Von grossem Verkehrsaufkommen zum Single-Abend

Eine Kantonsstrasse biete täglich 25’000 Autos Platz, daher sei das Nadelöhr bei Neuhausen mit kümmerlichen 9000 Fahrzeugen bei weitem noch nicht ausgelastet. Da hat Dino Giuliani absolut recht, nicht zuletzt bieten sich noch über 16km Platz um die Autos bis nach Trasadingen aufzureihen. Die Nebenstrassen nicht eingerechnet.

Welche Massnahmen ergreift nun Schildas Regierung?schildbuergerDer Verkehr muss in den Ortsdurchfahrten beruhigt werden.
Inwiefern dieses Vorgehen dem Stau am Nadelöhr Herr wird mag sich für den Normalbürger nicht direkt erschliessen, aber deswegen wählen wir auch Vertreter in die Regierung, welcher klüger sind als du und ich.
Den Verkehr beruhigen bedeutet nicht, dass Herr Schuler am Ortseingang Kamillentee und Valium ausschenkt, sondern, dass die Strassen schmaler werden und dem Autofahrer alle fünfzig Meter ein Blumentopf in den Weg gestellt wird.
Mit grossem Enthusiasmus ist auf diese Weise auch die Gemeinde Flurlingen ihr Verkehrsproblem angegangen. Nebst Blumentöpfen setzten sie auch auf Lichtmasten und Parkplätze auf der Fahrbahn.
„Slalom durch Flurlingen“, „Mehr Stau, mehr Abgase“… Völlig überraschend dominierten diese Überschriften die regionalen Berichterstattungen über Flurlingen. Mehr oder weniger Kleinlaut wurden die Blumentöpfe im Dezember des folgenden Jahres wieder aus der Fahrspur genommen.

Beringen plant nun nicht direkt Blumentöpfe, aber die Strasse soll enger werden. Löhningen will beobachten, wie dies funktioniert und daraufhin nachziehen. Und gerade der Löhninger Gemeindepräsident weiss in Sachen Verkehr Bescheid.bahnuebergang-loehningenDiese Bahnschranke zwischen Guntmadingen und Löhningen schliesst, sobald der Lokführer im Führerstand Schaffhausen oder Erzingen seine Mütze gerade rückt und den Zug in Bewegung setzt. In den darauffolgenden Minuten kann man auf die Leitplanke sitzen und eine Zigarette rauchen, sich der Leibesertüchtigung hingeben oder vor Wut in das Lenkrad beissen.
Gemäss dem Gemeindepräsidenten kann das Problem nicht so gravierend sein, sonst würden die Autolenker über Beringen ausweichen, was sie ja offensichtlich nicht tun.
Könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass man über diesen Schleichweg dieselbe Bahnstrecke 800 Meter weiter östlich überquert. Aber wir wollen ihm keinen Strick daraus drehen, dieser Übergang befindet sich ja quasi im Ausland.

Nun, sobald die Ortsumfahrung vollendet ist, Beringen sich entschieden hat ob der Adlerplatz eine Betonwüste oder Palmenoase werden soll, werden wir weiter sehen. Derweil spielt Herr Doktor Rawyler noch etwas Ampelmännchen in Neuhausen.unser-doktor-ist-der-beste

Der Kanton senkt die Sozialabgaben, ich berichtete, um den Bürgern einen Anreiz zum arbeiten zu schaffen. Der Leserbriefschreiber Stefan Lacher erdreistet sich darüber, würden die Sozialbezüger jetzt schon Brotrinde und Cervelathäute essen, bildlich gesprochen, weitere Kürzungen seien unmöglich.
Nicht, dass ich mich auf Recherchen von Leserbriefschreibern verlasse, aber wenn die Bezüge von Cervelathäute-essenden Sozialbezüger gekürzt werden müssen um sich den Löhnen der arbeitenden Bevölkerung anzunähren, müsste man die Geschichte mit dem Mindestlohn vielleicht noch einmal überdenken.

Urs Wernli, Präsident des Auto Gewerbe Verbandes, beteuert, ich zitiere, die Ablehnung gegen eine Verlängerung der Prüfintervalle von Kraftfahrzeugen „hat nichts, aber rein gar nichts zu tun mit dem Erhalt der Frequenz in den Garagenbetrieben“.
Natürlich nicht.and-now-for-somethingIch habe es Euch angedroht, gestern besuchte ich die Lass-Dich-Treffen-Party im Güterhof.

Als gebildete Leser habt ihr schon von der natürlichen Selektion nach Darwin gehört, die Theorie, dass eigentlich nur die Besten und Stärksten überleben und sich dementsprechend Fortpflanzen.
In diesem Sinne wird auch der Darwin-Preis an Menschen verliehen, welche sich selbst unfruchtbar machen oder selbst töten und im Zuge dieser Aktion eine unglaubliche Dummheit an den Tag legen. Er wird in der Regel posthum verliehen und folgende Kriterien müssen erfüllt sein.

  1. Der Preisträger muss aus dem Genpool ausscheiden, also sterben oder unfruchtbar werden.
  2. Es muss eine außergewöhnlich dumme Fehleinschätzung der Situation vorliegen.
  3. Der Preisträger muss sein Ausscheiden selbst verschuldet haben.
  4. Der Preisträger muss zurechnungsfähig sein, Jugendliche unter 16 Jahren sind ausgeschlossen.
  5. Das Ereignis muss nachweislich stattgefunden haben.

Beispiele einiger Preisträger:

  • Ein Rechtsanwalt warf sich gegen eine Scheibe im 24. Stock eines Hochhauses, um die Stabilität der Fenster zu demonstrieren. Das Fenster gab jedoch nach, er stürzte aus dem Gebäude und war beim Aufschlag sofort tot.
  • Ein Autofahrer, der sich während eines Staus erleichtern wollte, sprang über eine Leitplanke. Er übersah, dass sich direkt dahinter eine Schlucht befand.
  • Eine junge Frau fuhr bei starkem Regenfall in eine aus diesem Grund polizeilich gesperrte Straße und stürzte mit ihrem Mofa in einen kleinen Fluss. Kurz nachdem sie von einem Polizisten gerettet worden war, sprang sie erneut in den Fluss und ertrank. Es blieb unklar, ob sie flüchten oder ihr Mofa retten wollte.
  • Zwei Einbrecher wollten einen Geldautomaten aufsprengen und benutzten dazu so viel Sprengstoff, dass das gesamte Gebäude über ihnen einstürzte.
  • Ein 21-jähriger Mann sprang aus Spaß gegen einen aus einem U-Bahnhof ausfahrenden Zug der Berliner U-Bahn. Dabei geriet er zwischen die Waggons und wurde überrollt.
  • Ebenfalls in der Berliner U-Bahn nahm im Dezember 2009 ein 22-jähriger Randalierer während der Fahrt an den Haltestangen Schwung und trat eine Scheibe heraus. Dabei wurde er aus dem Zug gerissen und von einem aus der Gegenrichtung kommenden U-Bahn-Zug erfasst und tödlich verletzt.

Seine letzte Chance auf Fortpflanzung sucht, wer sich zur Lass-Dich-Treffen-Party im Güterhof einfindet. Ich wurde von einem Bekannten angefragt ob ich ihn begleiten würde, da er, verständlich, nicht alleine losziehen wollte. Ausser ein paar Stunden hatte ich nichts zu verlieren, also trat ich gegen 22 Uhr in das Lokal.
Entsinnt ihr euch an Schulfeste, zur Linken sitzen die Mädchen, zur Rechten die Jungs, Kuschelrock 3 dudelte durch den Raum und die ganze Sache kommt nicht in Schwung. Heute wird wohl Alkohol gereicht, in meiner Jugend sollten Spiele das Eis brechen. So wirkte gestern der Güterhof. Nur dass sich die männliche Klientel, siebzig Prozent, auf das Aussenden von coolen Vibrations beschränkte und mit eingezogenem Bauch und verkrampften Bizeps an einer Bierflasche nuckelte.
Währenddessen die Frauen sich hinter den wagenradgrossen Ananasstücken an ihren bunten Cocktailgläsern versteckten und mit jeder Faser die Botschaft „Bleib mir nur vom Leib“ verströmten.
Um Missverständnisse zu vermeiden wurden bunte Armbänder verteilt. Rot für „Sprich mich an“, Gelb für „Triff mich heimlich“ und Weiss für „Sprich mich nicht an“. Eine Presswurst in rotem Kleid gab von der Bühne die Regel bekannt, neben ihr ein Engel welcher zum Ansprechen von potentiellen Paarungspartnern ausgesandt werden konnte, so man selbst dazu keine Eier hatte und die Connector-Wand auch keinen geeigneten Hilfszettel zur Verfügung stellen konnte.connector-wandIm Grundsatz habe ich keine Mühe Frauen anzusprechen, vielleicht gerade, weil mich nicht interessiert, was da so den Vorteil des gedämpften Lichtes nutzen wollte. Was für Männer „Schwiegertochter gesucht…“ ist, stellt für Frauen die Lass-Dich-Treffen Party dar, der letzte Strohhalm, ganz kurz vor der totalen Vereinsamung und der Anschaffung einer Katze.
Figurformende Unterwäsche aus der HSE24-Schlankstütz-Kollektion traf auf Walter Freiwalds Zauberbody.zauberbodyDer ist nahtlos, nicht vergessen! Der Clip im Anhang.

Das Make-Up wirkt wie mit dem Spachtel aufgetragenes Moltofill und um die Augen urtümliche Bauernmalerei.
Die Carmen in etwa aus Bülach, geborene Schaffhauserin, wäre schon mit gezielten Absichten hier. Sonst wäre sie ja lieber in Zürrrri, aber heute begleitet sie ihre Kollegin, was mich veranlasste den Blick nach links zu wenden. Ja ist denn heut Walpurgisnacht? Lederhosen gefallen mir an sich, wenn man aber nicht sicher ist, ob dies Lederhosen sind und sie sich bis knitternd bis zum Haaransatz hochziehen oder da irgendwo ein Übergang zur nackten Haut stattfindet, verzichtet man gerne auf weitere Erkundungen. Carmen wäre nicht so übel gewesen. Mit zwanzig Kilogramm weniger, fünf Jahre jünger und vielleicht einem anderen Gesicht.
Aber ich machte ja nur den Wingman für meinen Bekannten, so konnte ich mich mit der Ausrede, mich mal eben erleichtern zu müssen höflich entschuldigen.

Irgendwie kriegte er es nicht gebacken, also sprach ich den Engel an und verwickelte die beiden in ein Gespräch, während ich eine Zigarette rauchen ging.
Er schaffte es sogar die bezahlte Animateurin in die Flucht zu schlagen, was anscheinend an seinem Ring gelegen hätte, welchen er am falschen Finger trug. Verheiratete Frauen sind mein Fachgebiet, worauf ich mich umgehend bei einer Dame erkundigte, an welcher Hand man den Ehering zu tragen hätte. Die Linke wäre es, zeigte mir die leere Stelle an besagtem Ringfinger und lud mich ein, einen Stuhl heranzuziehen.
Mit der Ausrede, dass mir heute Abend nichts Schöneres wiederfahren könnte, ihr Begleiter jedoch schon abwäge mir die Bierflasche über den Schädel zu ziehen, weswegen ich mich höflichst wieder empfehlen würde, stahl ich mich von dannen.
Eines kann man sagen, die Frauen an der Lass-Dich-Treffen-Party sind hässlich wie die Nacht, nennt mich oberflächlich, aber aufgrund der Tatsache, dass Männer sich auf das Aussenden von Signalen und markante Posen versteifen, hat jeder, welcher seine Zähne auseinander bringt reelle Chancen jemanden kennen zu lernen.

Während sich auf der Bühne einige Männer etwas zu geschmeidig zu den Hits von Jimmy Sommerville und Village People räkelten, ergriff ich die Chance und sprach zumindest einmal meine Zielgruppe an, wenn sie denn schon markiert sind.
Ich wäre eben farbenblind, sie müsse mir die Bedeutung ihres Armbandes erklären. Die Martina aus Kleinandelfingen hätte eben einen Freund, deswegen das weisse Armband, hätte nicht gewusst, dass heute Singelparty wäre, arbeite im Spital in Winterthur, wäre nächsten Freitag wieder hier und und und…

Mitgenommen habe ich nur die Erkenntnis, dass es gute Gründe gibt warum gewisse Leute alleinstehend sind und die sich durchaus mit den meinigen ergänzen Single zu bleiben.
Fakt ist, an jedem anderen Abend sind im Güterhof interessantere Menschen zu treffen als an der Lass-Dich-Treffen. Und man fühlt sich dann auch nicht ganz so minderwertig.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
Dieser Beitrag wurde unter Ein Hauch Politik, Pub, Vom Leben und gelebt werden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.