Warum mich die AL noch immer nicht überzeugt

Unlängst liess ich mich hinreissen, meinen Gefühlen bezüglich einer Alternativen Liste Ausdruck zu verleihen.

Ich freue mich stets, wenn meine Berichte gelesen werden, insbesondere, wenn sich jemand direkt angesprochen fühlt und seine Meinung zu meinen Zeilen kundtut.

al-kommentarDurch die Verwendung mannigfaltiger Fremdwörter die rhetorische Überlegenheit zum Ausdruck bringen und den kleinen Schreiberling in den Senkel stellen.
Für den Studenten gibt es nur eine Reaktion; Was für Fremdwörter?
Der Arbeiter würde nun antworten, zum Beispiel performative Selbstsatire.
Korrigiert mich bitte, so ich falsch liege.
Eine performative Aussage dient dazu, sein eigenes Handeln zu kommentieren, wenn du nun also durch die Migros streifst und die Masse informierst „Nun packe ich diese Schachtel Kondome in den Einkaufskorb“.
Man kann in einem weiteren Schritt anhand einer performativen Äusserung einen illokutionären Akt zum Ausdruck bringen, welcher darstellt, weswegen man eine Handlung vollzieht. „Nun packe ich diese Schachtel Kondome in den Einkaufskorb, weil ich glaube, dass die Menschheit nicht noch mehr arbeitsscheue Studenten braucht“, könnte es erklingen, wenn ein AL-Mitglied in der Migros stehen würde. Obwohl dies natürlich hypothetisch ist, denn die ganze Geschichte müsste sich in einem Reformhaus abspielen und ich weiss nicht, ob diese Kondome führen.
Also, die perfomative Äusserung dient dazu, eine eben ausgeführte Handlung zu beschreiben.

Was der Herr David nun wohl zum Ausdruck bringen wollte, so erklärt, dass auch der Büezer es versteht; Da ich nicht selbst im Fasskeller sass, mir nicht, den Daumen unterm Kinn und Zeigerfinger am Nasenflügel, die Parolen zu Gemüte führte, nicht zehn Meilen in Heilandsandalen gegangen bin und keinen Zivi-Tag im Brocki verbracht habe, habe ich mich mit der Partei als solches unzureichend auseinandergesetzt und disqualifiziere mich mit meiner Darstellung derselbigen quasi selbst. Eine unfreiwillige Selbstsatire, wenn man so will.
Ihr verzeiht, das Adjektiv performativ bringe ich beim besten Willen nicht unter, was nicht bedeutet, dass es falsch ist. Vielmehr steht hier der Büezer gegenüber dem Studenten und da liegt des Pudels Kern.

Es ist keine literarische Weisheit, aber der Köder muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken.
Dass die Alternative Liste eine lockere Studentenverbindung darstellt mag nun eine Mutmassung oder Tatsache sein, es ist völlig irrelevant, denn Fakt ist, die Alternative Liste will sich dem Bürger verkaufen und sollte demzufolge etwas ins Schaufenster hängen, was des Bürgers Neugierde weckt.
Dies stellt natürlich eine Herausforderung dar, da der Student sich vom Proletariat abgesetzt fühlt, die Tatsache leugnend, dass er sich noch im Abnabelungsprozess befindet und wie das mit Nabelschnüren so läuft, irgendwie noch vom Proletariat gefüttert wird. Die Hand welche einem füttert soll man nicht beissen, ist die fütternde Hand jedoch jeglicher Möglichkeit beraubt sich des Jochs zu entledigen, so sie selbst des Futters bedarf, braucht der Wertschätzung nicht weiter Ausdruck verliehen werden.

Im Schaufenster hängt nun, sinnbildlich, der Student und blickt in gewohnter Manier auf den Bürger hinab. Und der Bürger sieht den Studenten, an den Füssen eine Kette von Klischees. Geschmiedet von unzähligen Vertretern seines Bildungswegs. Der Student sieht im Arbeiter einen Proletarier, kaum imstande ein A von einem U zu unterscheiden, worauf dieser im Studenten einen Herren sieht, zu fein einen Schaufelstil in die Hand zu nehmen.

Herr David spricht von abgedroschenen Klischees – ein Pleonasmus, so nebenbei
bemerkt – und er mag recht haben. Da ich nicht beurteilen kann, welche Gestalt ein Bauarbeiter durch die Augen eines Nachzüglers der gebildeten Elite annimmt bleibt mir keine Wahl, als ihm zu vertrauen.
Die Frage stellt sich jedoch; Wer will nun wen gewinnen?

Der Mann hinten auf dem Müllwagen, ohne nun Unterstellung zu betreiben, interessiert sich vielleicht nur flüchtig dafür, ob er nun von einem Herrn Rohner oder einem Herrn Neukomm regiert wird. „Die machen sowieso was sie wollen“ ist fest in jeden Stammtisch eingeritzt. Ebenso, ob nun Gran Purismo wählen darf, oder ob er dazu erst den Einbürgerungsprozess durchlaufen soll.
Studentenkonform müsste man nun sagen; Was interessiert mich der Müllmann, als Politiker ist einem jedoch daran gelegen, eben diesen Müllmann zu gewinnen. Denn sonst wählt er SVP, deren Plakate unmissverständlich sind. Die SVP wie die AL weckt im Proletarier die Urinstinkte. Die einen zielen auf die konservativen Werte, verweisen auf die Zeit, in welcher alles besser war. Natürlich war früher nicht alles besser, wenn man genau recherchiert. Aber dazu hat der Müllmann keine Zeit, er muss nämlich arbeiten.
Auch die AL weckt Urinstinkte. Das Bild des feinen Gelehrten, dessen Schmutz man wegräumen muss. Der sich einen Dreck um den Müllmann kümmert und alles verteufelt was gut war.

Mir wird nun zum Vorwurf gemacht, mit eben diesem grobkörnigen Bildmaterial in meinem verstaubten Kopf zu arbeiten und dementsprechende verwirrte Texte rauszuhauen.
Gut, mag sein.
Aber einen Menschen gewinnt man nicht, indem man ihm sagt, er sei ein blöder Trottel. Obwohl es einem auf der Zunge brennt. Wir sind wieder beim Angler und dem Köder. Es liegt nicht am Wähler, das Klischee aus seinem Denkmuster zu verbannen. Es liegt an der AL, dieses Klischee zu widerlegen, ein neues Bild zu zeichnen und in diesem Punkt scheint mir noch etwas Potential zu stecken.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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Ein Kommentar zu Warum mich die AL noch immer nicht überzeugt

  1. David sagt:

    Ich danke für die ausführliche Widmung.

    Ich gebe Dir in vielem hier Recht. Dennoch – und ich vertrete hier weder die AL, noch die Interessen der AL, noch bin ich mit dieser Partei verknüpft – ändert dies nichts daran, dass hier ein Bild vorliegt, das schlicht nicht mit der Realität übereinstimmt.

    Grösstenteils sind das sehr hart arbeitende Menschen, die – und da hast Du natürlich auch Recht – zusätzlich zum Job oder den Jobs vielleicht noch eine Ausbildung machen, Familie haben, sich politisch engagieren. Das Bild des durchgefütterten Studenten ist hier falsch, die meisten Parteiangehörigen sind eben jene Büezer, wie Du sie bezeichnest: Bauarbeiter, Gastronomen, Büroangestellte, Detailhändler, etc. auch, und wieso nicht: Journalisten, Anwälte, Lehrer, Gewerkschafter etc. Jedenfalls Menschen, die die harten existentiellen Realitäten kennen und leben.

    Damit möchte ich weder eine Lanze für die Parteipolitik, noch für die Werbestrategie brechen, eben: Ich habe mit der Partei nichts zu tun. Das Bild ist – wie gesagt – dennoch falsch.

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