In stetiger Schuldbekundung

Im Prinzip hat er ja nichts gemacht.

“Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten –
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt “Antisemitismus” ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir – als Deutsche belastet genug –
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.”

Korrigiert mich, aber Günter Grass fordert doch lediglich den Westen zu einem objektiven Denken auf.
Aber dies gehört sich nicht!
Aufgrund der tragischen Rolle in der Geschichte zu Zeiten des 20. Jahrhunderts haben die Juden sich das Vorrecht ‘Opferlamm auf Lebenszeit’ erworben und der Rest der Weltbevölkerung hat den Juden in ewiger Respektbekundung und getrieben von Schuldgefühlen zu Diensten zu sein. Und erhebe einer das Wort gegen Juden, kreide ihnen einen Missstand an oder übe gar Kritik, so soll er gehetzt werden und man schreibe ihm Antisemit auf die Stirn.
Gerade Deutschland als offensichtlicher Hauptübeltäter in Sachen Greueltaten an Juden gefällt sich so sehr in der Rolle der stetigen Unterwürfigkeit, gleich dem strebsamen Schüler um des Lehreres Aufmerksamkeit bemüht; Sollten gerade sie es besser wissen, doch die Lynchjustiz gegenüber Antisemiten ist ein Kavaliersakt und sichert einem stets Stimmen beim reuigen, dummen Bauernvolk.
Die Schweizer halten sich wie immer bedeckt, erst abschätzen wohin der grosse Strom treibt und dann flugs mit dem Gummiboot und einer Kiste Geld sich in das Fahrwasser des grossen Schiffes Europa begeben. Ebenfalls stets bemüht dem Zentralrat der Juden den Vorplatz zu wischen und roten Teppich auszurollen, nehmen wir Anteil am Schicksal und schreiben ins Buch der Kondolenz,  teils unserer aktiven Passivrolle im Weltkrieg bewusst, teils weil es sich einfach schickt. Sind wir doch die bösen Geldunterschlager und wo wir dabei sind; Was ist eigentlich mit UBS-Meili? Ihr entsinnt, der Rächer der Enterbten, der Retter der eben doch nicht so nachrichtenlosen Vermögen. Mit seiner Popularität ging auch das Interesse der Juden, somit auch die finanzielle Unterstützung, an seiner Person verloren und nach meinem letzten Boulevard-Zeitung vermittelten Wissensstand suchte er Asyl in der Schweiz.

Worauf ich hinaus will; Sobald Juden im Spiel sind geht jede Objektivität verloren. Juden sind Opfer, Fakt. Wer die Handlungsweise von Juden in Frage stellt ist ein Antisemit, Fakt.
Wo kommen wir da denn hin?
Es wurde Böses getrieben im letzten Jahrhundert, aber ist dies wirklich ein Freibrief auf Lebenszeit. Wie mir scheint ja; Nukleare Sprengköpfe in den Iran zu ballern ist gut, weil sie aus Israel kommen. Und die Abschussvorrichtung aus Deutschland, man hilft wo man kann.
Nuklearer Krieg gegen Israel zu führen ist böse. Weil in Israel Juden wohnen.

Günter Grass wurde nun die Einreise in Israel verboten. Mich überrascht stets wieder, dass einem Ephraim Kishon nie die israelische Staatsbürgerschaft posthum entzogen wurde; Immerhin parodierte er stets, dass Juden auch nur Menschen sind.

Übrigens, Günter Grass war einst mit einer Schweizerin verheiratet.
Man munkelt, dass deren Cousines Kollegin einst, in ihrer bekannten Schusseligkeit, in der Migros Vorstadt Schaffhausen einen Sack Mehl vom Regal stiess.

Kleiner Nachschlag:
Natürlich äusserte sich auch der ‘Ich verurteile alle Medien, stelle mich aber trotzdem gerne in den Vordergrund sobald ein Hund auf dem Gehweg seine Notdurft verrichtet’-Marcel Reich-Ranicki über Grass’es Gedicht.
Es sei ein ekelhaftes Gedicht
Unter uns gesagt; Reich-Ranicki vermag zu amüsieren, wenn er sich über RTL-Reporter lustig macht. Dadurch, dass er seine arrogante Art stets behält, sich auf seine lächerlichen Kritiken stützt und seine Meinung als alleinig Richtige vertritt vermag er jegliches Sympathiegefühl äusserst erfolgreich im Keim zu ersticken.
Alter, bemitleidenswerter, peinlicher Mann.

Veröffentlicht unter Kurz nachgedacht | Kommentare deaktiviert für In stetiger Schuldbekundung

Würsch? Zum bedingungslosen Grundeinkommen

Ich weiss es nicht.
Obwohl auf diese Frage nur ein Ja oder Nein als gültige Antwort akzeptiert werden kann.

Aber…

Würde ich arbeiten, wenn mir jeden Monat 2500 Franken überwiesen werden?
Money for nothing, sozusagen.

Der Gedanke wirkt zu utopisch und dennoch; Mit genau dieser Thematik beschäftigt sich die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das soziale Netz würde dadurch ersetzt, kein Arbeitslosengeld und keine Sozialhilfe mehr. An die 2500 Franken sind keinerlei Bedingungen gebunden, wer mehr Geld zur Verfügung haben möchte kann arbeiten gehen.
Alles kann, nichts muss; So wird aus einer Phrase der dubiosen Kontaktinseraten ein Lebensmotto für die ganze Nation.

Sollte die Initiative vor  den Souverän kommen, müssten die Vertreter der kapitalistischen Lobby ordentlich schwere Geschütze vorfahren, wollen sie am System festhalten. Und natürlich wollen sie, denn um Millionen zu scheffeln ist man darauf angewiesen, dass die existenzielle Angst die Grundmotivation für den Arbeiter ist.
Sie würden Löcher in die Luft schiessen.
Gegenüber der Ferieninitiative, sechs Wochen Ferien für alle, finden sich auf den ersten Blick keine stichhaltigen Gründe dagegen.

1
Die Panikmache vom Stellenverlust zieht nicht, das Geld kommt vom Bund.

2
Angst vor einer Überlastung aufgrund der zusätzlichen Freizeit, bekannt vom Kampf gegen die Ferieninitiative, kann nicht ins Feld geführt werden. Kommt die Initiative durch, ‘muss’ nur noch arbeiten wer will.

3
Befürwortern kann nicht mangelnde Loyalität zum Betrieb vorgeworfen werden, für den Arbeitgeber entstehen keine Mehrkosten

4
Nach einer Annahme kann die Umsetzung der Initiative nicht endlos hinausgezögert werden. Nur schon die Aussicht auf das bedingungslose Grundeinkommen würde Arbeitnehmer motivieren den Job hinzuschmeissen; Die Arbeitslosenkasse würde zusammenbrechen.

5
Sagt was ihr wollt, aber die Aussicht auf Geld ohne Bedingungen wird auch den letzten Proleten an die Urne treiben. Noch ein einziges Mal aufstehen, nur noch einmal…

Natürlich gäbe es Arbeitnehmer, welche sich gerne einen Batzen dazu verdienen möchten. Die Rollen wären nicht neu verteilt, aber eine Chancengleichheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hergestellt.
Der Arbeitsmarkt würde einbrechen, ich behaupte; Innerhalb von drei Monaten hätten die Reisebüro’s Hochkonjuktur und Handwerksbetriebe personelle Engpässe. Um das Wissen, dass die Zukunft, nicht in Wohlstand jedoch in existenzieller Hinsicht, gesichert wäre, würden wohl sämtliche Junggesellen die Arbeit hinschmeissen und sich eine Auszeit gönnen. Gerade auch im Hinblick darauf, dass der Arbeitsmarkt mit offenen Armen auf sie wartet.

Doch nicht nur der Arbeitnehmer würde gewinnen.
Die Neuverteilung der Rollen hätte zur Folge, dass das Handwerk plötzlich wieder seinen Wert, seinen Preis hätte.
Ist sich der reiche Mann zu gut im Schmutz zu kriechen, ist er zu unbegabt einen Nagel in der Wand zu versenken oder fehlt ihm auch nur die Zeit sich um den Garten zu kümmern; Er kann nach wie vor Leute bestellen, welche diese Arbeiten für ihn verrichten. Aber, und hier der Kern, er kann keine Leute mehr benutzen, welche ihm die Drecksarbeit abnehmen.
Gewiss wird der Eine oder Andere weiterhin morgens in die Arbeitshosen steigen und unter dem verächtlichen Blick der Reichen durch die Wohnung rutschen.
Nur… dies hat seinen Preis und fühlt sich der Handwerker zu abschätzig behandelt, muss der feine Herr im Extremfall damit rechnen, dass selbiger die Arbeit einfach bleiben lässt.

Unterm Strich; Handwerk hat wieder seinen Preis, was dem Anbieter von Dienstleistungen, sprich dem Arbeitgeber, zu Gute kommt.
Es arbeitet nur noch wer will, was dem Arbeitgeber wiederum einen Arbeitsmarkt voller motivierter Arbeitskräfte beschert.
Selbigen kann er aufgrund der höheren Einnahmen äusserst attraktive Arbeitsbedingungen schaffen.

Klingt wunderbar und ich möchte meinen für beide Seiten.
Irgendwo muss der Wurm drin stecken; Meines Erachtens kann er nur in der Finanzierung liegen. Ich werde mich mit dieser Thematik noch intensiver befassen.

Veröffentlicht unter Ein Hauch Politik | Kommentare deaktiviert für Würsch? Zum bedingungslosen Grundeinkommen

Das Wir gewinnt

Im Zuge meines einleitenden Satzes, seit einiger Zeit bin ich gelegentlicher Weltwoche-Leser wollte ich schreiben, stelle ich fest, dass schon mancher Beitrag so begonnen hat, wofür ich mich etwas schäme, und des weiteren, dass ich mein Altpapier völlig falsch gebündelt habe.
So achte ich stets darauf bodenseitig mit einer Zeitung, etwa dem Schaffhauser Bock, zu beginnen, im Mittelteil mit den plastifizierten und eingeschweissten, originalverpackten Katalogen und Broschüren fortzufahren, des weiteren die Bankbelege, für welche ich mich auch schäme, und die ganze Sache mit einem Faltblättchen, etwa die Schaffhauer Nachrichten zu beschliessen.
Ein Kinderhände-Konformes Bündelchen, leicht zu tragen und einer speziellen, nicht einschneidenden Schnur. So ein netter Bürger bin ich.
Und nun schon wieder so ein albernes MAD-Faltbl… will sagen, finde den Unterschied:Genau! Welchen Sinn mach es, die Weltwoche zu lesen, wenn es keiner sieht?

Dummer August, zum wiederholten.

Fühlte ich mich auch beim heutigen Durchblättern des Blättchens. Ich bin ja kein richtiger Leser des Köppelschen Revolutionsblättchens, zum Vorteil gereicht ihm eher, dass es aufgrund seines physischen Formats beim Stuhlgang wunderbar auf den Knien liegt.

Meine Wenigkeit bückt sich für einen KMU-Betrieb. Einen Firmenevent, so nennt sich dies heute, ist ein Abwägen zwischen ‘Was sind mir die Mitarbeiter wert’ gegen ‘Wieviel Geld liegt herum’. Ausgerichtet wird ein solcher Anlass für gewöhnlich nach Feierabend. Völlig normal für KMU-Betriebe, und sind wir ehrlich; Hat man im Alltag kein Wir-Gefühl wird sich dies auch beim erzwungenen lustigen Grillevent in nüchtern geplanten spontan bestimmten Vierer-Konstellationen nicht ergeben.
Aber einer Firma SUVA stehen da gewiss andere, bezahlte, Berater zur Verfügung, was zur Mitarbeiter-Motivation und ein erfolgreiches Hervorzaubern eines Wir-Gefühl von Nöten sei. In etwa ein Anlass in Davos für 1600 Mitarbeiter, bereits Donnerstag sei man angereist. Als eine Kollegin meinen Facebook-Abgang bedauerte, da ich ihre Firmenevent-Bilder nicht bewundern konnte, wusste ich nicht, dass es sich um eine Veranstaltung selbigen Ausmass handelte und bezweifle ernsthaft, dass ich dieser Sache eine gute Seite abgewonnen hätte. Ich dummer August dachte, ähnlich wie in “meinem” Betrieb, dass sich ein paar Angestellte zum gemeinsamen Skiausflug verabredet hätten. Mitnichten.
Donnerstag Anreise, Zimmerbezug, Freitags ein Auswählen und Ausüben der alpinen sportlichen Betätigung, anschliessend Dinnieren, Unterhaltungsprogramm und dann Apres Ski, dass die Hütte wackelt.
Sponsored by… Dir und Mir.
Die Gewinne bei der SUVA, Non-Profit hurra, fliessen in Form von Prämien zu den Versicherungsnehmern zurück. Abzüglich über eine halbe Million Honorar für den Verwaltungsrat. Und dem Firmenevent. Oder man muss eben die Prämien erhöhen.

Nennt mich Neidhammel, aber seit jeher tue ich mich schwer, wenn Staatsbetriebe auf meine Kosten das Wir-Gefühl fördern. Oder Arbeitstage vorarbeiten. ARBEITEN in einem Staatsbetrieb, verzeiht…
Tauschte ich mich vor einiger Zeit in einem Streitgespräch zwischen vernünftigem Menschen und einer beknackten SUVA-Bürokratin, also mir und besagter Kollegin, aus, bezüglich meiner lädierten Achillessehne.
Kostete mich letztes Jahr rund 800 Franken, effektive Behandlungskosten bis zur völligen Wiederherstellung nach oben offen, im Endeffekt wohl Budget oder Zeitbedingt begrenzt. Mein Selbstbehalt ist ja prämienbedingt irgendwo bei einer halben Million, das Resultat der bisherigen Bemühungen der Halbgötter in Weiss eher dürftig zufriedenstellend, aber belange mal einen Arzt oder Physiotherapeuten, er mache seinen Job nicht richtig.
Mein grosser Fehler war es, dass ich nicht einen Kollegen bat mir bei einem Betriebsunfall behilflich zu sein, sondern brav prophylaktisch zum Arzt ging. So tauschte ich gemütliche 5 Wochen operationbedingtes ruhiges Liegen und halbjähriges Hinken bei leichten Arbeiten und Unfallschein auf SUVA-Kosten gegen zwölf Monatiges Hinken bei einem Selbstkostenanteil von 100 Prozent. Und die Arzt und Physiotermine legte ich in die Freizeit.

Diese Arbeiter braucht das Land: Loyal wie Jack Bauer und dumm wie hundert Meter Feldweg!

A propos Achillessehne; Geht der SUVA-Präsident öfters im Anzug und gewiss dem Dress-Code entsprechenden Schuhwerk zum Bergsteigen?

Veröffentlicht unter Kurz nachgedacht | Kommentare deaktiviert für Das Wir gewinnt

Karl May – Jugenderinnerungen

Eine Hommage möchte ich es nicht nennen, ich fühle mich nicht verpflichtet.

Auch wohnt eine gewisse Abartigkeit inne, den Todestag einer Person zu ehren, gar feierlich zu Begehen, aber so ist das nunmal, wenn ich mich nicht irre.
Karl May verstarb heute Freitag vor 100 Jahren.

Ich vermag mich, offen gesagt, nicht zu entsinnen, ob ich Cooper’s Lederstrumpf oder May’s Winnetou zuerst verschlang. Bildlich gesprochen, natürlich.
Auch vermag ich nicht zu sagen, welche Bücher mich mehr faszinierten; Chingachgook verkörperte den ‘Wilden’ mit allem, in den Augen eines kleinen Jungen,  notwendigem Zugehörigen; Sprich, mit Köpfe spaltenden Tomahawks und Skalp am Gurt, während Winnetou eher das Zeug zum Helden und loyalen besten Freund hatte.

Old Surehand war das erste gelesene Buch. Nicht der klassische Einsteiger. Liest man doch ‘Winnetou’ oder ‘Der Schatz im Silbersee’, ganz nach Vorgabe der TV-Programmzeitschrift.
Die Ähnlichkeit des Namens zu Old Shatterhand leitete meine Hand, als ich dieses Buch aus dem Regal zog. Ja, nahezu klischeehaft, doch es war so; Ich las die Bücher anstelle der Hausaufgaben, ich las die Bücher im Dunkel mit der Taschenlampe und ich stellte morgens den Wecker um vor der Schule weiter zu lesen.
Die Figuren bekamen ein Gesicht. Der hühnenhafte Old Surehand, der dürre Old Wabble, die dicke Tante Droll, Old Firehand gross und breit wie ein Kleiderschrank, der knurrige Büchsenmacher Henry, der tollpatschige Sam Hawkins, der kleine Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah (aus dem Gedächtnis geschrieben,wohlgemerkt) welcher sich den Hadschi-Titel in ‘Durch die Wüste’ erst verdienen musste und wie die Helden alle hiessen.
Und natürlich die Titelhelden, der Apache Winnetou und sein weisser Bruder Old Shatterhand.

Karl May’s alter Ego Old Shatterhand, oder Kara Ben Nemsi, war gewissermassen Opfer der gar infantilen Züge seines Schöpfers; So verkörperte der Westmann eine Art frühzeitige Comicfigur; Zeichnete sich aus durch nahezu übermenschliche Kräfte, wandelte bis an die Zähne bewaffnet, ein Naturtalent in allem was er anpackte und war die personifizierte Gerechtigkeit ohne Fehl und Tadel.
Und darin sehe ich kein Falsch.
Karl May schrieb Jugendbücher und wie der Junge heute sich gerne mit einem Superhelden des Marvel oder DC-Universums identifiziert, fand er in Old Shatterhand eine heldenhafte Gestalt welche dafür Einstand was gut und richtig war. Durch das Verfassen der Bücher in der Ich-Form, Karl May bezeichnete seine Romane stets als Reiseerzählungen, zog er den jugendlichen Leser noch mehr in seinen Bann und zeichnete ein erstrebenswertes Idealbild vom Umgang der Menschen mit den Menschen.
Wenn auch stets etwas gönnerhaft, hob der Held der Geschichte alle auf eine Stufe.  Indianer wie Schwarze, Araber wie Türken, Muslime wie Heiden.
Ankreiden könnte, muss man aber nicht, lediglich die Glorifizierung des Christentums als einzig richtige Glaubensform sowie die westliche, sprich deutsche, Art zu leben als das alleinig Selig machende.
Doch wie hätte der Leser sich identifizieren können, wenn nicht er das Zentrum des Universums manifestierte.
Karl May vermittelte gewiss eine übertrieben romantisch gezeichnete Seite des Wilden Westens, doch rückte er vom Indianer als kriegerische Rothaut ab und beschrieb statt dessen eine vom Aussterben bedrohte Kultur.
Nicht zuletzt zeigte er auch eine Seite des Orient und Islams, welche so einfach und leicht verständlich kaum anderweitig Einzug die Kinderzimmer gehalten hätten. Er umschrieb die Muslime als stolzes Volk mit unbedingter Loyalität zu Allah und dem Propheten Mohammed, geleitet durch eine Korantreue, welche nichts mit den Terroristen von heute gemein hat, obwohl die Motivation dieselbe zu sein scheint.

Es ist mir bewusst, dass die Reiseerzählung lediglich der Fantasie des Autors entsprungen sind. Doch warum sollte sich dies ein jugendlicher Leser stets vor Augen führen und warum sollte man als Elternteil dieses Bild zerstören.
Vielleicht aus diesem Grund habe ich das Buch ‘Ich’ nie gelesen; Ich wollte nicht wissen wer der Karl May war, sondern genoss es Teil dieser Welt zu sein, welche seinen Träumen gerechter wurde, als die Realität.

Auf Old Surehand folgte natürlich der zweite Teil, Durch das wilde Kurdistan, Winnetou I, II und III, Der Schut, der Ölprinz… Ich verzichte auf eine Auflistung aller Bücher.
Es gab keines welches mich nicht in den Bann zog und mein Lesefluss wurde lediglich durch die begrenzte Anzahl der Romane in der Schulbibliothek gebremst.

In Erinnerung geblieben sind alle und bereits als Kind wurde ich der Illusion beraubt, dass ein Film je einem Buch gerecht werden könnte.
‘Im Tal des Todes’ hat mit dem Buch absolut nichts gemein, ‘Old Surehand’ ist unfreiwillig komisch und die Verfilmung ‘Old Shatterhand’ basiert auf irgendwas, ein Buch dieses Namens wurde von Karl May niemals geschrieben.

Wie soll man nun Karl May ehren.
Er zählt kaum zu den herausragenden Autoren.
Er schuf eine Welt, ein Gegensatz zu einer Realität in welcher er sich unverstanden und ungerecht behandelt fühlt. Eine Scheinwelt, in welche er stets tiefer eintauchte und die Grenzen zum eigenen Leidwesen stets mehr verwischte.

Beherbergt eine gewisse Tragik, dass seine Flucht in ein anderes Leben uns Leser einen Abenteuerroman bescherte.
Seine Bücher werden keinen Reich-Ranicki zu Lobgesängen animieren, sie werden keine französisch-untertitelten schwarz-weiss-35mm-Stummfilm-Gucker zum Gauloises rauchenden Philosophieren anregen und gewiss nicht neben einem Bichsel an den Literaturtagen gelesen.

Aber sie führten viele Jugendliche in die Welt des geschriebenen Wortes und entführen in eine Welt der Gerechtigkeit und des Mutes, umschreiben Abenteuer, Freiheit und Freundschaft in packender Form, vermitteln Werte ohne moralischen Fingerzeig.

Karl May’s Reiseerzählungen übertreffen schlichtweg jegliche Anforderungen, welche man an einen Jugendroman stellen kann.
Wer mehr darin sucht ist ein verzweifelter Nörgler, einer dieser unverbesserlichen Wichtigtuer welcher ein Buch erst als lesenswert erachtet wenn es neun von zehn Lesern gelangweilt zur Seite legen.
Wer sich jedoch der leichten und spannenden Unterhaltung hingeben kann, verlebt mit Winnetou und Old Shatterhand viele unterhaltsame Stunden.

Veröffentlicht unter Krawehl | Ein Kommentar

Wer will fleissige Handwerker sehn

Heute zur Arbeit motiviert hat mich:

«Eine Berufslehre dauert heute drei, in einzelnen Fällen vier Jahre. Eine Primarlehrerausbildung wäre dann weniger wert als eine Berufslehre», hält Oelkers fest. Das würde sich auch auf die Löhne auswirken. «Die Lehrerlöhne würden sich dem Niveau der Berufslehren anpassen.»

>>SHN 27.03.2012 – Umstrittene Vorschläge der SVP zur Bildung<<

Für mich, natürlich bin ein zartbesaitetes Gemüt, liest sich dies so.

Wir Lehrer vertreten klar die Elite der Gattung berufstätiger Menschen, unmöglich dass wir auf das Niveau eines Handwerkes sinken. Als Krone der Schöpfung steht uns ein Gehalt, welches nach wie vor zu tief ist, zu; Unvorstellbar, dass wir proletengleich für n’Appel und ein Ei arbeiten gehen.

Natürlich bin ich etwas dem Kommunismus zugetan, sprich; Warum sind meine neun Stunden Arbeitsleistung weniger wert als die des Lehrers, zumal er gar noch von mir finanziert wird.
Rein materiell gesehen.
Selbstverständlich gestehe ich dem Lehrerberuf einen höheren Stellenwert als meiner Tätigkeit zu. Aber statt dies, meinetwegen auch etwas gönnerhaft, zu goutieren, lässt die werte Lehrerschaft momentan keine Gelegenheit aus, dem Handwerker zu zeigen wo er in der Gesellschaft hin gehört. Da rebelliert natürlich mein dummes Proletengemüt; Ich weiss es ja auch nicht besser, bin ich nur ein ungebildeter Bauer, ohne dem Landwirt auf die Füsse zu treten.

Weiter in der Presseschau;
Der Schweizer im Allgemeinen, und Schaffhauer im Besonderen, lässt keine Gelegenheit aus, seine Kinder hochzujubeln. Sind es nicht die eigenen Kinder, sucht man eine Verbindung und sei dies nur die Nachbarin der Cousine fünften Grades väterlicherseits. So avanciert Roberto di Matteo zum regionalen Volkshelden und ganz Schaffhausen wird Fan der Blues, für nicht Fussball-Fans des Londoner Vereins Chelsea.
Beinahe zum fremdschämen, insofern unsere eigenen fussballerischen Götter irgendwo in der Challange League ihr dasein fristen.
Di Matteo ist wenigstens in Schaffhausen geboren, im Gegensatz zu Christoph Blocher, welcher nichts desto trotz je nach Popularität gerne auch einmal als Schaffhauser Pfarrerssohn bezeichnet wird, obwohl seine Wiege im Kanton Zürich stand.
Erich von Däniken besuchte einmal in Schaffhausen die Schule, nicht die gesamte Schulzeit, doch wenn er nicht gerade im Kittchen sitzt oder einen Mystery-Park in den Ruin treibt, guckt man als Schaffhauser stolz auf einen Sohn der kleinen Stadt.
Oder Otmar H.Ammann, der Schaffhauser welcher die Golden Gate Bridge gebaut hatte.
Gut, er war beratender Ingenieur und in Feuerthalen geboren, aber dies sind Details, ohne sein Ansehen in den Schmutz zu ziehen.

Nehmen wir die ganze Heldenverehrung als bare Münze, könnte man sich immer noch fragen:
Warum muss jedes ‘Kind der kleinen Stadt’ selbige Verlassen um zu Ansehen zu kommen?
Ausser Matthias Gnädinger und Thomas Minder entsinne ich mich keines hier lebenden Schaffhausers von nationalem Ansehen, von Internationalem ganz zu schweigen.

 

Veröffentlicht unter Kurz nachgedacht | Kommentare deaktiviert für Wer will fleissige Handwerker sehn