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Abt. Em Hergott Zyt gstohle
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Auf dem Boden bleiben
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Musikexpress mit Jenny Spahn
So ich Mittwochs nach dem Training nach Hause fahre, kommt es vor, dass der im Fahrzeug integrierte Rundfunkempfänger – mittlerweile BILLAG-gemeldet, das farbige Hören ist noch schöner – auf die Sendefrequenz von Radio Munot eingestellt ist.
Jenny Spahn fährt den grossen Musikexpress.
Laut Online-Playlist spielen gerade die Monkees mit Daydream Believer auf, der Refrain „Fang das Licht, fang das Licht, halt es fest, halt es fest, für den Tag an dem die Hoffnung dich verlässt“ klingt aber eher weniger nach der ersten gecasteten Boyband der Welt. Vielmehr sehe ich Klaus oder Heinz, den fröhlichen Alleinunterhalter, hinter seinem Synthesizer in Ekstase auf einem Gartenstuhl hopsen.
Klassisch mit einer gelockten Matte bis auf die Schulter liegend, Hemd in Kunstseide, neckischer Weste, Lederslipper mit je zwei Bommel auf dem Vorderblatt – ja, diesen Schuhbestandteil habe ich extra bei Wikipedia nachgeschlagen – einem gewinnenden Lachen, den Schalk im Nacken und so glücklich, dass man ihn einfach treten möchte. Immer und immer wieder.
Ihr kennt mich, beim Thema Alleinunterhalter darf ein Klassiker nicht fehlen.
Einer meiner Lieblingsclips auf youtube.
Wie ist die gespielte Musik nun in eine Sparte zu zwängen? Interpreten wie Die Amigos, Calimeros oder die Flippers?
Wenn ich mir Volksmusik bildlich vorstelle, dann singt da eine Dame mit toupiertem Haarschopf und blonden Meches, gewandet in einer Tracht – etwas bieder aber doch so aufreizend, dass beim Anblick der gepushten Brüste die gesetzeren Herren mit ihren molligen Begleiterinnen den schmutzigen Kopfkino-Projektor in Gang setzen – Damen im Stall und der Landfrauenküche gleichermassen zu Hause, oder auch das städtische – tessinerische – Pendant mit wallendem Haar und grossen, dicken Schulterpolster im blitzenden Bling-Bling-Kleid. Dazu ein Bernhardiner oder alternativ ein kleiner Junge in ach-so-süssen Lederhosen, dessen einzige Funktion darin besteht, ein interaktives Bühnenbild zu verkörperen.
Fehlen darf nicht der ‚männliche‘ Part, natürlich ebenfalls mit Meches im Haar, der unverzichtbaren Schenkelbürste auf der Oberlippe, verführerischem Vertretergrinsen und glücklich wie Heidi auf der Alm. Hier auch die Alternative, auftretend als kleiner, dicker Mann, welcher wohl keine Frau abkriegt, aber abgeht wie Schmidts Katze und in seiner totalen Lustigkeit zwangsläufig über einem Keller schmutziger Geheimnisse leben muss.
Schlager muss man nicht umschreiben, Udo Jürgens, Nino de Angelo, Michael Holm et cetera. Schlager ist cool, Schlager kann man mitgröhlen und bleibt immernoch cool, Schlager wird mit jedem Bier witziger.
Die Amigos spielen gemäss Wikipedia volkstümlichen Schlager. Also so etwas zwischen davonlaufen und mitgröhlen. Dies trifft sogar noch zu.
Im Musikexpress hört man sinnige Texte wie…
Ein weisses Boot
mit nem Segel darauf
das habe ich
schon heimlich gebaut
Ich schreib ganz groß
deinen Namen darauf
Ein weisses Boot
wird dann unser ZuhausHörst du nicht
die Wellen rufen dich
und haben Sternenlicht
angemachtSiehst du nicht
jeder Stern der am Himmel steht
hat sich zu dir umgedreht
und wartet auf dich
Bei allem gebührenden Respekt, aber ich würde mir eine grosse Karriere als Schlagertexter zutrauen. Man saugt sich irgendeinen Schrott aus dem Finger, dreht und würgt, bis er sich irgendwie reimt, passt ihn auf den Rhytmus Nummer achtundsiebzig des Synthesizer an und fertig ist das gute Stück.
Es muss keinen Sinn ergeben, aber gewisse Regeln sollten eingehalten werden. Vorkommen muss eine Frau welche man nicht haben kann, eine Frau welche einem verlässt, ein Elternhaus oder ein kleiner Junge mit Mundharmonika. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, nicht dass man plötzlich über einen eisenharten Kerl und seinen Scania-Truck singt, da tritt man schon Gunter Gabriel in den Garten, respektive das Hausboot.
Aber ich muss gestehen; Gerade wegen dieser furchtbaren, sinnentleerten und stumpfsinnigen Texte läuft nach dam Training unter der heimischen Dusche Radio Munot’s Musikexpress weiter. Es ist wie ein Unfall, man möchte nicht hinsehen, kann sich aber auch nicht abwenden. Das selbe Phänomen, wie wenn man „Mitten im Leben“ oder „Verklag mich doch“ auf RTL guckt.
Und nun muss ich aus diesem Artikel aussteigen, weil ich vor sieben Absätzen schon den Faden verloren habe.
Sind sie wirklich hackedicht, oder singen die immer so?
Veröffentlicht unter Hossa
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