Sparen auf Regierungsart

Gewiss wart ihr auch schon etwas klamm. Ebbe im Portemonnaie, Ende des Geldes zuviel Monat, den Überblick verloren wohin das Geld verschwunden ist.
Dann geht man kurz über die Bücher, verschafft sich einen Überblick und bestellt vielleicht das ein oder andere Abonnement ab, Männer künden ihre Mutterschaftsversicherung, man kündet die Vollkasko für Muttis Golf II Jahrgang 92 des letzten Jahrtausends und überlegt sich, ob man die Erdnüsse im Ausgangslokal mit zwanzig Prozent Trinkgeld nicht etwas zu hochkarätig vergoldet.

Der Kanton Schaffhausen ist in solchen Dingen bekannterweise sehr unselbständig, so entschieden unsere Volksvertreter ende September für beinahe eine halbe Million Franken eine externe Beraterfirma zu engagieren, welche unser Sparpotential eruiert. Na ja, wenn man’s hat.
Ziemlich stillschweigend, der Regierungsrat darf bis zu einer einmaligen Zahlung von 100’000 Franken eigenmächtig entscheiden, wurde die Zürcher Hochschule für eine 60 Seiten starke Studie eingespannt.
Die klugen Köpfe in der Fachstelle für Wirtschaftspolitik kamen zum Schluss, dass die jährliche Pro-Kopfbelastung für Gebühren und Abgaben im Kanton bei 28’500 Franken liegt, wovon 12’500 Franken für Sozialversicherungen drauf gehen. Weitere Schlüsse konnten wegen zu dürftigen Daten nicht gezogen werden.
Dachte ich bisher, genau solche Dinge zu wissen wäre Aufgabe unseres Finanzdepartements, aber was verstehe ich schon davon.
Die Seite kostete 738 Franken, respektive die ganze Studie 44’280 Franken. Millionenloch hin oder her, mein Geld sitzt bei unserer Regierung ordentlich locker.

Wo wir gleich beim Sparpotential sind; Mehrkosten von 280’000 Franken beim Museum zum Allerheiligen gelten Angesichts der ausufernden Bauten im Kanton bereits als überschaubar, so der Grosse Stadtrat.

Auch im Weinland ist man bautechnisch aktiv.
Auf der Weinlandbrücke bei Andelfingen wurde eine 2,5 Meter hohe Glaswand errichtet. Lärm und Windschutzmassnahmen wurde dem Volk mitgeteilt.
Nach der Fertigstellung wurde berichtigt, es handle sich um eine Suizidprävention. Man wollte die Leute nicht animieren, vor Abschluss der Arbeiten die eigene Flugtauglichkeit zu testen, daher der Etikettenschwindel. Lügen nennt man in der Politik also Etikettenschwindel. Klingt auch gleich sympathischer.
Bereits vorgängig wurde eine Eisenplastik, ein abflugbereiter Reiher, entfernt, da er bei den Leuten Suizidgedanken hervorrief und sie zum Sprung animierte. Wenn ich nur schon daran denke, wie oft ich diese Brücke überquerte, gut habe ich den Reiher nie näher betrachtet.
Den Schutz vor suizidbedingtem Steuerausfall liess sich die Regierung 700’000 Franken kostet. Es erstaunt mich immer wieder, welche Summen bei Bautätigkeiten buchstäblich verlocht werden können.

In den Bereich Sparpotential fügt sich auch die Sparte „Sinnlose Anfragen“ ein. So beschäftigten sich unsere Volksvertreter mit der Frage, ob die Aisuma-Abonnementspreise für Männer günstiger sein sollten, da es einen reinen Frauentag, aber keinen reinen Männertag gäbe.
Wenn wir sonst keine Sorgen haben. Es wird ja auch jeder Bürger gezwungen den Schwitzschuppen zu nutzen.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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