Viel Verkehr am Wochenende – Presseschau

Viele Autos fahren einerseits schneller als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde, andernseits ignorieren sie den Rechtsvortritt.

SN 27. April 2012

So Frau Lara Toffolon aus Flurlingen, anlässlich der unverschämten Dreistigkeit, mit welcher die Automobilisten den abendlichen Stau an der Katzensteig via Flurlingen umgehen.

Richtig, die Neustrasse ist selbige, bei welcher die Intelligenzbestien von Raumplanern die Strassenbeleuchtung vom Gehsteigrand in die Fahrbahn versetzt haben. Zudem ist es eine der wenigen Hauptstrassen, oder eben nicht, bei welcher jede einmündende Strasse den Rechtsvortritt geltend machen kann.
Schon früher, als es eine normale Strasse war, fuhr man aufgrund des Gefälles im dritten Gang mit 60 Stundenkilometern, im zweiten Gang heulend mit 40 Stundenkilometern oder alternativ mit glühenden Bremsscheiben von der Winterthurerstrasse zur Rheinbrücke runter.
Dann diese baulichen Massnahmen. Nun erinnern die Autos eher an hüpfende Känguruhs, da man in 30 Meter-Abständen in die Eisen latschen muss, um den schlecht einsehbaren vortrittsberechtigten Strassen von rechts Rechnung zu tragen. Sollte da wirklich einmal jemand stehen, ist er sich nicht bewusst, dass er Vortritt hat und der Verkehr steht erstmal.
Fahrer welche ihr Rechtsvortritts-Recht nicht wahrnehmen sind beinahe von selber Mühsamkeit, wie hektisch winkende Rentner am Fussgängerstreifen; Man solle weiterfahren möchten sie einem signalisieren. Natürlich nicht solange man rollt, sondern erst, wenn die Räder stehen. Nur schon aus Prinzip bleibe ich stehen, im Endeffekt verzeigt einem die Ratte noch.
Rentner führen auch gerne Gespräche am Fussgängerstreifen, da trifft man sich halt; Ich bleibe stehen, bis sie die Strasse überquert haben, ob sie nun auf die andere Seite wollen oder nicht. So sind die Verkehrsregeln.

Weiter auf der Neustrasse; Im unteren Teil stehen die Kandelaber im Weg. Dass man in der dreissiger-Zone damit rechnen muss, dass Blumentöpfe auf der Fahrbahn stehen hat sich eingebürgert. Aber auf einer normalen Strasse Laternenmasten können einem schon überraschen. Aber der Stop & Go-Verkehr ist gut für lange, heisse Sommer.

Der Gemeinderat möchte nun an selbiger Strasse Parkfelder links wie rechts verteilen, um den Verkehr zu bremsen.
In einer Hauptverkehrsachse ist mein parkiertes Auto als Hindernis also erwünscht, in einer kaum befahrenen Seitengasse der Stadt werde ich für dieses Tun gebüsst.

Hä, die Polizischte.

Weiter im selben Intelligenzblatt;

Wir müssen hier praktisch von 60 auf 100 beschleunigen – das ist vielleicht mit einem Turbo möglich. Aber nicht alle sind es gewohnt, so schnell einzuspuren.

SN 27. April 2012

So Stephan Dové, Gemeindepräsident von Laufen Uhwiesen.
Erstmals; Turbo’s sind schlecht für lange heisse Sommer, besser grosse Motoren mit grossem Spritverbrauch verwenden.
Zweitens; Der Gemeindepräsident gibt unumwunden ein Nichtbeherrschen des Fahrzeugs vor; Er weiss nicht wie man beschleunigt. Ein jeder, welcher schon einmal ein gerichtliches Schreiben mit der Aussage “Nichtbeherrschen des Fahrzeuges” erhalten hat weiss, nun ist erstmal ein Monat Busfahren angesagt.

Mein lieber Herr Dové, bei der Einfahrt Reichenburg auf die A3 muss man sogar von 60 auf 120 beschleunigen, stellen sie sich dieses Szenario vor!
Aber ganz grundsätzlich gilt; Wer sich nicht befähigt fühlt sein Fahrzeug zu beschleunigen, der sollte vielleicht Autobahnen meiden. Auch wenn sie nur Mini sind.
Und enge Parkplätze, knappe Seitenstrassen, das Fahren im Stossverkehr, Situationen welche schnelle Reaktion erfordern und bitte; Umfahren sie Schulen weiträumig! Zum Wohle aller.

Mit wem halten jetzt die Einsamen ein kurzes Schwätzchen, das auch nur aus ein paar wenigen Sätzen bestehen kann?

SN 28. April 2012

sorgt sich Herr Gerold Külling aus Schleitheim in einem Leserbrief, bezüglich dem Busbillet-Bezug am Automaten statt beim Chauffeur.
Diese Möglichkeit zur Bekämpfung der sonntäglichen Einsamkeit habe ich noch nie ins Auge gefasst. Gerade weil der Schreiber im gleichen Brief befürchtet, der Chauffeur vereinsame obwohl er eine ganze Wagenladung Menschen transportiert.
Bitte; So ich beginne Sonntags Bus zu fahren, nur um mit jemandem zu sprechen, möge sich einer meiner wenigen sozialen Kontakte erbarmen, mit mir einen finalen Spaziergang auf die Hemishofer-Brücke zu unternehmen.

Beschliessen wir die Presseschau mit einem gelupften Krönchen:

Geschätzte Kritiker der Miss-Schweiz-Wahl

Sie haben recht. Es existiert eine massive Übersättigung an Castingshows aller Art, explizit an Schönheitswahlen. Von der Apfelkönigin bis zur Miss Alpenrhein kann man sich nahezu in allen Bereichen eine Schärpe umhängen lassen. Die Absetzung vom Schweizer Fernsehen empfinden Sie als folgerichtig, am liebsten würden Sie die Wahl gar ganz absetzen, um diesem «narzisstischen Trend» ein Ende zu setzen.

Ich stimme Ihnen zu, ich mag auch keine Menschen, die sich per se und mit absoluter Talentfreiheit nur über ihren Titel profilieren.

Am liebsten wettern Sie, falls möglich noch unter der Gürtellinie, über Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger, betitelt sie in Kommentaren als «unechte Schauspielerin», welche nur «eine billige Schauspielschule, die man ohne Talent besuchen kann», absolvierte. Und «Tages-Anzeiger»-Redaktorin Simone Meier schreibt in einem Kommentar gar von einer «Parade der Peinlichkeiten – Kerstin Cooks Studienlüge, das national sichtbare Tamponschnürchen der Cleo Heuss, all die Mädchen, die das Matterhorn nicht erkannten und höchstens vier Kantonswappen richtig zuordnen konnten.» Besten Dank an dieser Stelle für dass Kompliment. Schmeissen Sie uns bitte alle in einen Topf und sprechen Sie uns ruhig jegliche Form von Individualität ab.

Respektlosigkeit über Respektlosigkeit macht sich in der momentanen Debatte über die Miss-Schweiz-Wahl breit. Die Mädchen werden schubladisiert und das Negative wird aus allem herausgequetscht. Wobei ich Ihnen eines versichern kann: Diese Seiten findet man bei jedem und allem. Wer suchet, der findet. Wo aber bleibt Offenheit und Toleranz gegenüber Andersartigen und Andersdenkenden?

Die Miss-Schweiz-Wahl hat kein Recht mehr auf Existenz, weil sie in der momentan vorherrschenden neoliberalen Strömung nichts mehr zu suchen hat. Was keine Leistung bringt, ist nichts wert. Es geht um Leistungs-, Wettbewerbs- und Konkurrenzfähigkeit. Chancengleichheit, Integration und Partizipation ist ein müdes Echo aus der wilden 68er-Bewegung.

Die Quotenfrage scheint mir eher fragwürdig. Vergleicht man die Miss-Schweiz-Wahl mit der Hauptausgabe der Tagesschau sind die Quoten natürlich bedenklich. Grundsätzlich ist es aber so, dass das Schweizer Fernsehen allgemein mit der Quote kämpft, dies vor allem aus zwei Gründen: die primäre Zuschauergruppe wird immer älter, und die Jungen haben ein anderes Medienverhalten. Die Miss-Schweiz-Wahl war mit Sicherheit eine der Sendungen mit dem jüngsten Zuschauerschnitt und hätte durchaus auch als Zielgruppenverjüngung funktioniert. Die Kooperation für eine Veränderung hätte diesbezüglich aber von beiden Seiten kommen müssen.

Der Urtrieb, besser, schöner und schneller zu sein, ist in uns – ob bewusst oder unbewusst, ob Sie es, geschätzte Kritiker, sehen wollen oder nicht. Durch Impulse kommt er immer wieder zum Vorschein. Den menschlichen Urtrieb, sich zu gleichen, hat es immer gegeben – und es wird ihn immer geben.
Es stimmt, es braucht eine Veränderung am Konzept Miss Schweiz, es braucht mehr Charakter und mehr Hintergrund. Trotzdem bitte ich Sie, Ihren Habitus der Nörgelei endlich einmal einzustellen. Die Miss-Schweiz-Wahl ist nicht abgesetzt, sondern nur verschoben.

Ich bitte Sie daher, geschätzte Miss-Wahl-Gegner, die Sie sich gegen die Sinnlosigkeit dieser Wahl aussprechen: Hören Sie auf, sich den Kopf zu zerbrechen, was Sie mir nun über meine Zeilen an den Kopf werfen wollen, denn das ist auch sinnlos, und tun Sie stattdessen etwas Sinnvolles. Es gibt genug zu tun auf dieser Welt.

Mit freundlichen Grüssen

Julia Flückiger
Vize-Miss-Schweiz, Psychologiestudentin

 

Blick 27. April 2012

Ich beschliesse mit einem simplen “Ui nei……”

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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