Was Dukan zu erwähnen vergass…

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Es wird davor gewarnt, die Konjac-Nudeln – der Asia-Food Experte spricht von Shirataki, ich finde dieses Produkt der Teufelszunge sollte auch den Titel tragen – in grossen Mengen zu verzehren.

Dr. Dukan bietet Hand und Produkte zu einer Art Spaghetti Carbonara. Wie alles von Dukan, schmeckt die Sauce nach gar nichts oder bestenfalls nach feuchten Wattebäuschchen.
Die Eier und den Frischkäse habe ich angerührt und gewürzt, sinnigerweise denn Schwingbesen (Schneebesen, Schaumschläger) im literhohen Mass an den Rand gelehnt und die ganze Sache nahezu Millimetergenau am Rand der Küchentheke stehen lassen, während ich mich tränenden Auges dem Zerkleinern der Zwiebel hingab.
Schinken statt Speck, das kann ja nicht schmecken, in der Tefal angebraten und währenddessen die Nudeln aus ihrem mit nicht näher definierter Flüssigkeit gefüllten Behälter in ein Abtropfsieb gekippt. Gemäss Dr. Dukan zwei Minuten ausgiebig gespühlt, was einem schon misstrauisch machen sollte und hernach in das sprudelnde Wasser gekippt. Da eine Packung so mikrig aussah kippte ich noch eine in das Sieb. Ich war hungrig, also noch eine weltalltauglich verschweisste Packung aufgeschlitzt. Irgendwie immer noch nicht befriedigend… letztendlich hatte ich vier Packungen, sprich 800 Gramm, in das Behältnis gekippt.
Da die Nudeln schon weich wie eine eben verendete Qualle sind und in der Konsistenz an hoch gezogenen Rotz erinnern, müssen sie auch nur zum Erwärmen kurz in das Sprudelwasser und nach einem Umweg über das Abtropfsieb werden sie klassisch in die Bratpfanne gekippt und die Eier-Frischkäse-Mischung hinterher.
So der Plan, im Schwung der Bewegung erwischte ich den Schneebesen mit dem Ellbogen und kippte die Masse über die Theke.
Dank meiner Reflexe konnte ich die Hälfte retten, der Rest fand seinen Weg unter allerlei Küchengeräte, welche Murphy unglaublich geschickt in der Flussrichtung der faden Masse aufgereiht hatte.

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Da die Nudeln keinerlei Energie aufweisen, denkt man der Verzehr dieser Menge wäre bedenkenlos.
Eine Stunde später lag ich mit Bauchgrimmen im Bett, fühlte mich aufgedunsen wie Sponge-Bob und schwelgte im Mitleid mit allen hochschwangeren Frauen und mir selber zu gleichen Teilen. Im Bauch rumorte es und ich war überzeugt, so ich mich auf den Rücken drehe, würde einem Alien gleich eine Teufelswurz aus meiner Bauchdecke brechen und gen Decke streben.
So lag ich zwei Stunden, hörte ein Hörbuch und vermied jegliche Bewegung. Mein Magen schrie nach Erleichterung, die untere Bauchhälfte beschränkte sich auf grummelnde Laute und Luftentweichungen, ohne wirklich zur Sache zu kommen.

Gegen Abend klang das ungute Gefühl ab, hungrig war ich nicht, aber den einzigen Gemüsetag in der Woche wollte ich nicht an mir vorbei ziehen lassen.
Also gab es vor dem Fernseher Tomaten-Schnitze mit Hüttenkäse. Mit dem kleinen Hintergedanken, da mein Körper dazu neigt, Milchzucker gleich wieder abzustossen.
Er quittierte den Empfang mit weiterem unzufriedenen Grummeln, wie auch den folgenden, mit krebserregendem Aspartam gesüssten Frischkäse unter geschlagenem Eiweiss mit einer Idee Instant-Kaffee.
Keine Chance, ich verzichtete auf weitere Experimente.
Heute Morgen trug ich gegenüber 24 Stunden vorher lediglich 300 Gramm mehr Gewicht auf die Waage, was mich versöhnlich stimmte, auch wenn ich mich fühlte, als hätte ich einen Medizinball verschluckt.

Ich habe mich bemüht, gerade so intensiv, dass man an einer Hämorrhoiden-Gefahr knapp vorbei schlittert, ohne Erfolg.
Mein Organismus versuchte wohl tatsächlich diese Schleimnudeln samt und sonders aufzunehmen und nichts dem Abfall zu übergeben. Befürchtete ich, bis um exakt 11 Uhr 17, als meine Innereien mit einem Donnergrollen verkündeten, sie wären nun bereit, den Dung von sich zu geben.
So laut, dass Frau Meiers Bleiglasscheiben der Biedermeierwohnwand hätten zittern müssen. Natürlich, so ist es Sitte, weder der Kunde noch mein Mitarbeiter gaben irgendwie zu erkennen, dass sie das akustische Nebenprodukt meiner zerfetzenden Eingeweide irgendwie zur Kenntiss genommen hätten.
Ich stand da, wand mich hin und her, hatte Visionen von einer Toilette aus gleissendem, weissen Porzellan, gefüllt mich einem Duftwasser dem Himmel entsprungen und Klopapier aus reinster Seide.

Hallo, ist jemand hier? Sehe doch, dass das Licht brennt!; schrien meine Eingeweide, als ich die Warnsignale zu ignorieren versuchte, während der Mitarbeiter mit quälender Langsamkeit jeden Knopf der Fernbedienung erklärte und mein Bauch im Takt dazu rumorte, sich langsam aber sicher etwas Lavaartiges den Weg nach draussen suchte.
Endlich, die Sonne stach durch die Wolken, er kam zum Ende. Nun nur noch gaaanz vorsichtig die Werkzeugkiste heben, die kauernde Haltung und das Aufrichten unter Last ist ein teuflischer Drahtseilakt.
Meisterlich bewältigte das Heldenstück und mit stolzem Grinsen klopfte ich mir im Geiste auf die Schulter.

Wir schafften es rechtzeitig zurück, den Rest erspar ich euch. Zudem muss ich nun wieder arbeiten gehen.

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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3 Kommentare zu Was Dukan zu erwähnen vergass…

  1. PKM sagt:

    Ich seh schon, diese sogenannte „Diät“ bezieht ihre Wirksamkeit aus der Tatsache, dass die zu sich genommenen Speisemittel beim wiederausscheiden auch immer noch einen Teil des bereits vorhandenen Leibes mit sich in die Tiefen der Kloake reissen um sie für immer? verschwinden zu lassen.

    klingt irgendwie gefährlich – Let op!

  2. Namaris sagt:

    Heieiei! Die Shiratakinudeln quellen im Magen auf ein Vielfaches auf. Eine Packung mit 200g Abtropfgewicht gibt eigentlich schon 2 Portionen. Bei 4 Packungen hatten Sie Glück, dass Sie nicht explodiert sind.

    • RAB sagt:

      Dies mit dem Aufquellen ist mir neu, erklärt aber so einiges 🙂 Ich habe mich hernach im Zaum gehalten und bisweilen, mag ich diesen Nudelersatz sogar richtig gerne.

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