Zum Muttertag – Eltern sein ist Teamarbeit

Ihr da draussen, die ihr jeden Morgen aufsteht, bei fremden Herren in Lohn und Brot steht.
Sich wie ein Schelm aus dem Schlafgemach stehlend um der Gattin Träume nicht zu stören. Vielleicht ein kurzer Blick in das Kinderzimmer, bevor ihr das Heim verlasst, zu nachtschlafener Stunde, weit vor dem Morgengrauen.

Getrieben von Pflichtbewusstsein, der Verantwortung, die Angst leugnend, wie wenig es Bedarf, dies wacklig Konstrukt zum Einsturz zu bringen.
Im stetigen Wettkampf euch beweist, jeden Tag aufs neue, verschafft euch euer Tagwerk Befriedigung oder nicht, bestenfalls ein Bonus.

Das Mittagsmahl an einem Tisch, jeglicher Hygienevorschriften strotzend, nur das Pflichtbewusstsein hält die Krankheitserreger in Schach. Speisend aus Plastikschalen, die Resten des gestrig Mahl, eine müffelnde Masse in einer Mikrowelle erwärmt.

Vielleicht reicht die Zeit, unterm Türrahmen der letzten Zeile der Gute-Nacht-Geschichte zu lauschen, zu oft bleibt nur ein Blick auf das schlummernde Kind.

Die Familie soll standesgemäss fahren, gemütlich hausen. Einen Garten um das Haus, welchen du samstags zu bestellen hast. Ein Urlaub gehört schon dazu und der Gattin Freundinnen sollen ihn im sozialen Netzwerk neidisch verfolgen.
Dies ist deine Aufgabe, du sollst die Deinen ernähren, nicht nur heute und morgen, sondern bis auch das Nesthäkchen das gewünschte Studium abgeschlossen hat und flügge geworden ist.

Nicht nur das monatliche Geldsäckchen sollst du abliefern, du hast dich auch stets um deine Gattin zu kümmern, sie soll sich begehrt fühlen. Die Gattin entlasten, bei des Haushalts pflege zur Hand gehen, wann immer es dein Feierabend gestattet. Um der Kinder willen nicht zu lange im Büro sein, auf deine äussere Erscheinung achten und auf der Karriereleiter nie verschnaufen.

Mit Freuden sollst du diesen Pflichten nachkommen, dein Glück aus der Selbstverständlichkeit deiner Aufopferung ziehen.
Nicht der Sünde des Stolzes verfallen und dich hüten, ausserordentliche Dankbarkeit zu erfahren; Das Damoklesschwert des chauvinistischen Machos hängt über Dir, denn nie sollst du vergessen; Die Mutter ist die Superheldin der Familie!
Huldigst du dieser Tatsache nicht gebührend, singen tausend andere Männer wie Sirenen und du wirst auf dein Geldsäckchen reduziert.

Es ist kein Fehl am Muttertag, doch während ich heute über die Felder trabte und meinen Gedanken nachhing, überlegte ich, wann den Vätern dieser Welt gedankt wird.
Es scheint, sie benötigen keinen Dank, weil sie ein monatliches Entgelt erhalten, während die Mutter sich für ein Vergelts Gott den Rücken krumm schuftet.
Ich hoffe die Mütter dieser Welt erfahren mehr, als ein Vergelts Gott.
Frühstück mit den Kindern im Pyjama, während Papa mit fremden Herren auf Stehplatz 7f im Tram kuschelt.
Kaffeerunde bei der Nachbarin, während Papa eine verdünnte, braune Durgol-Mischung aus dem Selecta-Automat nuckelt.
Grillplausch im Kindergarten, während Papa zuschaut, wie der dicke Hubert aus der Buchhaltung mit offenem Mund die geräuschvoll eingesaugten Spaghetti zerteilt und leicht spuckend von seinem Modellboot erzählt.
Mit den Kindern ein Eis schlecken, während Papa in einer zugigen Raucherecke eine kleine Pause macht.
Den Abenteuern von Prinzessin Lillifee folgen, während Papa der geistreichen „Und denn ich so… Und denn sie so…. weisch jetzt muesch lose…. sie denn so und denn ich so….“ im Zugabteil lauschen darf, durch Handymusik zusätzlich akustisch vergewaltigt.

Mit einem Lächeln saugt er abends noch kurz still und leise durch die Wohnung, damit die Mama endlich eine Minute für sich hat.

Keinesfalls möchte ich den Fulltime-Job der Hausfrau und Mutter verniedlichen, Gott bewahre.
Nur in Erinnerung rufen, dass bei der gesamten heutigen Lobhudelei, auch die Väter ihren Beitrag zur Familie leisten. Ganz ohne Dankeschön, mit aller Selbstverständlichkeit dieser Welt, weil es schon immer so war.jaeger

Über RAB

Ein Schreiberling mit nüchternem Blick auf das Leben, beim Versuch, selbiges aus satirischer Sicht etwas angenehmer zu bewältigen.
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