Von Bibern und Lichtbildern

Juhuu, mein erster Shitstorm!
Also eher ein laues Lüftchen im leicht gefüllten Wasserglas, aber hey; Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Das Pflänzchen ist noch zart, aber es kann wachsen.

fb-alte-badeanzügeDrei Damen. Unterschiedlicher Generationen. In zeitgemässen Badeanzügen.
In der Mitte das Küken, braucht sich nicht zu verstecken. Keck ein Bein angewinkelt, die Hüfte links frech ausgestellt, mit einem nahezu lasziven Schwung im Becken. Freche Streifen peppen das tief ausgeschnittene Badekleid aus. Die Frisur gescheitelt, aber mit diesen dynamischen Locken über dem Ohr, das Haupthaar frech hinter das linke Ohr gelegt. Ein Lächen, welches zu sagen scheint; Du weisst schon, nudge nudge.
Zu ihrer Linken die strengere Schwester. Auch sie besticht indem sie Knöchel zeigt. In der Haltung etwas verkniffen, geht aber ins verschmitzte über. Uneins, ob sich eine solche Fotografie überhaupt geziemt, immerhin ist das Lachen auf Lichtbildern noch etwas freches, neues. Die rebellische Jugend. Das Haar zum Dutt geformt, lustig haben sich ein paar Strähnen befreit und wirbeln um das Gesicht.
Eine unfreiwillige, aber erheiternde Lockerheit unterstreicht das Gesamtbild.
Wobei da noch die Mutter ist. Steht für Zucht und Ordnung, nichts desto trotz betont sie mit einem kleinen Gurt ihre Taille. Sie will mit der Dynamik mitziehen, fühlt sich jedoch in der Rolle nicht ganz wohl, stramm dastehend und dennoch die Nähe zur Gruppe suchend. Es war einfacher, als man noch rund um den Stammhalter posierte und mit ernstem Ausdruck auf den Magnesiumblitz wartete.

Hätte ich wohl schreiben sollen.
Statt dessen verstiess ich gegen eherne in Stein gemeisselte und Bronze gegossene Regeln der Gruppe. Ich kritisierte eine Photografie welche a) in schwarz-weiss gehalten, b) altersmässig die erste Photografie überhaupt sein könnte und c) aus der Region Schaffhausen stammte.
Ein absolutes No-Go.

Das „Rede wie aam de Schnabel gwachse isch“ wird hoch gehalten, daher schrieb ich, was mir durch den Kopf schoss. In etwa, dass ich solche Bilder nicht zum Frühstück brauche.
Die unbeugsamen Kräfte der Schwerkraft wirken ungezähmt auf die Körper dreier Damen. Sackartiges Leinen, lieblos über die Körper gehängt, von Beschaffenheit und Struktur denkbar ungeeignet, jeglichen Körperteilen Halt zu bieten und Form zu geben. Wohl nicht transparent, aber es muss ein kalter Tag gewesen sein und der Fantasie wird nicht mehr viel Raum gelassen, den Eindruck im Kopfkino zu beschönigen.

Seit ich als kleiner Junge einen Stock in ein Wespennest stak, war nicht mehr soviel Wirbel um mich.
Dies seien Frauen und verdammt nochmal hübsche Frauen, weil im Grundsatz alle Frauen hübsch sind und keine andere Adjektive zugelassen sind, es sei den die Steigerung mittels aller Möglichkeiten, welche uns Superlative schenken.
Dies sei der weibliche Körper in seiner naturbelassenen und perfekten Schönheit, ich solle meine Hochglanzmagazin geformten Fantasien in das Reich der Träume schicken und meine Meinung revidieren.
Ich kam nicht umhin zu bemerken, dass die Erfinderin des Büstenhalters – happy Birthday zum hundersten – sich gewiss Gedanken gemacht habe, zum Beispiel, dass Biberschwänze hinterteilig eines Nagetiers oder auf dem Kopf eines Trappers ganz in Ordnung sind, aber bitte, doch nicht frontseitig einer Frau.

Uff, das Wespennest zusätzlich noch mit Steinen bearbeitet.
Korrigiert mich, aber ein gewisser Prozentteil des Umsatzes der Stahlindustrie stammt aus der BH-Manufaktur. Nebst stützenden Metallteilen, werden Stoffpolster, Silikonbeutelchen und gar aufblasbare Luftballönchen, dies kannte ich nur von meinen Turnschuhen, verwendet. Nur die Frau weiss, welche Zauberei zugunsten der weiblichen Brust noch getrieben wird und meine Güte; Das ist doch in Ordnung so. Korrigiert mich, aber ich glaube weniger an medizinische Gründe für diese optische Korrekturen, dies dient doch lediglich der Kosmetik, für das eigene Wohlbefinden und der Wirkung auf das andere Geschlecht.
Was ist nun daran verkehrt, wenn ich diese kleinen Schwindeleien gutheisse?

Der Herr-der-gewiss-nicht-genannt-werden-mag mag es natürlich, ihm gefallen auch diese Fotos, aber Antiquitäten sind im Grundsatz sein Steckenpferd. Warum sollte er nicht auch auf Mieder aus Walfischknochen, Unterröcke aus Jute und Brüste ohne Halt stehen? Glücklicherweise sind die Geschmäcker verschieden.

Mit meiner Einstellung als oberflächlicher Mistkerl kommt die Dame-die-nicht-genannt-werden-mag so gar nicht klar.
Weil ich für eine Photografie von neunzehnhundert-Apfelschnitz nicht ins schwärmen gerate und Damen in unverteilhafter Kleider mein Blut nicht in Wallung bringen, bin ich für die gendergeprägte Neuzeit untragbar.Wenn ich wenigstens ansprechend aussehen würde, wäre meine Vorstellung von einem Topmodel an meiner Seite gerechtfertigt, aber solch ein Trostpreis… Es wäre Zeit auf den Boden zu kommen.
Auch ich würde einmal eine Frau mit Biberschwänzen an meiner Seite haben, was ich dann anstellen würden? Also mal ganz schön die Schnauze tief halten soll ich

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn mich eine Dame der Oberflächlichkeit bezichtigt, gerade, weil ich optisch nicht direkt ein Hauptgewinn wäre.
Was hängende Brüste betrifft; Es wird wohl nur ganz wenige Freaks auf der Erde geben, welche bei dessen Anblick vor Wollust überkippen. Nichts desto trotz gibt es gewiss viele Männer, welche dies nicht nur in Kauf nehmen, nein, welche es nicht im mindesten kümmert, weil sie eine tolle Frau haben. Glücklicherweise bestehen Frauen ja aus soviel mehr, als nur aus Brüste. Liebe Dame-die-nicht-genannt-werden-mag, ich finde es sehr schade, dass Du die Damen darauf reduzierst.
Fotografien haben es nun mal so an sich, von Röntgenaufnahmen abgesehen, dass sie ein oberflächliches Bild vermitteln und jeder, welcher nicht ein verdammter Heuchler ist, fällt aufgrund der optischen Erscheinung ein Urteil. Der erste Eindruck, werte Dame, ist stets die Erscheinung, so Du nicht von verminderter Sehkraft gepeinigt bist.
Wenn Mann oder Frau nicht Einfluss auf dieses Urteil nehmen will, dann erkläre mir doch bitte, warum Deine Fotografien wunderbar ausgeleuchtet sind und eine adrett geschminkte Dame präsentieren.
Ich unterstütze das Bestreben, einen guten ersten Eindruck zu vermitteln, Wert darauf zu legen wie man erscheint. Nicht zuletzt bedeutet dies, dass die Meinung des Gegenüber für einem ein gewisses Gewicht hat, was unterem Strich nichts anderes heisst, als; Du, der Du mir begegnest bist mir wichtig, es ist mir nicht egal, was Du denkst.
Eine schöne Idee, oder nicht?

Nun, diese Damen auf der Photografie wollten gewiss auch adrett erscheinen. In ihrer Zeit. Wenn wir heute darüber schmunzeln, lachen, die Möglichkeiten der figurformenden Moder der Neuzeit hochloben, sehe ich darin kein Falsch.
Es wäre wohl nicht ganz aufrichtig, wenn man diese Damen und ihre Badeanzüge als zeitlos schön betiteln würde. Ansonsten freut sich gewiss die ganze Gruppe auf ein Selfie, wenn Du nächste Saison in einem solchem Strampler über die grünen Flure der KSS flanierst.

Gewisse Dinge sind vergänglich, leider tragen wir Herren heute weder Zylinder noch schwingen wir den Gehstock – Gott sei dank müssen wir uns nicht mehr in Leggings Pumphosen, Schamkapseln und Rüschenblusen gewanden.

In diesem Sinne, danke ich Dir für meinen ersten Mini-Shitstorm, die Inspiration für einen Blog.

Jederzeit, wieder gerne.

biber

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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