Traumfrau gesucht mit RTL 2

Der Eindruck mag täuschen, aber es deucht mich nicht, dass ich übermässig am jammern wäre.
Nichts desto trotz stelle ich fest, mein gesamtes überblickbares Umfeld hat ein starkes Interesse daran, mich unter die Haube zu bringen. Oder mich ins Ausland zu schieben, oder vielleicht lässt sich dies doch gleich kombinieren.
So werde ich von Arbeitgeberseite angehalten Ferien zu beziehen um ein soziales Netzwerk aufzubauen und im Bekanntenkreis wurden mir gar Online-Partnerportale schon nahe gelegt.

RTL 2 greift Männern wie mir unter die Arme und schiebt sie auch gleich ins Ausland ab. Zum Beispiel nach St. Petersburg, da gäbe es die schönsten Frauen, erklärt mir der Sender.
Nach drei Minuten ist auch klar, wieso die Herren ihr Glück in der Fremde suchen müssen.
Der Reisekaufmann in den Mittfünfzigern mit Schlips in Puma-Muster und passendem Einstecktuch trifft die Russin mit der – Original-Ton – Mittelklasse-Figur, Grösse 38 und neckisch hervorblitzendem BH.
Der Walther machts mit Geschenken, ein Parfüm für die Dame – er nötigt sie auch gleich es aufzutragen um seine Nase in ihr Dekollete zu stecken – und einen ferngesteuerten Wagen für Ihren Sohn, die Dame gibt es im Komplett-Paket. So man einer Dame etwas technisches schenkt, muss man sie entsprechend instruieren; spricht der Womanizer aus Berlin. Mit Schweissperlen auf der Stirn, der Brille auf dem Nasenspitz und Zunge zwischen den Zähnen versucht er mit einem Schraubenzieher Grösse Stemmeisen das Batteriefach zu öffnen, während seine Angebetene mehr oder minder gelangweilt aus dem Fenster sieht. Wir dürfen nicht vergessen, das erste Date.
Als das deutsche Mitbringsel endlich fahrbereit ist, erhält die Dame Instruktionen betreffend der Fahrweise, stellt sich in Walthers Augen doch furchtbar ungeschickt an, was ihn nun so richtig in Rage bringt, kurz vor dem Überkippen.
Dennoch ist er der Überzeugung, dass die Dame Sympathien hegt, fällt dann auch aus allen Wolken, als er feststellt, dass unter der zugesteckten Nummer kein Anschluss ist.

Das nächste Opfer schiesst er bereits mit Zudringlichkeiten beim Picknick ab und gibt der gemeinsamen Zukunft den Gnadenstoss, als er beginnt in Kleinkindmanier auf einem motorisierten Nilpferd durch den Park zu fahren und anschliessend zur Begleitmusik noch ein Tänzchen vollführt.
Das war der Walther.

Eine halbe Stunde um, noch immer warte ich auf die schönen Frauen, aus blosser Neugier.
Aber Elvis hat schon recht, als er bemerkt; „Von weitem todschick, sie kam immer näher… da fand ich sie nicht mehr so schön…“
Gut, er besitzt selber die Grazie eines russischen Tanzbären, aber immerhin ist er ja hierher geflogen, bezahlt eine Partnervermittlerin, ich kann seinen Unmut verstehen. Ein finanzielles Desaster, so drückt er es aus, und als er noch den Eintrittspreis für den Besuch im Sandburgenland abdrücken sollte, meint er; Ne, lass mal.
Seine Anspüche sind natürlich auch nicht die niedrigsten. Sie soll ihm bei seiner Diät helfen, sie soll ihm helfen einen Job zu finden…

Ob Prag, Kiew oder St. Petersburg; Die Partnervermittlerinnen gehören mit ihren Katalogen in die Wolga befördert.
Was die an Weibsvolk anschleppen motiviert mich nicht direkt in den Osten zu gehen.
So versucht sich der Dennis im Biergarten die alte Martha schön zu saufen, wirft aber das Handtuch, solange er noch aus eigener Kraft geradeaus gehen konnte.
Der gute Elvis versucht sein Glück auf eigene Faust.
In der Meinung, in Russland brauche man die Damen nur von der Strasse zu pflücken, spricht er an, was zwei Beine hat und einen Rock trägt. Fassungslos stellt er fest, dass die Frauen lieber vor die Strassenbahn springen, als mit ihm zu sprechen.

Fazit, eine Sendung wie man sie von RTL 2 erwartet. Qualitativ durch den Türspion gefilmt, der Inhalt kann transportbedingt auf einen Hauch warme Luft zusammenfallen und nicht einmal für eine Blog-Serie à la Schwiegertochter gesucht reicht es.
Was eigentlich die Hauptmotivation für das Gucken war.

Und darum beende ich hier auch diese peinliche Nummer.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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