Willkommen bei Frau Messi… und Herr auch / Teil 1

Viele Messi’s outen sich schon beginnend am Vorplatz, begleitend über den Aufgang und weisend bis zum Klingelknopf. Selbiger glänzt jedoch nicht selten mit verunsichernder Nacktheit. Die Herrschaften, davon ausgehend, dass der winkende Schlumpf in der Einfahrt doch schon anzeigt, dass hier die Schlümpfe, pardon, die Schlumpf’s hausen, ersparen sich das Namensschild gerne.
Doch wurden wir die Treppe hinauf schon begrüsst von einem in Ton gebrannten Schild, hier wohnen die Schlumpfs, eines in Holz geschnitzt, Hans Trude Max und Hilde Schlumpf, und dann noch etwas in Pappmache, welches wir gerade noch wahrnehmen bevor uns der Stiel des Gartengeräts, in welches wir in der Unachtsamkeit trampen, die Nase platthaut. Wäre nicht passiert, würde der rechte Fuss im Katzenklo/Blumentopf nicht gerade unsere gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es ist ein wahrer Spiessrutenlauf, doch nur, so versichert die Haushälterin, weil sie noch nicht ‘zum Aufräumen gekommen sein’. Der kreisrunde Abdruck unter dem Katzenklo/Blumentopf auf der gammeligen Gartenplatte verrät uns, dass dies letzten Winter aber zumindest fest im Programm gestanden wäre.
Freundlich zum Eintreten aufgefordert, vollführt man eine tänzerisch schlängelnde Bewegung durch den Türspalt, hinein in die Behausung mit gut abgehangenem Duft und dem Charm eines Brockenhauses. Beim scheuen Versuch die Tür etwas weiter zu öffnen stellt man fest, zum Müllcontainer hat es Frau Schlumpf ‘auch noch nicht geschafft’ und dies, der Abfallmarke sei Dank, seit dem Februar 07 nicht mehr.
Das Schöne an Messihäusern, es gibt unendlich viel zu gucken. Sie besitzen eine Bar als Ablage für die Dosen und Flaschensammlung, ein Cheminee als Zeitschriftenständer und ein Sofa für Zeitungen, sowie Kissen und Dinge des täglichen Bedarfs wie einen Lötkolben oder etwa eine Laminiermaschine. Lohnt sich nun wirklich nicht selbige zu verräumen, man kennt dies ja. Kaum hat man sie verstaut findet man in der Coopzeitung einen Artikel über Kuheuter welcher laminiert und an die Küchentür gehängt werden muss. Es ist immer gut zu wissen, an welcher Zitze man nuckelt, wenn man in der Migros ins Regal greift. Zur Sicherheit bewahrt man den halbleeren Tetrapack auf, etwa neben dem Telefon, und kann in einer ruhigen Minute Vergleiche anstellen.

So schlumpft man also in eine Ecke in welcher das Objekt der Begierde, in diesem Falle eine Antennendose, vermutet wird. Kurz einen Amboss hinweg gewuchtet, die kleine Schubkarre mit dem rot bemützten Zwerg im Schlepptau zur Seite gekarrt und schon steht man vor einer Apfelsinenkiste hinter selbiger auch gleich eine Anrichte steht welche die letzte Pforte zur Dose repräsentiert. Die Tierweltmagazine, das Laichverhalten der Kraniche während der Brunft im Januar 83, beiseite geräumt um das Gewicht des Möbels auf wenige 1oo Kilogramm zu beschränken, stemmt man sich dagegen. Die Schuhe finden halt an der Standfräse neben dem Sofa während die Füsse der Anrichte sich leicht neigend, knarrend und wimmernd langsam von der Patina lösen und über den Staub gleiten. Ein scharfes ‘Vorsicht’ ermahnt einem auf den Setzkasten, gefüllt mit Parfümflakons, an der Wand gleich über dem Lipo-Kalender 92 zu achten, während sich einem ein Glas Mondo-Punkte in den Kragen ergiesst.

Man verkneift sich ein Lachen als die befliessene Hausfrau, mit Blick auf die tote Maus unter der Anrichte, bemerkt ‘Man komme da drunter halt schlecht zum putzen’; Insbesondere, da einem die Spuren des Zwerges Schubkarre verraten, dass er den grössten Ausflug seit Ewigkeiten unternommen hat.
Ist sich Frau Schlumpf gewiss, dass ihre gesammelten Schätze mit Respekt behandelt werden, darf man sich frei im Pilz, pardon, Haus, bewegen. Oben im Kinderzimmer sollte noch eine Dose sein und erst da bemerkt man, dass die Treppe nicht ein weiteres Sammelstück ist, sondern nebst seiner Funktion als geschwungene Ablage tatsächlich dazu dient, einem in ein höheres Stockwerk zu führen.

Zimmer definieren sich auf unterschiedlichste Weise. Sei es durch einen in Bronze gehaltenen in einen Topf pieselnden Knaben an der Tür, dem ‘Eltern raus’-Sticker oder zumindest ihrer Einrichtung. So verrät die Wanne, dass dieser Raum der körperlichen Hygiene dient, ein PC kann ein Home-Office entlarven oder eine Liegestätte ein Schlafzimmer. Wie nun wenn alles in jedem Raum, oder nichts davon in keinem Raum zu finden ist? Eine Herausforderung welche Fingerspitzengefühl erfordert. Speziell, wenn man Frau Schlumpf fragt, welches nun das Kinderzimmer sei und sie einem anguckt, als würde ich mich in einem fahrenden Zug nach dem kürzesten Weg zum nächsten Bahnhof erkundigen.

In einem Zimmer könnte eine Dose sein, so ich, in welchem denn, so sie. In diesem links, das Erste oder Zweite? Ja, dieses südöstlich? und dies konnte ich beim besten Willen nicht beantworten, da durch kein Fenster die Sonne reinguckt. Das Billardzimmer? Ich glaube nicht, denn ich hätte keinen Billardtisch gesehen. Doch doch, der sei da, aber da sei keine Dose. Aber vielleicht im anderen Kinderzimmer… Ja nun links oder das andere links? Einerseits will man arbeiten, andernseits um jeden Preis verhindern, dass Frau Schlumpf vor einem die Treppe hochsteigt und der Blick wieder auf das Loch in der Trainerhose fixiert wird, ähnlich einem Unfall; Man will nicht hinsehen, kann den Blick aber auch nicht abwenden. Es ist schliesslich nicht mehr lange hin bis Mittag…
Den Kopf etwas abwendend steigt man nach, bis man mit der Stirn gegen eine Dachluke stösst, welche Herr Messi zwischenzeitlich flink wie ein Wiesel und leise wie eine Katze geöffnet hat. Zurückprallend erfährt die Bewegung durch die wegen des Aufpralls ausfahrende Leiter eine unerwünschte Beschleunigung. Man versucht sich noch an den Zementsäcken links und dem angelehnten Bettgestell rechts festzuklammern, saust dennoch mehr oder weniger ungebremst in Opas Kuhglockensammlung, wird jedoch glücklicherweise von der gehorteten Styroporverpackung von Muttis Saugblaser Heinzelmann etwas aufgefangen.

‘Häts ihne nüt gmacht’, nein nein, und wankt die Treppe wieder hoch. Sie habe nun etwas Platz gemacht und zieht einen mit Clowns beladenen Leiterwagen von der Wand weg…

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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