Wieviel Jugos braucht das Land?

einbuergerungWieviel direkte Demokratie verträgt die Schweiz? Ein wirklich toller Satz!

Wohl glaube ich nicht an Zufälle, aber vielleicht ist es doch eine unglückliche Fügung, dass ich mich stets an von migrationshintergrund beseelten Mitmenschen stark frequentierten Orten aufhalte.
Der Ansässige wird nun sagen, was geht der auch in’s „Orient“, da weiss man doch, dass die Eingangspforte nicht nur aus bautechnischer Gewohnheit in quadratischer Form eingesetzt wurde.
Suche ich den örtlichen Baumarkt mit dem Elefanten auf, besteht der grosse Anteil der Klientel nicht mehr aus verhinderten Bob Vila’s und anderen Flanellhemdträgern, nein, da tanzen Kanthölzer um das Duftbaumregal, ein Ringelpietz mit Anfassen. Die Kappe mit Schirm am Hinterkopf, den Hosenboden in der Kniekehle und diese brisante Mischung aus “ ‚ey Mann was luegsch?!?“ und “ ‚ey Mann lueg mich a?!?“ im Blick.
Bling-Bling-Raddeckel, verheissungsvolle „Turbo“ und „V8-Injection“-Aufkleber, nietenbesetzte Schaltknüppelsäcke und verchromte Nummernschildträger wechseln den Besitzer, werden mitunter gar an der Kasse bezahlt. Vor der Türe wähnt man sich in der UBS-Tiefgarage, wäre da nicht an jedem Innenspiegel der Oberklasselimousinen ein Rosenkranz mit Kreuz, ein Fähnchen des NK Dinamo, oder ein irritierender Aufkleber am Heck, welcher einen Mercedes mit „M3-Power“ klassifiziert, oder mir weismachen möchte, dass ein BMW die „AMG-Schmiede“ durchlaufen hat und mit einem „Compressor“ zwangsbeatmet wird. Natürlich die Scheiben getönt, die Felgen poliert und beifahrerseitig schlängelt sich wahlweise die Preisträgerin des „Arroganti des Monats“ auf Bleistiftabsätzen vom Sitz, oder ein Fleischklops mit Oberlippenschnauz und Ziegenbart unterm Kopftuch, gehüllt in zwei vernähnte Sofabezüge, welche mit einer Knopfleiste unter dem Wabelkinn eng geschlossen werden.

Den einzigen Vorwurf, welchen ich akzeptieren würde, wäre jetzt jener, der politisch nicht korrekten Aussage.
Also nochmal…

Ein Hauch von exotischem Flair im heimischen Baumarkt.
Der öde Alltag von Flanell und Männerschweiss wird aufregend durchbrochen von einer sanften Brise aus dem Otto’s-Angebot-des-Monats-Flakon, durchsetzt von einem mediterranen Hauch in Zwiebelsaft gedünsteten Knoblauchs. Dolce & Gabbana beschert uns einen Farbtupfer zwischen Überhosen und Gartenschürzen, der langweiligen zwecksmässigen Tragart, der zum Gartendienst degradierten Cordhose wird die Stirn geboten; Die feminine Kehrseite wird in knapp bemessenen Designer-Jeansstoff gezwungen, während der Herr der Schöpfung etwas Luft um das Gemächt schätzt und den Hosenboden modisch bequem in der Kniekehle platziert.
Man muss nicht auf den groben Filzhut zurückgreifen um den regnerischen Elementen zu trotzen, Ed Hardy bietet einen in Gold und Silber gehaltenen Tiger auf einer Schirmmütze feil, welche keck mit dem Schild im Nacken der Individualität des Trägers Ausdruck verleiht.
Nach Jahren der aufgeschnappten Gesprächsfetzen über Black & Decker, Bosch oder Dewalt, vermitteln uns nun die dominierenden Diskussionen im Mittelgang eine Idee Fernweh, versetzen uns in die aufregende Atmosphäre eines Basars, dessen Flair an der Kasse fortgesetzt wird, so wir in der Hektik der Abwicklung unserer Geschäfte etwas ausgebremst werden und der Interaktionen in gebrochenem Deutsch, zwecks Umtausch eines Perlmutt-Spray gegen Cockpit-Reiniger Marke Palm-Beach trotz verlorener Quittung beiwohnen dürfen.

Die kulturelle Vielfalt schöner umschrieben, was jedoch nichts an der Situation ändert. Auch wenn es zu siebzig Prozent mein eigen Fehler ist, meiner engstirnigen, urschweizerischen Haltung, der Angst vor Fremdem und Neuem unterliegt, kann man es nicht von der Hand weisen, dass sich jeder bisweilen im eigenen Land etwas fremd fühlt, so man nicht den kulturellen Umschwung mit offenen Armen empfängt.
Der Eindruck setzt sich in der Migros durchaus fort, meine nationale Unterlegenheit manifestiert sich dadurch, dass ich mit dem für zwei Franken gemieteten Gitterwagen mit Kindersitz in Schlangenlinie um balkanische Gruppierungen kurve und weder ein Verzeihung, Pardon noch „Exgüsi“ verstanden wird, die wohl akustischen Laute an die Öffnungen unter dem Kopftuch dringen, aber bestenfalls mit mit unwirschem Blick quittiert werden und mir jede Chance genommen wird, meine Absicht zu den Zwiebeln vorzudringen in jedwelcher Weise kund zu tun.
Verständigungsprobleme im eigenen Land, im urschweizerischsten Supermarkt, welche meine Einkäufe im holländischen Albert Heijn einfacher als ein Butterkauf bei Tante Emma’s Hausladen aussehen lassen.

Aber es liegt wohl an meiner Engstirnigkeit, gar sträflichen ablehnenden Haltung zur Akzeptanz und boshaften Verweigerung meiner Integration.

Mancher Urschweizer ist von diesem Schlag, verweigert die Einbürgerung von Eingewanderten, im speziellen Ex-Jugoslawen und Türken, verkennt den Mehrwert, welchen diese Menschen unserem Land bieten. Es werden Bauchentscheide gefällt, das begehrte kleine Buch mit Schweizerkreuz vorenthalten.
Verständlich, dass dies nicht akzeptiert werden kann, dass die von uns gewählte Regierung entscheidet, dem Volk das Heft aus der Hand zu nehmen und den Urschweizer mit eingeschränktem Sichtfeld künftig nicht mehr mit solch schwerwiegenden Aufgaben zu überfordern.
Wenn Anforderungen die eigenen Fähigkeiten übersteigen, ist von übergeordneten Stellen die Sache zweckdienlich zu behandeln; Erfahre ich dies doch im Tagesgeschäft, so Mitarbeiter ihrer Pflichten enthoben, die Aufgeben neu verteilt und stattdessen zum arbeitszeitfüllenden Onlinepoker verdammt werden.

Vielleicht lassen sich die Anforderungen hinterfragen, unter Umständen ist es nicht zwingend erforderlich, den Verlauf der A1 zu kennen, aber so mich ein unlängst mit Früchtekorb und Schweizer-Käppi prämierter, eingebürgerter Ex-Jugoslawe fragt, was „Wallis“ sei, deucht es mich, dass geografische Kenntnisse auf Stufe Unterstufe wohl nicht zuviel verlangt wären.

Im Zuge meiner Integration in die Schweiz-reloaded machte ich einen weiteren Schritt auf den Herren zu – natürlich erst, als ich in groben Umrissen das Wallis und seine hervorstechenden Eigenschaften beschrieben hatte – und war interessiert am Land Kroatien. Ist es doch aktuelles Thema, dass infolge des EU-Beitritts die Personenfreizügigkeit erweitert wird und die Schweiz zur freiwilligen Zahlung von 50 Millionen Franken angehalten wird, sprich; Es wird nicht verlangt, aber erwartet. Frau Sommaruga weist mich darauf hin – gewiss zu Recht, denn letztendlich versteht die von Volkes Gnaden eingesetzte Vorsteherin des Justiz- und Polizeidepartements mehr von solchen Dingen als ich – «Wenn man von etwas profitiert, muss man auch zahlen.».
Asche auf mein Haupt, von Kroatien weiss ich nur, dass es eine Ex-Jugoslawische Republik ist, worauf ich mittels unserer multikulturellen Gesellschaft diese Bildungslücke schliessen wollte.

Was Kroatien zur Party mitbringe, wollte ich wissen.
Hä?
Ja, im Zuge des EU-Beitritts, was bringt Kroatien mit.
Isch das politisch.
In der Tat.
Schweiz isch nid EU.
Ganz recht. Aber im Zuge der billateralen Verträge, werden von uns Zahlungen und Anpassungen erwartet.
Isch mir das glich.
Was bringt Kroatien wirtschaftlich, wie können wir profitieren?
Ja Ferie…
Irgendwelche Exporte?
Hä?

Ich gab es auf, möchte aber festhalten, dass ich mich ordentlich bemüht habe und gar Integrationsdienst geleistet habe.

Muesch luege, kommed denn vili in Schwiiz gopfriedstutz.

Womit er meine Frage eigentlich auch schon beantwortet hatte. Wir bringen die Steaks, den Salat und das Bier, Kroatien liefert die Gäste zum Barbecue.
Gäste welche ungeachtet jeglicher persönlicher Empfindungen auch gleich von der von uns eingesetzten in unserem Namen agierenden Obrigkeit in unseren Hausstand integriert werden.
kroatien

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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Ein Kommentar zu Wieviel Jugos braucht das Land?

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