. RTL hat im Kasten wie die Kosmetikliege einen Härtetest besteht, den rolligen Luz mit geschürzten Lippen und Mutti, stolz wie Oskar auf ihren Spross. Das muss genügen.
Auf zum Friseur.

Wenn auf dem Kopf auch nichts mehr spriesst, das Nackenhaar kann man immer lang tragen. Oft sehe ich Leute, welche ich gerne fragen würden, wie sie ihren Figaro verärgert haben, dass dieser sie mit einer solchen Frisur auf die Strasse lässt. Ingo macht da keine Ausnahme und trägt den kümmerlichen Rest einer stolzen Matte kragenlang.
Trug.
Nach dem Friseur trägt er das Haupthaar im Nacken sportlich kurz, auf der Kopfdecke elegant über die Platte gekämmt. Aber Ingo baut sowieso auf innere Werte. Respektive, klammert sich an den Strohhalm, dass Frauen darauf bauen. Wie alle Leute, deren Sarg man an der Beerdigung auch besser nicht offen rumstehen lässt.
Nun in die Zeltabteilung. Ein neuer Überwurf muss her. Luz, trägt gern Surfershirts über Shorts und Lackschuhe, weiss wie es aussehen muss.
Ingo fühlt sich gleich sportlicher mit seinen neuen, tollen, bunten Shirts. Hier zählt für ihn, Kleider machen Leute. Seine Stärke ist die Flexibilität, mal punktet er mit inneren, mal mit äusseren Werten.
Ein Rundumsorglos-Paket.

Danach darf Ingo ein wenig spielen, Playstation 2, während die Eltern einen Knigge-Leitfaden für den Spross vorbereiten. Weil Ingo ein kleiner Unhold sei. Ein Spitzbube. Ein Lausejunge. Ingo und Mama sollen nach Anweisung von Luz sein Verhalten in Polen üben.
Pfui! Ingo mit der Mama… Würde dem Luz wohl gefallen.

Dann bitte ich euch mal in Position zu gehen.
Oh ja, genau so. Gefällt mir.
Nun tanzt ihr nach meiner Pfeife. Ja, genau so. So ist richtig.

Also bitte, dies kann man nur falsch verstehen.

Wenn du nun mal von einer Dame die Handtasche hast, stell sie nicht auf den Boden!, so die Mutti.
Nun bringt Ingo den ersten vernünftigen Satz in gefühlten dreissig Staffeln; Warum sollte ich von einer Dame die Handtasche haben?
Ja was weiss ich, ereifert sich Mutter, wenn es die Suti… Sati… Sizu… Situtation ergibt, die Dame auf Toilette muss oder so.
Seit ich mit Handtaschen-tragenden Damen verkehre habe ich es nicht erlebt, dass jemals eine solche ihr Gucci-Survival-Paket aus der Hand gibt, geschweige denn, ohne dieses die Nase pudern geht. Zeigt einmal mehr, wie wenig ich von Frauen weiss.

Aber Ingo hat sowieso lieber Rucksäcke. Weil er nicht weiss, wie schwer Handtaschen sind.
Luz und Stups sitzen im Schlafzimmer. Nackig, bis auf Shorts und Hemdchen.
Schlafzimmer trifft es nicht ganz, obwohl da ein Bett steht. Gleich neben den Tumbler. Und an der gegenüberliegenden Wand eine Kühltruhe. Ich kann mir nach wie vor nicht erklären, warum die alle so mobbelig sind.
Ingo stösst dazu.
Ah da kommt er ja.
Er scheint jeden Abend in das Schlafzimmer/Kellerabteil/Waschküche der Eltern zu schneien. Nackig bis auf die Shorts.
Sie freuen sich auf den Männertrip morgen.
Der Papa mit dem Sohne, wie sich Luz ausdrückt.

Michael reinigt den Pool, während die Damen im Liegestuhl fläzen. Im Bikini.
Wirkt wie die Einleitung eines Pornofilmes. Denke ich. Ich gucke solche Sachen ja nicht. Würde ich nie.
Rebecca trägt ein Hemdchen, welches elegant Problemzonen versteckt, Silvia eine zu grosse Bikinihose und ein zu weites Oberteil. Oder wie das Ding korrekt heisst. Kauft man die Teile getrennt?
Sie räckelt sich in Richtung Michael, welcher alibimässig Blätter aus dem Pool fischt, welche ein RTL-Mitarbeiter ausserhalb des Bildes wieder rein schmeisst.
Ob er nicht was trinken will, sie hätte zwei Limonaden dabei, säuselt die Silvia.
Völlig spontan. Analog zur Szene im Apartmenthaus, wenn es klingelt und die scharfe Nachbarin scheu nachfragt, ob sie vielleicht duschen dürfe, da ihr Badezimmer ein bisschen damaged sei. Und ob es was ausmache, wenn die schwedische Austauschstudentin ebenfalls dusche, sie würden auch gemeinsam um Wasser zu sparen. Und praktischerweise sind sie bereits nackig, bis auf ein Handtuch welches kein Schnapsglas Wasser aufsaugen könnte.
Silvia lümmelt sich lasziv in Richtung schuftenden Michael.
Man möchte „NEIN!“ schreien, denn sie öffnet die Schenkel und im knochigen Schritt flattert die Bikinihose gefährlich lose. Man will nicht hinsehen, kann den Blick auch nicht abwenden. Wie den Horrorfilm, welchen man über die Kante des Sofakissen schielend guckt, weil man ihn eigentlich gar nicht gucken will. Unendliche Schrecksekunden.
Silvia fordert noch eine Sauna. So einfach sei sie nicht zu kriegen. Sagt die, welche obszön an ihrer Frühstücksstulle nuckelte.

Lauf Michael, lauf!!

Der ganze Schrott ist so gestellt.
Er hat drei Blätter gefischt, die Frauen haben sich auf die Liege gfläzt, drei Schluck Limo gesürfelt. So, nun sollten wir langsam wieder ins Haus gehen, es wird auch kühl. Nach drei Minuten und vierzig Sekunden.

Nun testet Mutti die Qualitäten.
Es hat einen guten Grund, warum meine Mutter bei der Damenwahl, so eine stattfinden würde, so gar nichts mitzureden hätte. Nur schon weil Mutti den Eindruck hat, eine Frau könne nur richtig nett und lieb sein, wenn sie 80 Kilogramm wiegt, mindestens, und einen ehrbaren Beruf wie Krankenpflegerin ausübt. Oder Krankenpflegerin. Ok, allenfalls auch Krankenpflegerin, das wäre dann aber das Maximum an Flexibilität.
Michaels Mutti legt wert auf Backkünste. Was heisst, Teig für Waffeln anzurühren und selbigen über ein Waffeleisen zu kippen. Die höchste Stufe der Backkunst.
Zudem sollte die Nasszelle immer peinlichst sauber sein. Also das Bad, meint sie. Da achte auch der Michael drauf. Silvia hat verspielt, weil sie ein Putze beschäftigt welche ihre Nasszelle durchwischt.

Nun braucht der nette Netzwerker den Rat der lieben Mutter.
Die Silvia hat keine Chance. Zu Diva. Rebecca sei besser.
In jedem Fall, wenn man am liebsten die Mutti heiraten würde. Beim gemeinsamen Waffelessen wird die Silvia dann auch verabschiedet.

Fertig Porno.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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