Tales from the kitchen, Kochen nach Dukan

Knopf drücken, Wasser sprudelt, Knopf drücken, Wasser sprudelt nicht, Knopf drücken…

Könnte ich den ganzen Tag lang machen, lacht nur, doch genau dieses bisweilen kindliche Gemüt zeichnet mich doch aus, nicht wahr?
Als ich meinen Induktionsherd erhielt, fühlte ich mich wie Robinson, als der Blitz ihm das Feuer schenkte.
Ich hebelte den Ofen selber aus der Küchenkombination, angesichts der angeschlossenen Drähte wartete ich dann doch auf den Elektriker Schrägstrich Vermieter Schrägstrich Vater. Nach meinem Dafürhalten war die Sachlage wohl klar, vier Drähte am alten Herd, vier Drähte am neuen Kochfeld und der Bunte ist die Erde. Hätte ich so angeschlossen und mein Kochfeld ganz kurz, aber ganz hell erleuchtet
Glücklicherweise erhielt ich einen Crash-Kurs in Elektrotechnik und letztenende zogen wir gemeinsam noch einen weiteren Draht in den Keller, so dass mein Kochfeld auch noch einen Nullleiter erhielt. Man lernt nie aus.

Gestern standen Muffins auf dem Plan. Nach Dr. Dukan, natürlich.
Man nehme die unvermeidliche Haferkleie, etwas Weizenkleie, Magerquark, Eiweiss und Eigelb, dies einmal als Basis.
Danach kommt der interessante Teil, jener welcher nicht im Rezeptbuch steht. Drei Tropfen Schoko-Aroma noir, einen halben Teelöffel flüssigen Süssstoff und so weiter. Glücklicherweise neige ich zum Teig naschen während der Zubereitung, von der Oetker-Fertigmischung bis zu den eigenen Produktionen.

An dieser Stelle erinnere ich an die Oma meines Bruders – klingt komisch, hat aber seine Ordnung – welche eine richtige Nonna war. Klassisch, klein, rund und irgendwie respekteinflössend. Von Zeit zu Zeit war man zum Mittagessen geladen, was nicht immer das reine Vergnügen war. Für kleine Jungen gab es nicht viel Möglichkeiten sich zu beschäftigen und auf dem Fernseher waren die ersten Tasten für RAIuno, Canale 5, TSI etc. reserviert. Der Senderspeicher des Bildempfänger Telefunken 79 war damit erschöpft, oder mehr interessierte Nonno und Nonna eben nicht, jedenfalls gab es kein RTL und kein Sat 1.
Des weiteren wurde Risotto kredenzt. Ich weiss nicht, ob ich Risotto jemals mochte, oder seit jeher eine Abneigung gegen diese eingekochte Pampe hegte. Nonna pflegte stets zu sagen, nicht zu wissen wie es schmeckte, sie hätte nicht probiert und schon da fragte ich mich, wie kann man kochen ohne zu probieren, aber ich hütete mich natürlich danach zu fragen.
Jedenfalls erhielt ich stets eine ordentliche Kelle auf den Teller geklatscht – letztendlich war ich ein Pummel und die Menschen schienen stets zu denken, diese Wampe muss auch ordentlich gestopft werden – und sass vor diesem dampfenden, nach Pilzen riechenden Haufen. Über der linken Schulter blickte die heilige Maria auf mich hernieder, rechts hing Gottes Sohn am Kreuz und ich mitten drin mit dem zitternden Löffel in der Hand.
Eine Sekunde zu lange, denn sobald Nonno registrierte, dass der kleine Pummel noch nicht mit der Nase im Teller hing, tönte es „Ah, de Romano wartet uf parmigiano (o.ä)“; Widerstand zwecklos, mit blossen Händen, viel Hingabe und im Schweisse seines Angesichts wurde der Teller mit einer amtlichen Schicht Parmesan überschüttet.
Nun zog die ganze Sache lange Fäden, was die gefühlte Endlosigkeit der Vorspeise auch noch visualisierte.
Ich will der Nonna selig gewiss nicht postum gegen das Schienbein treten, gewiss war dies ein ausgezeichneter Risotto; Ich hatte ihn einfach nicht zu schätzen gewusst und auch heute noch kann man mich mit schleimiger Speise und Pilzen in die Flucht schlagen.

Nun, sie probierte nie, ich probiere oft und so versuchte ich mich einem Chemiker gleich an die Rezeptur der Schokoladen-Kuchenmischung heranzutasten.
Entölter Kakao aus dem Reformhaus, ordentlich reingeschüttet, die Bitterkeit mit Süssstoff entzogen, eine Prise Nespresso Gold in Wasser gelöst, noch etwas Aroma, eine Prise Salz, ein Hauch Zimt; Ich gestehe, es machte richtig Spass.duesentriebIch würde behaupten, meine Mischung reichte an Dr. Oetkers Kuchenrezept heran, mit dem Unterschied, dass bei mir eine Idee Mokka mitschwebte.
Die ganze Sache in die Muffin-Förmchen abgefüllt und ab in den Ofen. Schokoladeduft im ganzen Haus, fantastisch, hätte Jamie Oliver gesagt.
Aus dem Ofen gezogen, aus dem Förmchen gelöst, die grosse Ernüchterung. Geschmacklich zwischen einer ordentlichen Kartonschachtel und den bunten Chips, mit welchen Versandwaren vor der Beschädigung geschützt werden. Ich würde nicht von ungeniessbar sprechen, aber wie alles in der Dukandiät, nicht mehr als ein Wattebäuschchen, dass den Magen füllt.
Es geht nunmal einfach nicht ohne Butter und Öl, da kann er noch so sehr von seinen leckeren Rezepten predigen. Mir scheint, all die künstlichen Ersatzstoffe verpuffen bei einem Grad über Zimmertemperatur und alles was bleibt, ist der Betrag auf Dukan’s Bankkonto.muffins

Nichts desto trotz erhielt der Doktor heute eine neue Chance. Den Rinderbraten machte ich klassisch, versuchte einfach ein wenig auf Salz und Fett zu verzichten.

braten-2Huch, Nudeln! In der Tat. Allerdings sind dies Konjak-Nudeln. Konjakmehl ist das Produkt der gemahlenen Wurzel der Teufelszunge und wird in der chinesischen Küche schon lange eingesetzt. Schmeckt irgendwie nach nichts, hat dafür auch keine Nährwerte und mit einer Prise Salz finde ich sie, trotz grenzwertiger Konsistenz, ziemlich lecker.
Nach Dr. Dukan wollte ich eine Kräutersauce dazu machen. Maisstärke, nach dem Öffnen holte ich den Staubsauger und wechselte das Shirt, Magerquark und Wasser. Dazu jede Menge Kräuter.
Die Masse würde wohl dazu dienen eine Kelle mit einer Pfanne unwiderruflich zu binden, das ganze mit einem Hauch Petersilie auf Zwiebel, aber von geniessbar keine Rede.
Langsam zweifle ich an meinen Kochkünsten, oder Dr. Dukan veräppelt mal kurz die ganze Welt mit seinen Rezepten.
Man müsste einen Promi fragen, die schwören ja auf die Diät.

Nach einer Stunde Küche schrubben, ich habe ein neues Flutlicht, welches einem keinen Krümel übersehen lässt, habe ich das Wochenende auch schon beinahe wieder über die Bühne gebracht.

Mittlerweile starte ich in die vierte Woche Diät. Gestern im Kino war es einmal mehr schwierig, speziell, als der Kakao-Duft der M&Ms durch den Saal wehte.
Glücklicherweise zwängte sich rechts von mir ein Fleischklops in den Sessel, auf dem Schoss eine grosse Portion Nachos mit doppelter Käsesauce balancierend. Etwas zurückgelehnt, den Kopf gemütlich auf dem Doppelkinn abgelegt, wurde der Maissnack einem Schaufelbagger gleich in die Lucke geschoben. Die Trailer waren halb durch, als er den Rest seiner Tüte – welche er so lange auf meiner Armlehne deponiert hatte, da sein Sitz gnadenlos ausgefüllt war – in die Schale kippte und pünktlich zum Kinepolis-Intro hatte er sein Mahl beendet.
In solchen Moment vergeht mir einerseits die Lust auf Essen, andernseits fühle ich mich bestätigt und bin nur dankbar, die Kurve noch gekriegt zu haben.
Nennt mich oberflächlich, aber ich bin froh, dass es mir nie egal sein wird, ob das XXL-Star-Wars-Shirt noch meine gesamte Körperoberfläche bedecken kann, oder mir der Bauch unterm Shirt raus, über das Gemächt hängt.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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