Superstau

Wie Schuppen fiel es mir von den Augen.

Ja, ihr wisst es bestimmt schon alle. Gewiss hat die Maus schon berichtet und Top Gear die Geschichte mit importieren italienischen Sportwagen nachgestellt, ich hatte nunmal erst heute die Erleuchtung.
Warum ich hinter diesem Seat mit diesem penetranten dritten Bremslicht stand. Eine unsägliche Erfindung, diese Bremsleuchten. Blenden einem verhöhnend ins Gesicht. Mag zu Zeiten als Auto noch fuhren und allenfalls in einer Ausnahmesituation in die Eisen stiegen seine Daseinsberechtigung gehabt haben. Heute fahren wir jedoch zur Tanke; Einmal Bremsbacken wechseln und Benzin kontrollieren.

Es war für mich stets ein Rätsel, warum der Verkehr zum Beispiel im Gubrist staute. Es führen zwei Spuren rein und zwei Spuren raus. Auf einer Carrera-Rennbahn funktioniert das wunderprächtig, warum auf der A1 nicht?let-op-welt

Wegen der Trottel hinterm Steuer.
Die Erleuchtung kam mir am Lichtsignal und ich lasse Euch an meiner Weisheit nun teilhaben.
Aus der Ferne mit zusammengekniffenen Augen erkennt ihr auf der Klettgauerstrasse, dass die Lichtsignalanlage auf der Kreuzstrasse auf grün springt.
Bevor ihr auch nur eine Pedale eures Gefährts bedient hat, steht die Ampel wieder auf rot, keinen Millimeter habt ihr euch bewegt.
Wechselt also auf grün, der Fahrer in der Pole Position ist unter Umständen bereit, flitzt los. Der zweite zurrt erst noch den kleinen Hubert im Maxi-Cosi fest, startet mit zwei Sekunden Verzögerung. Der Dritte schliff bereits die Kupplung, zieht jedoch nun die Handbremse hoch um die gesamte Konzentration auf den eingeleiteten Hupvorgang zu richten. Daraufhin muss Wagen 2 eine Mischung zwischen entschuldigender Geste und Stinkefinger durch die Heckscheibe senden, kann deswegen wieder nicht starten, während seinerseits Wagen vier das Horn erklingen lässt und die Öko-Schaltung in Wagen fünf den Motor wieder abwürgt.
Mit Ach und Krach schaffen es in der äusserst knapp bemessenen Grünphase vier Wagen über die Kreuzung, bevor das rote Licht angeht. Der Rest rückt nach.

Würden alle Fahrzeuge synchron starten und gleichmässig beschleunigen, wäre der Durchfluss einiges effizienter.
Ihr könnt dies ganz einfach nachstellen. Reiht 5 Spielzeuautos hintereinander. Zieht nun eines nach dem anderen über die Linie, oder schiebt mit dem hintersten alle fünf über die Ampel.

Dasselbe Prinzip im Stau. Einfach umgedreht.

Hohes Verkehrsaufkommen, die Autos reihen sich dicht an dicht, Wagen A tippt kurz auf die Bremse, da sich eine Baustelle ankündigt.
Wagen B weiss jedoch nicht, dass A nur auf die Bremse tritt weil er ein dämlicher Trottel ist und keine wirkliche Gefahrensituation besteht. Nach der verzögerten Reaktion und dem zwangsläufigen näher auffahren, tritt er einiges vehementer in die Eisen. A mag schon wieder flott des Weges tuckern, während B ebenfalls wieder beschleunigt. Doch die Welle hat sich längst fortgesetzt, jeder ist ein wenig überraschter, bremst ein klein wenig mehr und in etwa Wagen K kommt zum kompletten Stillstand. Einmal Stillstand und die Sache ist gegessen, wir haben den Stau.

Dieselbe Situation mit dieser Pseudo-Überholspur.
Erklär mir mal einer, was ein Reisecar mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von
100 km/h auf selbiger zu suchen hat. Mag meinetwegen eine Laster vor ihm mit den erlaubten 80 km/h tuckern, ist dies ein Grund, den gesamten Autobahnverkehr zu gefährden und auszubremsen? Die Strecke von Winterthur Seuzach bis St. Gallen Gossau, 39.5 km, bewältigt er so gerade einmal 5 Minuten schneller. Den Stau, welchen er verursacht, weil er sich mal eben auf die linke Spur zwängen muss, gefährdet Verkehrsteilnehmer und verursacht einen Stau.
Von Brummifahrern welche Brummifahrer überholen wollen wir gar nicht sprechen. Aber klar, die werden auch auch nicht geblitzt. Auch wenn sie ihre erlaubten 80 km/h um zehn überschreiten, sind sie immernoch 30 km/h langsamer als die theoretische Höchstgeschwindigkeit für alle anderen Automobilisten.Ein überholender LKW bremst euch über 1,5 km aus, benötigt dafür im Idealfall etwa eine Minute, während ihr in dieser Zeit ohne die Gesetze grob zu verletzen das doppelte zurücklegen könntet. Nur um noch etwas mit den Zahlen zu spielen.

Doch nicht nur LKW bremsen einem aus, auch Personen, welche ihr Vehikel nicht beherrschen. Öko hier, Schadstoffarm dort, was feststeht; Die Wagen sehen heute allesamt wie rundgelutschte Bonbons aus, werden jedoch immer schneller. Dennoch beherrschen die Lenker den Verkehrsfluss immer weniger. Während man früher die 50 Pferde stets bei Laune hielt, den Windschatten benutzte und Schwung auf die linke Spur mitnahm, fasst der heutige Lenker erst auf der linken Spur den Entschluss, das Gaspedal durchzustampfen. Er mag dann meinetwegen in drei Sekunden auf Überschall beschleunigen, es ist irrelevant, weil der Hintermann bereits bremsen musste, siehe Abschnitt wie entsteht ein Stau.

Kommen wir zum Punkt, schuld sind die Gesetzeshüter.
Es ist natürlich einfach und auch sehr bequem, einen Radar zu positionieren, welcher jeden ablichtet, welcher die Höchstgeschwindigkeit um vier Stundenkilometer überschreitet. Bei Sonnenschein nach Vignetten Ausschau zu halten und Handgelenk mal Pi die Abstände der Fahrzeuge zu kontrollieren ist gewiss auch ein netter Zeitvertreib.
Viel zu mühselig dagegen, die ach so korrekten Fahrzeuglenker, welche diese aggressive Fahrweise erst provozieren, am Schlafittchen zu packen.

Wer mit hundert Stundenkilometer auf der Autobahn gondelt, sollte vielleicht besser auf gemütlichen Kantonsstrassen fahren.
Wer seinen Wagen aufgrund einer Baustelle aprupt abbremst, ist vielleicht zu ängstlich, um im Strassenverkehr mitspielen zu dürfen. Fahruntauglich möchte man sagen. Für solche Leute gibt es Bahn und Bus mit professionellen Chauffeuren.
Jedem, der auch nur in Erwägung zieht, auf einer Autobahn die Bemse zu betätigen, werfe ich ‚Nicht beherrschen des Fahrzeugs‘ vor. Solange keine Kinder auf der Bahn spielen oder da ein Sofa liegt, gibt es absolut keinen Grund, dieses Pedal zu betätigen. Keinen. Man bremst seinen Wagen auf der Ausfahrtstrecke, dafür ist sie da, und lässt ihn gemütlich in eine Fahrbahnverengung rein rollen. Meine Güte, dann hat er vielleicht für 50 Meter noch neunzig Stundenkilometer im achtziger-Bereich, da gehört doch etwas gesunder Menschenverstand hin. Allemal umweltschonender als Stop & Go.
Aber nein, statt dass man den Verkehr in den Gubrist gleiten lässt, stellt man zwei Radarkasten auf, damit auch gewiss jeder auf die Eisen latscht. Wer auf die Überholspur wechselt, fädelt sich mit der entsprechenden Geschwindigkeit ein, so jemand hinter ihm Bremsen muss, hat er den Verkehr gefährdet, gewiss gibt es da einen Gesetzestext.
Einen Reissverschluss könnte man mit 120 km/h fahren. Aber es genügt ein Einziger, welcher denkt ‚Und dies ist jetzt meine Spur‘ und schon steht der Verkehr.

Vielleicht keine Patentlösung, aber gewiss ein Rezept gegen Stau, welches eine Chance verdient hätte.
Doch solange die Polizei und TCS-Geschwindigkeitstafeln jedem rollenden Verkehrshindernis auf die Schulter klopfen funktioniert dies nicht.
Anstelle dem Rentner die 30-Jahre-unfallfrei-Plakette an den Filzhut zu heften, eine deftige Busse wegen gefährdendem Unterschreiten der Höchstgeschwindigkeit in den Kragen stopfen wäre Gold wert. Vielleicht würden die Strassen plötzlich etwas leerer werden, wenn Sonntagsfahrer Gefahr laufen, mit fünfzig Stundenkilometern ausserorts den Ausweis zu verlieren.

Warum nicht einmal als Pilotprojekt auf der Strecke Winterthur-Töss bis Wülflingen zwischen vier und sechs Uhr mit erhöhter Polizeipräsenz die unsicheren Autofahrer zur Rechenschaft ziehen?  Einen Präzedenzfall schaffen.

https://youtu.be/IzMpOvKxXdM

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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